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Handball

Handball-WM: Traum vom Viertelfinale so gut wie geplatzt! DHB-Team verliert gegen abgezockte Spanier

Das DHB-Team hat gegen Spanien verloren.

Deutschland hat sein erstes Hauptrundenspiel bei der WM in Ägypten verloren. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason unterlag in der New Capital Sports Hall in Kairo trotz einer starken Phase mit 28:32 (13:16) gegen Europameister Spanien. Bester DHB-Werfer war Timo Kastening mit sieben Toren.

Damit sind die Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale auf ein Minimum gesunken. Entweder müsste Spanien seine beiden Hauptrundenspiele gegen Ungarn und Handball-Zwerg Uruguay verlieren, während das DHB-Team gleichzeitig seine Partien gegen Brasilien (Sa., 20.30 Uhr im LIVETICKER) und Polen (Mo., 20.30 Uhr im LIVETICKER) gewinnen müsste. Die zweite etwas realistischere Chance wären zwei Pleiten der Ungarn, womit es bei zwei DHB-Siegen zu einem Dreiervergleich zwischen Ungarn, Polen und Deutschland kommen könnte.

"Wir haben angefangen, mit viel zu viel Risiko zu spielen, nachdem wir eine Viertelstunde überragend gespielt haben. Wir haben mehrere ganz freie Bälle verworfen und uns das Spiel selbst kaputt gemacht. Die Chancen, die wir verworfen haben, waren alle überragend herausgespielt. Ich weiß nicht, ob das Selbstzweifel waren", sagte Gislason. "Wir haben zu viele Bälle liegen gelassen. Das tut einfach nur weh. Das Schwierigste ist jetzt, das zu verdauen", so Kapitän Uwe Gensheimer.

Und Torhüter Jogi Bitter meinte: "Wir haben ein geiles Spiel gemacht. Wenn uns vorher jemand gesagt hätte, dass wir die Spanier so unter Druck setzen und kurz davor sind wegzuziehen, dann hätten wir das genommen. Wir hatten immer Spaß am Spiel und sind auch mal Risiko gegangen. Dass wir dann zwei, drei Fehler machen, die uns das Genick brechen, und Gegenstöße kassieren, hätte nicht sein müssen."

Spanien, das sich zuletzt zweimal in Folge den EM-Titel sicherte, ist mittlerweile seit dem 23. Januar 2019 in Pflichtspielen ungeschlagen. Damals zogen die Iberer bei der WM in Köln mit 30:31 gegen Deutschland den Kürzeren.

Deutschland vs. Spanien: Der Spielverlauf

Gislason verzichtete in seinem 16er Kader diesmal auf Torhüter Silvio Heinevetter und die Rückraumspieler Lukas Stutzke, Marian Michalczik und Antonio Metzner. Im Vergleich zur 28:29-Niederlage gegen Ungarn rückte damit Kreisläufer Moritz Preuss für Metzner ins Aufgebot.

Spanien bereitete dem DHB-Team von Beginn an mit einer extrem offensiven und aggressiven Abwehr riesige Probleme. Jeder einzelne Treffer musste hart erarbeitet werden, auch weil Torhüter Rodrigo Corrales starke Paraden zeigte.

Defensiv war Sebastian Firnhaber im Mittelblock erneut anzumerken, dass er auf allerhöchstem Niveau noch größere Schwierigkeiten hat. Der Erlanger hatte nach zehn Minuten bereits zwei Zwei-Minuten-Strafen auf dem Konto und musste wie schon gegen Ungarn frühzeitig durch Fabian Böhm ersetzt werden.

Nach einer ergebnistechnisch ausgeglichenen Anfangsphase setzte sich die Mannschaft von Trainer Jordi Ribera nach einer Viertelstunde erstmals auf 9:6 ab. In der Folgezeit wäre die Chance dagewesen, die Partie enger zu gestalten. Doch die Gislason-Truppe ließ wieder einmal ein paar klare Möglichkeiten zu viel liegen.

Kurz vor der Pause wechselte der Bundestrainer bereits im Tor. Für Andreas Wolff, der nach einer ordentlichen Anfangsphase erneut rapide abbaute, kam Bitter in den Kasten. Nachdem Spanien kurzzeitig sogar mit vier Treffern in Führung gelegen hatte, ging es beim Stand von 13:16 in die Kabinen.

Starker DHB-Auftakt in die zweite Halbzeit

Die deutsche Mannschaft - nun wieder mit Firnhaber neben Johannes Golla im Mittelblock - kam super aus der Pause. Die Abwehr war beweglicher, Bitter hatte gute Aktionen und im Angriff drehte vor allem Kai Häfner (6 Tore, 67 Prozent Trefferquote) mit tollen Einzelaktionen und überragenden Anspielen mächtig auf.

In der 38. Minute brachte Timo Kastening Deutschland tatsächlich nach langer Zeit mal wieder in Führung (20:19), Spanien wurde zur Auszeit gezwungen. Dennoch baute das DHB-Team seinen Vorsprung nach 44 Minuten auf 25:22 aus.

Der junge Juri Knorr hatte nach seiner Hereinnahme gute Aktionen, leistete sich allerdings dann ein paar leichtsinnige Ballverluste. Insgesamt unterliefen der DHB-Auswahl nun viel zu viele Fehler. Spanien benötigte lediglich sieben Minuten, um mit einem 6:0-Lauf die Partie wieder komplett auf den Kopf zu stellen (25:28).

Deutschland, das in dieser Phase neun Minuten ohne eigenen Treffer blieb, ließ seine Chancen teils fahrlässig liegen, während die erfahrenen Spanier wesentlich abgezockter agierten. In der 55. Minute kassierte Firnhaber unberechtigter Weise seine dritte Zeitstrafe und musste damit mit der Roten Karte vom Feld. Bis fünf Minuten vor Schluss bauten die Spanier ihren Vorsprung auf vier Tore aus (30:26), was die Vorentscheidung bedeutete.

Deutschland vs. Spanien: Die Daten zum Spiel

Anfangsformation DHB: Wolff - Gensheimer, Kühn, Weber, Häfner, Kastening, Golla

Torschützen DHB: Kastening (7), Häfner (6), Golla (4), Schiller (3 - 3 von 4 Siebenmeter), Gensheimer (3), Drux, Weber (beide 2), Knorr (1)

Torschützen Spanien: Fernandez (6), Ferran Sole, A. Dujshebaev (beide 5), Entrerrios (4), D. Dujshebaev (3), Maqueda, Sarmiento, Figueras, Canellas (alle 2), Gomez (1)

Zwei-Minuten-Strafen: Deutschland (5) - Spanien (3)

Rote Karte: Firnhaber (55.)

Der Star des Spiels: Rodrigo Corrales/Gonzalo Perez de Vargas

Die spanischen Keeper zogen der deutschen Mannschaft letztlich den Zahn. Rodrigo Corrales zeigte im ersten Durchgang über weite Strecken eine tolle Vorstellung (9 Paraden, 31 Prozent abgewehrte Würfe). Als Perez de Vargas dann in der zweiten Hälfte kam, vernagelte er den Kasten minutenlang komplett (5 Paraden, 45 Prozent).

Der Flop des Spiels: Andreas Wolff

Wurde wie schon gegen Ungarn mit lediglich vier Paraden (22 Prozent) seinen Ansprüchen in keinster Weise gerecht. Die nominelle Nummer 1 im Kasten enttäuschte damit in beiden Partien mit Finalcharakter.

Handball-WM 2021: Der DHB-Kader im Überblick

SpielerPositionVerein
Andreas WolffTorKS Vive Kielce
Johannes BitterTorTVB Stuttgart
Silvio HeinevetterTorMT Melsungen
Uwe GensheimerLinksaußenRhein-Neckar Löwen
Marcel SchillerLinksaußenFrisch Auf Göppingen
Julius KühnRückraum linksMT Melsungen
Paul DruxRückraum linksFüchse Berlin
Fabian BöhmRückraum linksTSV Hannover-Burgdorf
Lukas StutzkeRückraum linksBergischer HC
Philipp WeberRückraum MitteSC DHfK Leipzig
Juri KnorrRückraum MitteTSV GWD Minden
Marian MichalczikRückraum MitteFüchse Berlin
Kai HäfnerRückraum rechtsMT Melsungen
David SchmidtRückraum rechtsBergischer HC
Antonio MetznerRückraum rechtsHC Erlangen
Patrick GroetzkiRechtsaußenRhein-Neckar Löwen
Timo KasteningRechtsaußenMT Melsungen
Moritz PreussKreisSC Magdeburg
Johannes GollaKreisSG Flensburg-Handewitt
Sebastian FirnhaberKreisHC Erlangen
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