"Heute kann ich Favre besser verstehen"

Amin Younes spielt derzeit bei Ajax Amsterdam
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SPOX: Sie sind ein kleiner und dribbelstarker Spielertyp. Arbeiten Sie speziell an Ihrer Durchsetzungsfähigkeit?

Younes: Auf jeden Fall. Ich muss auf eine gute Ernährung achten, um diese Beweglichkeit beizubehalten. Um ehrlich zu sein, war mir das in Gladbach nicht so bewusst, aber bei Ajax hat sich das geändert. Wir sind verpflichtet, zusammen zu frühstücken und bekommen ausschließlich glutenfreie Produkte. Außerdem gehe ich abends nicht mehr mit Freunden weg und esse nicht mehr jeden Müll, zusätzlich lasse ich weitgehend die Finger von Brot. Das ist nicht immer ganz einfach, weil das in meiner Kultur oft serviert wird.

SPOX: Offenbar zahlt sich das aus: In Ihrer ersten Saison bei Ajax waren Sie insgesamt an 17 Toren beteiligt.

Younes: Frank de Boer als Trainer war das Beste, was mir passieren konnte. Ich durfte endlich wieder Fußball spielen. Ich habe von Anfang an gemerkt, dass ich zwar Gas geben muss, dann aber auch spielen werde. Vom ersten Gespräch an habe ich Ehrlichkeit gespürt.

SPOX: Sie loben de Boer in höchsten Tönen. Mittlerweile ist er zurückgetreten und Peter Bosz hat übernommen. Was macht er anders?

Younes: Peter Bosz spricht deutlich mehr als Frank de Boer. Ich habe unter ihm taktisch einige neue Ansätze kennengelernt und bin davon überzeugt, dass ich mich steigern werde. Aber ich musste auch erstmal lernen, über einen längeren Zeitraum jedes Spiel zu bestreiten. Das kannte ich aus meiner Zeit bei Gladbach ja gar nicht.

SPOX: Auch über Sport-Direktor Mars Overmars haben Sie sich positiv geäußert. Was zeichnet ihn aus?

Younes: Die Verantwortlichen von Ajax sind grundsätzlich einfach omnipräsent. Sie schauen sich das Training an, sprechen viel mit den Spielern und haben so auch Einfluss auf mich persönlich. Overmars strahlt Bescheidenheit aus und damit kann ich mich identifizieren, weil ich auch mit beiden Füßen auf dem Boden stehe.

SPOX: Ein Karriere-Highlight blieb Ihnen wegen Ajax allerdings verwehrt: Olympia 2016. Wie groß war die Enttäuschung, als Sie wegen der Champions-League-Playoffs nicht freigegeben wurden?

Younes: Die Enttäuschung war groß und ich hatte lange daran zu knabbern. Ich hätte Herrn Hrubesch gerne nochmal etwas zurückgegeben, immerhin hat er mir über die Jahre viel beigebracht. Aber auf der anderen Seite war es auch ein schönes Gefühl, dass Ajax mich braucht.

SPOX: Auch als Sie noch bei Gladbach nur Kurzeinsätze bekamen, waren Sie bei Hrubesch gesetzt. Wie haben Sie diesen Kontrast erlebt?

Younes: Die Nationalmannschaft ist wie eine Familie. Herr Hrubesch hat mir vertraut, aber eben auch nur deshalb, weil mir meine Mitspieler vertraut haben. Das Verhalten von ihm war einfach Weltklasse. Das beste Beispiel war die U21-EM 2015. Ich habe bei Lautern lange nicht gespielt und trotzdem hat er auf mich gesetzt - das war überragend von ihm. Bei diesem Turnier wurde Ajax dann auch noch mehr auf mich aufmerksam.

SPOX: Sie haben zahlreiche U-Nationalmannschaften Deutschlands durchlaufen. Wäre es für Sie dennoch denkbar, für den Libanon, das Heimatland Ihres Vaters, aufzulaufen?

Younes: Ich glaube daran, dass es auch in Deutschland möglich ist, für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen, aber in der letzten Zeit habe ich das Interesse vom libanesischen Verband wahrgenommen. Da bin ich aber ganz entspannt.

SPOX: Im Libanon engagieren Sie sich stark für den Jugendfußball. Was genau machen Sie?

Younes: Ich habe das Privileg, dass ich in meinem Leben sehr viel bekommen habe und möchte etwas zurückzahlen. Deshalb engagiere ich mich besonders bei zwei Projekten. Einerseits habe ich gemeinsam mit meinem Onkel im Libanon eine kleine Jugend-Akademie aufgebaut. Dort haben Kinder, die in sehr armen Verhältnissen aufwachsen, einfach Spaß am Sport und einen Ausgleich zum Alltag.

SPOX: Und das zweite Projekt?

Younes: Das ist eine humanitäre Organisation, die Islamic Relief heißt und Events organisiert, unter anderem Fußball-Turniere. Die Einnahmen werden an Kinder aus armen Verhältnissen gespendet. Ich helfe da bei der Werbung für die Events, versteigere Trikots und habe einige Patenkinder.

Amin Younes im Steckbrief

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