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NFL - Pro/Contra: Die Quarterback-Situation der New England Patriots

Jarrett Stidham wird wohl der Starting Quarterback der New England Patriots im Jahr 2020 sein.
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Adrian Franke: Zwei Argumente sind schwer zu wiederlegen: Ja, Stidham kennt die Offense und die Receiver besser als jeder Quarterback, den New England jetzt hätte verpflichten können - und angesichts einer mutmaßlich sehr ungewöhnlichen Saisonvorbereitung, welche die NFL-Teams erwartet, ist das ein potenzieller Faktor.

Der andere Punkt: Kein Team und kein Reporter kann Stidhams Entwicklung ansatzweise so gut einschätzen wie die Patriots. Womöglich hat er sich während seiner Rookie-Saison um ein Vielfaches gesteigert? Und vielleicht ist er bereits 2020 ein veritabler Starter? Aber hier beginnt dann der Kritik-Part: Ob er 2020 ein veritabler Starter sein wird, wissen wir alle erst, wenn er seine ersten NFL-Spiele absolviert hat - und das schließt ganz klar die Patriots mit ein.

In meinen Augen ist New England immer noch ein Team mit Playoff-Potenzial. Die Defense hat mit Van Noy und Collins zwei wichtige Spieler in der Front verloren, bekommt aber mit Kyle Dugger und Josh Uche aus dem Draft auch zwei neue Matchup-Waffen für Belichick. Die Secondary sollte noch immer zum Besten gehören, was die NFL zu bieten hat und Belichick selbst ist auch weiterhin gerade auf der defensiven Seite über jeden Zweifel erhaben.

Patriots-Offense: Was kann man realistisch erwarten?

Auf der anderen Seite des Balls sollte die Offensive Line stabiler daherkommen - aber das Waffenarsenal ist und bleibt ein potenzielles Problem. Schon letztes Jahr hatte New England damit zu kämpfen, dass Brady entweder schnell Druck hatte, welcher das Play beendete, oder aber - und das deutlich gravierender - zwar durch die Pocket navigierte, aber schlicht keiner seiner Receiver sich freilaufen konnte.

Diese Problematik ist immer noch zu erkennen, auch mit zwei neuen Tight Ends im Team. Was die Frage aufwirft: Wie weit kann ein junger, unerfahrener Quarterback, der als ziemliches Projekt in die NFL kam, eine Offense mit so einigen Fragezeichen bringen - nachdem Tom Brady letztes Jahr hier erhebliche Probleme hatte?

Oder anders gefragt: Was für einen Sprung müsste Stidham über ein Jahr gemacht haben, damit die Offense besser aussieht als letztes Jahr und so durchaus mögliche, vielleicht auch nur vereinzelte, Rückschritte der Defense auffangen kann?

Patriots: Ein riskantes Spiel mit der Zeit

Denn der Punkt hier für mich ist: Passiert das nicht, reden wir potenziell von einer sehr wackligen Patriots-Offense, und wo letztes Jahr vieles zusammenpasste - die dominante Defense, ein sehr freundlicher Schedule gerade zu Beginn der Saison - gibt es dann vielleicht mehr 10:17-, 9:14- und 6:10-Pleiten als eben knappe Siege.

2020 würde so zum Übergangsjahr werden, während die Defense nicht jünger wird, Edelman bald 34 Jahre alt ist - und Belichick ist auf Kurs, der älteste NFL Head Coach aller Zeiten zu werden. Sollten die Pats nächstes Jahr einen Quarterback draften, hätte Belichick diesen Titel bereits seit zwei Jahren inne, wenn dieser Quarterback seinen Rookie-Vertrag zu Ende gespielt hat.

Ich verstehe es, Stidham eine Chance zu geben, insbesondere, wenn er sich im Training so stark präsentiert hat, wie teilweise kolportiert wird. Ich kritisiere die Patriots auch gar nicht dafür, dass sie keinen de-facto-Starter geholt haben. Aber wenn man sieht, für was Winston bei den Saints und Dalton bei den Cowboys unterschrieben haben und dass Cam Newton eben immer noch auf dem Markt ist, lautet die Kritik dann eher: Warum nicht mal eine Alternative holen?

Warum nicht eine Alternative holen, die zunächst als Sicherheitsnetz fungiert, falls Stidham der Aufgabe doch nicht gewachsen ist? Und im Idealfall mit der möglichen Belohnung, dass man eine mittelfristige Quarterback-Lösung gefunden haben könnte? Das wären für mich Low-Risk-High-Reward-Verpflichtungen gewesen.

So gehen die Pats ultimatives Risiko auf der wichtigsten Position.

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