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NBA Playoffs, Erkenntnisse zu Heat vs. Celtics, Spiel 5: Wie Miami den Sieg verspielte - und was noch mehr Grund zur Sorge macht

Von Philipp Schmidt
Adebayo steht mit den Heat mit dem Rücken zur Wand.
© getty
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3. Alle Celtics-Spieler leisten Beitrag - unklare Rollenverteilung bei den Heat

Und wie sieht es bei den Rollenspielern aus? Dass Kyle Lowry überhaupt in dieser Kategorie genannt werden muss, zeigt, wie es um den Zustand des Ex-Raptors-Stars bestellt ist. Bei ihm ließe sich ebenso wie bei Max Strus, Gabe Vincent und P.J. Tucker damit argumentieren, dass sie angeschlagen in die Partie gingen. Dies war aber auch bei Marcus Smart der Fall. Zudem hielt sich Tatum bereits früh im Spiel schmerzverzerrt die Schulter und bestätigte im Nachgang die Probleme.

Ohne diese Beschwerden gegeneinander aufwiegen zu wollen: Die Leistung von Lowry war absolut indiskutabel, er wirkte wie ein alter Mann, der im Gegensatz zu einem Al Horford nichts mehr im Tank hat, um zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Saison einen Beitrag zu leisten. Es hilft sicherlich nicht, dass die Conference Finals im Zwei-Tages-Rhythmus durchgeboxt werden, ohne Pause für die Spieler. Bereits in der Nacht auf Samstag geht es mit Spiel 6 weiter. Chance zur Regeneration? Fehlanzeige.

Lowrys Spielzeit von 25 Minuten war in Anbetracht dieser Tatsache fast schon zu viel, wobei er wahrscheinlich ohne seine Foulprobleme eher mehr gespielt hätte. Kein Assist, 3 Turnover, 0/6 aus dem Feld, 0/5 aus der Distanz, 1 Rebound. Und auch in der Defensive war er kein Plusfaktor und wusste sich meist nur mit Fouls zu helfen. Sein Partner im Backcourt Strus vollendete das katastrophale Bild. Auch er verfehlte alle seine Würfe (0/9 FG, spielübergreifend steht er bei 0/16 FG!). Zusammengerechnet 0/15 ist die schlechteste Shooting-Leistung eines Starting Backcourts in den Playoffs, seit diese offiziell getrackt wird (1970/71).

Es ließe sich dafür argumentieren, dass die Heat das etwas tiefere Team stellen, wenn denn jeder seine Normalfall erreicht. Die Reservisten um Vincent, Caleb Martin und Duncan Robinson zählten noch zu den Lichtblicken, auch ein (dieses Mal schwacher) Victor Oladipo darf nicht vergessen werden. Doch Stand jetzt stellt Boston nicht nur den besten Spieler der Serie, sondern überzeugt auch durch eine klare Rollenaufteilung.

Udoka hat die Rotation nochmals gestrafft und setzte bis zur Garbage Time nur sieben Spieler ein, von der Bank kamen White und Grant Williams. Payton Pritchard fiel dieser Maßnahme zum Opfer, wie es bereits mit Daniel Theis der Fall war nach der Nets-Serie (mit Ausnahme von Spiel 1 gegen Miami). Der Deutsche wurde als einziger Kelte im Aufgebot gar nicht eingesetzt.

White, der die zweite starke Leistung in Folge zeigte, verlieh dem Spiel der Celtics nach seiner Einwechslung neue Energie, er traf 6 seiner 8 Würfe für 14 Punkte. Williams, der Held aus Spiel 7 gegen die Bucks, beließ es bei 5 Punkten und 6 Rebounds. Dafür hatte Boston allerdings keine Ausfälle a la Lowry oder Strus in der Starting Five. Der angeschlagene Smart und Robert Williams III rieben sich in der Defensive auf, vor allem letzterer machte einen hervorragenden Job als Help Defender (3 Blocks). Und wenn man dann noch zwei Stars hat, die in der entscheidenden Phase übernehmen können, macht das die Sache natürlich deutlich einfacher.

4. Heat vs. Celtics: Weitere Beobachtungen:

  • Es hätte endlich mal eines der wenigen spannenden Playoff-Spiele werden können. Die Differenz von 5 Punkten zur Pause war die knappste im bisherigen Serienverlauf. Kurz nach der Pause gab es den vierten Führungswechsel, so viele wie in der bisherigen Serie zusammen! Doch dann kamen Tatum und Brown und die Heat blieben weiter eiskalt - und die Spannung war schnell dahin.
  • Die gemeinsam erzielten 79 Punkte in Halbzeit eins waren die wenigsten in einem Conference Final seit 2014 (Heat vs. Pacers, Spiel 5).
  • Dass die erste Halbzeit von Tatum und Brown nicht die allerbeste war, wird auch durch die Zahlen untermauert: 19 Prozent (3/16 FG) sind die schlechteste kombinierte Quote des Duos in irgendeiner Halbzeit (inklusive Regular Season), seit die beiden gemeinsam auflaufen.
  • Einen kurzen Schreckmoment gab es nach der Pause, als Grant Williams für Namensvetter Robert startete und dieser nicht einmal auf der Bank zu sehen war. Udoka gab Entwarnung, Williams III wurde aufgrund einer Verspannung lediglich nochmal ordentlich durchgedehnt und wirkte kurz darauf wieder mit. Und das mit Erfolg: Laut SecondSpectrum trafen die Heat nur 2/13 FG, wenn er der nächste Verteidiger war.
  • Welche Message hat Tatum an seine Mitspieler vor Game 6? "Glaubt nicht, was ihr (die Medienvertreter, Anm. d. Red.) im TV sagt. Dass wir schon die Meisterschaft gewonnen haben. Es ist noch nicht vorbei." Tatum spricht aus Erfahrung: Er war dabei, als die Celtics letztmals eine 3-2-Führung in den Conference Finals hatten und diese gegen die Cavaliers 2018 noch verspielten. Es fühle sich nun aber definitiv anders an: "Das war mein Rookie-Jahr, wir hatten ein anderes Team. Ich bin viel besser, JB ist es auch. Wir sind älter und haben einiges durchgemacht."

Miami Heat vs. Boston Celtics: Die Serie im Überblick (2-3)

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
118. Mai2.30 UhrMiami HeatBoston Celtics118:107
220. Mai2.30 UhrMiami HeatBoston Celtics102:127
322. Mai2.30 UhrBoston CelticsMiami Heat103:109
424. Mai2.30 UhrBoston CelticsMiami Heat102:82
526. Mai2.30 UhrMiami HeatBoston Celtics80:93
628. Mai2.30 UhrBoston CelticsMiami Heat-
7*30. Mai2.30 UhrMiami HeatBoston Celtics-

*falls nötig

 

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