NBA

"LeBron ist einfach zu coachen"

Mike Brown trainierte von 2005 bis 2010 LeBron James bei den Cleveland Cavaliers
© getty
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SPOX: Danach wechselten zu Rick Carlisle nach Indiana. Die Zeit bei den Pacers war äußerst erfolgreich, wurde aber vom "Malice at the Palace" überschattet. Wenn Sie zurückschauen, würden Sie sagen, dass Sie damals eine Chance auf den Titel gehabt hätten, wenn es diese Massenschlägerei nicht gegeben hätte in deren Folge etliche Spieler lange gesperrt wurden?

Brown: Ich denke, wir hätten in dem Jahr gewonnen. Wir hatten ein richtig tiefes Team. Detroit galt es zu schlagen und wir führten in dem besagten Spiel schließlich auch drei Minuten vor dem Ende mit 15 Punkten. Wir haben in dem Jahr eine Chance verschwendet.

SPOX: Sie wurden dann 2005 Head Coach der Cleveland Cavaliers und mischten die Liga mit Nachwuchsstar LeBron James auf. Die Cavs flogen zwar in der zweiten Playoff-Runde raus, aber LeBron brach einen Rekord nach dem anderen. War das der Punkt, an dem Sie dachten: "Dieser Junge wird die NBA dominieren?"

Brown: Das war mir eigentlich schon klar, als ich das erste Mal mit ihm arbeitete. Mir war frühzeitig klar, dass er die Chance hatte, der Größte zu werden. Er ist einer der cleversten Jungs, die ich im Basketball kennengelernt habe. Wenn du dann das Talent, die Größe, die Athletik und oben drauf noch diese Intelligenz hast, sind das die besten Voraussetzungen, um ein gefährlicher und sehr guter Spieler zu werden. IQ kannst du nicht lernen.

SPOX: Ein Jahr später waren Sie Augenzeuge einer der größten Performances in der NBA-Geschichte, als LeBron in Spiel 5 gegen die Pistons die letzten 25 Punkte für die Cavs erzielte. Was haben Sie ihm damals gesagt?

Brown: Ich habe zu ihm gar nichts gesagt, aber zu den anderen sagte ich: "Geht ihm aus dem Weg! Wenn ihr das nicht macht, nehme ich euch runter!" (lacht)

SPOX: In den Finals wurden sie dann von den Spurs gesweept. Was lief falsch?

Brown: Wir waren einfach noch nicht bereit. Wir hatte nur einen einzigen Spieler, der schon mal in den Finals stand und das war Backup-Point-Guard Eric Snow. Wir waren total unerfahren und auch nicht gerade ein tiefes Team. LeBron war unser einziger All-Star in dem Jahr und wenn man sich heutzutage die Finals anschaut, sind in jedem Team gleich mehrere All-Stars. Und wenn sie in dem Jahr kein All-Star waren, waren sie es zumindest in den Jahren zuvor. Das war bei uns nicht so. Die Jungs haben einfach über ihrem Niveau gespielt und wir hatten sicher auch ein bisschen Glück. Ich wusste, dass wir Probleme bekommen werden, als ich unsere Jungs vor dem ersten Training in San Antonio sah.

SPOX: Was ist dort passiert?

Brown: Wir fingen an uns zu dehnen und plötzlich lief einer meiner Trainer mit einer Videokamera herum. Ich fragte ihn, was er da macht und er sagte, dass die Spieler ihn gebeten hätten, alles mit der Kamera festzuhalten. Und da wusste: "Oh Gott, wir sind in Schwierigkeiten!" Die Jungs waren so aufgeregt, in den Finals zu stehen, dass sie schon filmten, bevor wir Spiel 1 gespielt hatten. Ich sagte: "Pack die Kamera weg, wir haben hier noch was zu erledigen!" Aber wir waren einfach zu unerfahren.

SPOX: Sie wurden dann 2010 gefeuert und anstatt in der Liga zu bleiben, wurden Sie Assistant Coach beim Highschool-Team Ihres Sohnes. Das ist ziemlich ungewöhnlich.

Brown: Das ist so nicht ganz richtig. Ich war nicht der Assistant Coach. Mein jüngster Sohn ist ein richtig guter Football-Spieler, er spielt jetzt auch am College. Er war damals in der siebten oder achten Klasse und fragte mich, ob ich bei seinem Football-Team helfen könnte. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was man als Football-Coach machen muss. Am Ende war ich eine Saison lang der Wasserträger des Teams. (lacht)

SPOX: Mr. Brown, ich weiß, das Taxi wartet, aber lassen Sie mich eine letzte Frage stellen. Sie haben LeBron und Kobe trainiert. Wer ist schwieriger zu coachen?

Brown: Ich glaube nicht, dass es eine Antwort darauf gibt. Sie sind unterschiedliche Spieler und Menschen. Manchmal ist es leichter, dem einen die eine Sache zu sagen und dem anderen die andere Sache. Das hängt immer von der Situation ab. Aber letztlich bleibt festzuhalten, dass beide höchst intelligent sind, beide wollen immer gewinnen und sie sind außergewöhnliche Spieler. Solche Jungs will ich um mich herumhaben. Sie sind einfach zu trainieren.

Die Finals in der Übersicht

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