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NBA

Der alte Mann und die Bananenrepublik

Die vergangenen sieben Tage hielten Meisterleistungen und Aufreger bereit
© getty

Schmutzfink der Woche

Der Speichel spritzte nur so umher. Die Offiziellen wandten sich entsetzt ab. Und die Plastik-Schiene flog auf den Boden in Richtung des Anschreibetischs. Wenige Augenblicke zuvor hatte sie die Hand von Steph Curry verlassen. Und wenige Sekunden davor seinen Mund.

"Das ist ganz schön eklig. Schließlich muss er den Mundschutz irgendwann wieder in den Mund nehmen." Erst die Worte von Steve Kerr verdeutlichten das Ausmaß der Unreinheit, die sich der MVP in den Schlussminuten beim Sieg über die Clippers geleistet hatte. Gerade der Saubermann der Liga. Das war schon schon ein starkes Stück.

Dennoch stellte sich der Coach vor seinen Spieler - auch in einer solch schwierigen Situation wie dieser: "Ich denke nicht, dass er dafür ein Technisches Foul verdient hatte", so Kerr: "Er hat schließlich nichts gesagt." Es ist einmal mehr ein Zeichen des Zusammenhalts der Warriors.

Bedenkt man, dass Golden State wenige Tage zuvor gegen die San Antonio Spurs eine empfindliche Niederlage einstecken musste, ist die Aktion von Kerr noch wertvoller. Die Dubs ließen sich nicht davon entmutigen, dass Gregg Popovich sie ausgecoacht und eine gute Defensiv-Strategie gegen Curry entwickelt hatte. Sie spielten einfach weiter Basketball - mit Herz und Leidenschaft.

Die Ursache für Currys Ausraster war übrigens ein Foul, das seiner Meinung nach zu Unrecht gegen ihn gepfiffen wurde. Dabei war das Spiel gegen L.A. längst entschieden. Die letzte Schlussfolgerung aus dem Mundschutz-Gate ist eindeutig: Wenn so etwas die Warriors schon nicht spalten kann, was dann? Ach ja, eigentlich nur die Spurs.

Bananenrepublik der Woche

Jeder kennt den eisernen Kodex: Was auf dem Bananenboot passiert, bleibt auf dem Bananenboot. Das gilt auch für NBA-Spieler. So ergab es sich, dass aus dem Sommerurlaub keinerlei Gesprächsinhalte nach außen drangen, sondern lediglich ein Bild von LCCD im Netz auftauchte.

Ihr kennt LCCD nicht? Das ist die neueste Imitation von TKKG, bestehend aus LeBron James, Chris Paul, Carmelo Anthony und Dwyane Wade. Nur, dass Melo anscheinend nicht genug gefrühstückt hatte und auf dem Bild bereits von der Banane gefegt worden war. Gabrielle Union, Wades Ehefrau, saß hingegen noch fest im Sattel. Aber das braucht Anthony nicht sonderlich zu denken zu geben, denn vermutlich würde Gaby auch in der Rotation der Knicks noch ein paar Minuten Spielzeit abgreifen.

Aber zurück zu unserem nicht-literarischen Quartett: Knapp acht Monate nach dem intensiv diskutierten Bahamas-Ausflug macht Rudelführer James mit interessanten Aussagen auf sich und das konspirative Treffen aufmerksam. Vor dem Ende der Karriere möchte er mit seinen drei Lieblings-Kollegen zusammenspielen - und zwar mindestens ein, vielleicht sogar zwei Jahre.

Zu schade, dass nicht jeder Einwohner von Cleveland solch eine Pracht-Braue wie Anthony Davis sein Eigen nennen darf. Man stelle sich nur einmal vor, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn alle Cavs-Fans ihre Monos gleichzeitig hochgezogen hätten. Die Welt hätte für einen kurzen Moment still gestanden. So blieb es beim kollektiven "Whaaaaaat?"

Die Idee der Fantastic Four scheint auch Melo zu gefallen. So gab er zu Protokoll, dass er wie LeBron Gehaltseinbußen in Kauf nehmen würde, um mit seinen Best Buddys zu zocken. Und Anthonys Zusatz, man würde sich dafür wohl eher einen Platz im sonnigen Süden des Landes aussuchen, ließ Phil Jackson zeitgleich aus seiner Meditation im Big Apple aufschrecken.

Doch nicht etwa in Miami, wo Wade noch spielt und immer spielen wird? Wohin Paul 2017 und Melo 2018 wechseln könnte? Und wohin James von seiner Heimkehr heimkehren könnte?

Natürlich ist es eine Fantasie, vielleicht eine Zukunfts-Vision - aber dennoch ein unnötiger Unruheherd im Kampf um den No. 1 Seed im Osten. Wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu erwähnen, dass James mit D-Wade in der Pause des Spiels gegen die Heat einen ausgedehnten Plausch gehalten hat? Auf das Aufwärmen für die zweite Hälfte verzichtete er dafür. Sein Team lag ja auch nur mit 21 Punkten zurück. Also keine Situation, in der die Cavs ihren Leader gebraucht hätten.

Nimmt man dazu noch die Tatsache, dass LeBron den Twitter-Account der Cavs am Montag entfollowed hat, könnte beim geneigten Beobachter des schönsten Ballsports des Planeten der Eindruck entstehen, irgendetwas würde schief laufen im Staate Ohio.

Um dem Unruhestifter die Leviten zu lesen, bestellten ihn GM David Griffin und Coach Tyronn Lue nacheinander zum Rapport. Die Botschaft nach außen: James habe alles verstanden, eingesehen, sei zu Kreuze gekrochen, habe sich entschuldigt, Besserung gelobt, die Aktionen bedauert, Treue geschworen, sei mit der Situation bestens umgegangen und habe darüber hinaus noch hundert Mal fehlerfrei die Namen aller seiner Teammates aufgesagt.

Am Ostersonntag wird er übrigens wieder auferstehen, denn er ist schließlich LeBron James. Nur wehe, sollte er seinen Traum von der LCCD-Bananenrepublik wirklich wahr machen und seine Stadt erneut (und ohne Titel) verlassen. Dann würde in Cleveland wohl eine echte Kreuzigung auf den King warten.

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