Suche...
NBA

NBA - Portland Trail Blazers auf der Suche nach sich selbst: Will denn niemand helfen?

Von Robert Arndt
Damian Lillard erhält momentan kaum Unterstützung bei den Blazers - auch nicht von C.J. McCollum.

Nach dem Erreichen der Conference Finals in der vergangenen Saison bauten die Portland Trail Blazers ihr Team hinter den beiden Stars Damian Lillard und C.J. McCollum um. Der Start war jedoch ausbaufähig, auch wenn Lillard mit einer Ausnahme überragend spielte. Woraus hakt es im verregneten Nordwesten der USA?

Damian Lillard kann eben nicht immer die Kohlen aus dem Feuer holen. Gegen die Toronto Raptors verbuchte der All-Star zum ersten Mal seit über drei Jahren, das sind 254 Spiele, mit 9 Zählern (2/12 FG) und 10 Assists keine zweistellige Ausbeute. Portland verlor dadurch von den ersten fünf Heimspiele vier Partien, sehr ungewöhnlich für die fast schon traditionell heimstarken Blazers.

Zur Verteidigung von Lillard muss aber auch gesagt werden, dass Toronto schon zuvor ausgewiesene Scorer wie LeBron James (13) und Kawhi Leonard (12) an die Kette legte. Gegen Lillard gelang dies mit der Box-and-One-Defense, welche die Raptors bereits in den Finals gegen Stephen Curry präsentierten und die auf diesem Niveau äußerst selten zu sehen ist.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das schon mal in der NBA gegen mich gesehen habe", rätselte auch Lillard. "Ich habe den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen. Immer wenn ich penetrieren wollte, dann waren da vier Gegenspieler. Mir blieb nichts anderes übrig, als das richtige Play zu machen und den Ball zu passen."

Nach Blazers-Umbruch: Lillard fehlt Unterstützung

Und genau das wollten die Raptors, wie schon viele andere Teams zuvor, wenn auch mit anderen defensiven Strategien. Die Blazers hängen am Tropf des Guards, erst recht weil dessen kongenialer Partner C.J. McCollum noch überhaupt nicht in der Saison angekommen ist.

Die Quoten des Shooting Guards sind im Keller (41 Prozent aus dem Feld, 31 Prozent aus der Distanz), er kann also nicht die große Aufmerksamkeit der Gegner für Lillard bestrafen. Dabei ist McCollum doch die Konstante neben Lillard, nachdem Portland im Schatten der beiden Stars den Kader kräftig umgemodelt hat.

Die defensivstarke Flügelzange aus Moe Harkless (Clippers) und Al-Farouq Aminu (Magic) ist Geschichte, stattdessen sind die Blazers mit Rodney Hood nun noch kleiner. Dazu schmerzt der Ausfall von Zach Collins, wodurch Mario Hezonja viel auf der Vier und teilweise sogar als Center aushelfen muss.

Portland Trail Blazers - Die Topscorer

SpielerPunke pro SpielFeldwurfquoteDreierquoteFreiwurfquote
Damian Lillard30,548,238,691,5
C.J. McCollum20,140,731,378,1
Hassan Whiteside14,857,40,073,8
Rodney Hood12,050,048,882,4
Anfernee Simons11,847,338,280,0

Portland: Verletzungen und neue Rollen

So überrascht der 4-8-Start der Blazers nur in Teilen. In den vergangenen Jahren konnte Portland auf Kontinuität, Eingespieltheit und auch Gesundheit setzen, das ist nun nicht mehr der Fall. Neben dem moderaten Umbruch fehlen in Collins, Pau Gasol und Jusuf Nurkic gleich drei fähige Big Men, in Nurkic sogar der drittbeste Spieler des Teams - so etwas steckt kein Team so einfach weg,

"Wir haben ein komplett neues Team, das wird Zeit brauchen", mahnte auch Lillard. Zeit ist jedoch ein rares Gut, vor allem in der überladenen Western Conference, in der mit den Lakers, Suns, Timberwolves und Mavericks gleich vier Teams einen starken Start erwischten, die in der vergangenen Saison nicht in den Playoffs standen.

In Portland müssen sich viele dagegen noch an ihre neuen Rollen gewöhnen. Hood, Hezonja und auch Backup-Center Skal Labissiere sind alle zu klein für ihre zugedachten Übergangsrollen, dennoch wurde von ihnen viel verlangt, weil es bisher keinerlei Alternativen gab.

In Person von Carmelo Anthony hat Coach Terry Stotts nun eine bekommen. Der 35-Jährige wird in Portland offenbar einen ungarantierten Vertrag unterschreiben und damit nun doch seine Chance auf ein Comeback in der Association bekommen.

Melo sollte die dünne Forward-Rotation etwas aufpolstern, zudem könnte er etwas Scoring-Last von Lillards Schultern nehmen - sofern er denn überhaupt noch etwas im Tank hat. Die nicht gerade positiven Erinnerungen an den Rockets-Melo sind noch frisch, defensiv ist er ohnehin keine Hilfe. Dennoch tut Portland gut daran, dass relativ geringe Risiko mit Anthony einzugehen.

Anfernee Simons spielt sich in den Fokus

Ein Lichtblick ist zudem Zweitjahresprofi Anfernee Simons, der im Vorjahr noch kaum zum Zug kam und nun sogar Crunchtime-Minuten sieht. So vertraut Coach Stotts öfters auf ein Drei-Guard-Lineup mit den beiden Stars und Simons, der bisher keine Scheu vor den großen Momenten zeigt und auch das Vertrauen der Platzhirsche zu genießen scheint.

So gesehen beim Thriller gegen die Philadelphia 76ers, als Simons nach einem Lillard-Drive in der Ecke den Ball serviert bekam und der Youngster den potenziellen Gamewinner ansatzlos versenkte. Dass Portland trotzdem noch verlor, war ärgerlich, doch Simons hatte sich bewiesen. Zuletzt bekam auch Rookie Nassir Little einige Chancen, er sieht jedoch noch nicht uneingeschränkt bereit für die NBA aus.

Portland Trail Blazers: Die Kontroverse um Hassan Whiteside

Und dann ist da noch die kontroverse Personalie Hassan Whiteside. Der Big wurde im Sommer via Trade aus Miami geholt, um die Verletzung von Nurkic einigermaßen zu überbrücken. Die Zahlen sehen auch nicht schlecht aus. Der Center legt mit 14,8 Punkten und 12,2 Rebounds ein Double-Double in durchschnittlich 27,5 Minuten auf, auch die Advanced Stats sehen in Whiteside einen Spieler mit positivem Einfluss (Net-Rating: +2,1).

Trotzdem bleibt der 30-Jährige streitbar. Zu häufig wirkt der Center lustlos bzw. nicht mit vollem Einsatz bei der Sache, weswegen Whiteside vor allem von Charles Barkley ordentlich einstecken musste. "Seine größte Stärke ist es, zweimal im Monat zur Bank zu gehen und Geld zu stehlen", ätzte der Hall of Famer, der auch von Kollege Shaquille O'Neal Unterstützung bekam. Whiteside spiele "ohne Einsatz", so der einhellige Tenor.

Das ist natürlich übertrieben, zeigt aber auch, wie schlecht das Image des früheren Heat-Spielers ist. Selbst mit Lillard kam es schon zu Differenzen auf dem Feld, der Point Guard wank einmal frustriert ab, es wurde geflucht, als Whiteside gegen die Clippers nicht zum Korb rollte und Lillard so einen Turnover produzierte.

Portland Trail Blazers: Zurück ins Mittelmaß?

Whiteside gab sich danach wenigstens einsichtig und verstand auch, wieso Lillard so reagierte: "Das ist sein Job als Anführer. Er pickt sich nicht nur mich heraus, er redet mit allen, aber natürlich will er mich nur besser machen."

Dafür ist Geduld gefragt, die will Lillard mitbringen. Etwas anderes bleibt ihm auch gar nicht übrig bei der Personallage im Rose Garden. Es ist nicht das erste Mal in der Lillard-Ära, dass die Blazers schwach starten, doch diesmal scheinen die Vorzeichen etwas anders, auch wenn die Statistiken keine eindeutigen Schwächen der Blazers aufweisen.

Portland ist auf Platz 14 im Angriff, auf 19 in der Defense, 36 Prozent von Downtown sind ebenfalls Mittelmaß. Diese Auflistung kann jederzeit weitergeführt werden, denn genau das sind die Blazers im Moment. Besserung könnte nun Melo oder spätestens die Rückkehr von Nurkic bringen, doch der wird nach seinem Beinbruch frühestens nach dem All-Star-Game wieder ins Geschehen eingreifen.

Umso mehr wird der Fokus auf Lillard gerichtet sein, die Blazers brauchen in ihrer Lage 30 Punkte pro Nacht von ihrer Franchise-Ikone. Leichter wird es nämlich nicht, in den kommenden zehn Tagen warten gleich sechs Auswärtsspiele auf Portland.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung