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Mats Hummels nach seiner Rückkehr zum BVB: Der erste Prüfstein steht an

Von Stefan Petri
Mats Hummels trifft mit Borussia Dortmund auf den FC Barcelona.

Mit großen Erwartungen holte Borussia Dortmund Innenverteidiger Mats Hummels von Bayern München zurück: Der 30-Jährige soll das fehlende Puzzleteil auf dem Weg zu Titeln sein. Vor dem Champions-League-Heimspiel gegen den FC Barcelona (21 Uhr im Liveticker) lässt sich feststellen: Der Transfer war ein Erfolg - die wirklich großen Aufgaben kommen allerdings erst noch.

"Wir sind wegen unserer Defensive nicht Meister geworden. Dieses Problem haben wir gelöst." So begründete BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke Ende Juni die spektakuläre Rückholaktion von Mats Hummels. Sportlich gesehen wurde der Transfer zweifellos als Verstärkung angesehen, Zweifel herrschten lediglich angesichts der hohen und wohl nicht mehr durch einen späteren Verkauf refinanzierbaren Ablöse. Dazu kam die Frage, wie sich Hummels nach drei Jahren Abwesenheit in die Mannschaft integrieren und wie er von den Fans empfangen werden würde.

Rund zweieinhalb Monate später ist der Sturm der BVB-Ultras ausgeblieben, zumindest war es einer im Wasserglas, der sich schnell aufgelöst hat. "Du bist beim BVB immer extrem willkommen", hatte Watzke 2016 bei Hummels' Abgang zu den Bayern betont, fast schon prophetisch.

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Schon bei Hummels' erstem Pflichtspiel beim Saisonauftakt gegen den FC Augsburg blieben Pfiffe gegen den früheren Kapitän nahezu vollständig aus. "Die Fans haben ihn gut empfangen. Ich denke, das war eine rundum gelungene Sache", sagte Julian Weigl nach dem 5:1. Mittlerweile fühlt es sich beinahe so an, als wäre er nie weggewesen.

Mats Hummels: Führungsspieler beim BVB?

Aus dem Team ist er nicht wegzudenken, Medienberichten, wonach Lucien Favre von der Rückkehr des 30-Jährigen anfangs nicht begeistert gewesen soll, zum Trotz. In der Liga hat er alle 360 möglichen Spielminuten auf dem Platz verbracht, das können außer ihm nur Manuel Akanji und Jadon Sancho behaupten.

Wie sieht es mit Hummels als Führungsspieler aus? Er wolle Verantwortung mit übernehmen, "wenn es mal nicht läuft, in schwierigen Situationen meinen Mann [...] stehen und die anderen mitreißen", kündigte er im Interview mit dem kicker vor Saisonbeginn an. "Siegermentalität" wolle er in die Mannschaft bringen.

Ob ihm das gelungen ist, wird sich wohl erst im Rückblick sagen lassen. Wobei Hummels' Führungsspieler-Funktion vor einigen Wochen für einen Unruheherd sorgte: Favre installierte den Innenverteidiger anstelle von Akanji als dritten Kapitän, was den Schweizer so kränkte, dass er einen Platz im Mannschaftsrat ablehnte.

Hummels ordnet sich im Team unter - noch

Auffällig: Verbal hält sich Hummels bislang extrem zurück und ordnet sich Kapitän Marco Reus unter. Nach der Pleite gegen Union Berlin gab es keine Zitate, stattdessen rüttelte Reus die Mannschaft wach. Nach dem Sieg über Leverkusen verzichtete er ebenfalls auf die Mixed Zone, auch in den sozialen Medien ist er extrem zurückhaltend unterwegs. Früher oder später wird auch der eloquente Hummels gefragt sein. Bislang passt er sich jedoch an die gewachsene Hierarchie in der Mannschaft an.

Mats Hummels - Bundesliga 2019/20

Kategorie

Wert

Spiele

4

Startelf

4

Minuten Einsatzzeit

360

Ballaktionen

395

Pässe

322

Passquote

91 Prozent

Zweikämpfe

77

Zweikampfquote

64 Prozent

Und wie sieht es sportlich aus? Hummels kommt in vier Ligaspielen auf die meisten Ballaktionen und gespielten Pässe, seine Quote von 91 Prozent ist dabei gewohnt hoch. 64 Prozent Zweikampfquote werden in der Abwehr lediglich von Akanji leicht übertroffen (65 Prozent).

Seine Leistungen sind ansprechend: In den ersten beiden Saisonspielen gab es für ihn in der SPOX-Einzelkritik die Note 3, gegen Leverkusen eine 2,5. Nur gegen Union Berlin fiel auch er etwas ab (Note 4).

Borussia Dortmund - Bundesliga

2018/19

Kategorie

2019/20

1.3

Gegentore/Spiel

1.3

1.19

xG against/Spiel

1.05

10.3

Schüsse zugelassen/Spiel

11.3

3.9

Schüsse aufs Tor zugelassen/Spiel

2.8

Macht er die Mannschaft besser? Auch hier ist es noch sehr früh. Bisher kassiert der BVB genauso viele Gegentore wie im letzten Jahr, lässt allerdings weniger Schüsse auf den eigenen Kasten zu und steht bei den "Expected Goals" leicht besser da.

Die wirklichen Prüfungen kommen allerdings erst noch. Die Spitzenspiele, für die Hummels geholt wurde, in denen er das Team führen soll. Den Supercup gegen die Bayern hatte er verpasst, Leverkusen war letztlich kein Prüfstein. Auch deshalb ist der Champions-League-Auftakt gegen Barcelona so wichtig: Liefert Hummels heute Abend eine starke Leistung ab, sollten auch die letzten Zweifler endgültig verstummt sein.

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