BVB-Fans vs. Dietmar Hopp: Warum hassen Dortmunder Anhänger den Hoffenheim-Mäzen?

Von Maximilian Lotz
BVB-Fans protestierten Anfang 2020 gegen Dietmar Hopp und Kollektivstrafen des DFB.
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Dietmar Hopp war in den vergangenen Jahren für viele BVB-Fans ein Feindbild. Der Konflikt zwischen dem Mäzen der TSG Hoffenheim und dem Anhang von Borussia Dortmund schaukelte sich an Schmähungen und Strafanzeigen hoch und kulminierte Ende Februar 2020 im Skandalspiel von Sinsheim. Aber woher rührt der Hass auf Hopp?

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Warum ist Dietmar Hopp für viele BVB-Fans ein Feindbild?

Dietmar Hopp wuchs in Hoffenheim auf und ist Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP. Der Milliardär gilt mit einem Vermögen von 4,6 Milliarden US-Dollar (Forbes) als einer der reichsten Deutschen. Als Mäzen unterstützt der 82-Jährige seit Jahren die TSG Hoffenheim, für die er als Jugendlicher selbst Fußball spielte.

Mehrere hundert Millionen Euro stellte Hopp dem Klub zur Verfügung. Der Dorfverein schaffte auch dank der finanziellen Unterstützung 2008 den Weg in die Bundesliga. Für viele Fans, nicht nur für Dortmunder, ist Hopp ein Paradebeispiel für die insbesondere in der aktiven Fanszene verhasste Kommerzialisierung im Fußball.

Hopp hat in den vergangenen Jahren aber nicht nur die TSG Hoffenheim subventioniert, sondern noch weitaus mehr Geld (über 800 Millionen Euro) für gemeinnützige Zwecke eingesetzt. "Wenn man so reich geworden ist wie ich, dann hat man einfach die Verpflichtung, der Gesellschaft etwas zurückzugeben", sagte Hopp einmal.

BVB-Fans vs. Dietmar Hopp: Hass-Plakate und Schmähgesänge

Für viele BVB-Fans ist die TSG Hoffenheim ein Retortenverein, der es ohne Hopps Finanzspritzen niemals in den Profifußball geschafft hätte. Beim U17-Finale zwischen den beiden Nachwuchsteams 2008 tauchte im Gästeblock erstmals ein Banner mit Hopps Konterfei im Fadenkreuz auf. "Hopp, Hopp - zurück ins Reagenzglas", stand daneben geschrieben.

Beim ersten Bundesliga-Spiel zwischen der TSG Hoffenheim und Borussia Dortmund in der Saison 2008/09 wurde im Gästeblock erneut ein Banner mit Hopps Konterfei im Fadenkreuz gezeigt. Hopp wehrte sich, erstattete Anzeige wegen Beleidigung gegen einen damals 19-Jährigen, der als Urheber des Schmähplakats identifiziert wurde.

2011 kam es beim Dortmunder Auswärtsspiel in Sinsheim zu einer "Schall-Attacke" gegen den BVB-Anhang. Laut Darstellung der TSG hatte ein Hausmeister mit einer selbstgebauten Schallkanone versucht, die Schmähgesänge der Gästefans gegen Dietmar Hopp zu übertönen. Elf BVB-Fans erstatteten Anzeige. Hopp bat zwar um Entschuldigung, teilte aber sinngemäß auch mit, die Fans mögen sich angesichts der Beleidigungen gegen seine Person nicht so anstellen.

Die Schmähungen blieben auch in den folgenden Jahren nicht aus. Im Gegenteil. Der Konflikt schaukelte sich weiter hoch. Bei den Spielen zwischen Dortmund und Hoffenheim wurde Hopp in Sprechchören regelmäßig als "Hurensohn" verunglimpft. 2018 sprach die TSG von "unverhohlenem Hass und Hetze bis hin zu einem Mordaufruf", nachdem im Dortmunder Block erneut ein Fadenkreuz-Banner gegen Hopp gezeigt wurde.

BVB-Fans protestierten jahrelang gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.
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BVB-Fans protestierten jahrelang gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Wie reagierten die Verantwortlichen damals?

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke verurteilte die Eskalation im September 2018 öffentlich: "Ich möchte im Namen von Borussia Dortmund Dietmar Hopp um Entschuldigung bitten. Das ist nicht zu akzeptieren." Der Klub schrieb damals von "einem nicht hinnehmbaren Verhalten im schwarzgelben Fanblock".

Watzke hatte bei einer Aktionärsversammlung 2009 zu einem verbalen Rundumschlag ausgeholt und insbesondere gegen Hoffenheim und Wolfsburg gewettert. "Wie heißt diese THG - oder TSG doch gleich? Wo wären die ohne den weißen Ritter aus Hoffenheim? Wir können eben nicht sagen: Lieber Dietmar Hopp, lass es Geld regnen", polterte Watzke in seiner Kritik an der Verteilung der TV-Gelder. "Es kann nicht sein, dass Wolfsburg und Hoffenheim, die ohnehin nur aufgrund eines Geburtsfehlers 1998 in die Bundesliga gekommen sind und sowieso das meiste Geld haben, dann auch noch partizipieren."

Warum eskalierte der Konflikt um Hopp Anfang 2020?

Im Laufe der Jahre wurden die Beleidigungen gegen Hopp in der Dortmunder Fan-Szene mehr und mehr als eine Art Folklore betrachtet. Im November 2018 sprach der DFB eine Bewährungsstrafe gegen die Dortmunder Fans aufgrund der Schmähungen aus. Doch als es im Dezember 2019 beim Auswärtsspiel erneut zu Beleidigungen gegen Hopp kam, kassierte der DFB die Bewährungsstrafe und ordnete ein zweijähriges Verbot der Gästefans bei Dortmunder Auswärtsspielen in Sinsheim an.

Diese ausgesprochene Kollektivstrafe war in den Augen der Fans ein Verstoß gegen vorherige Beteuerungen seitens des DFB, auf solche Maßnahmen zu verzichten. Viele Ultra-Gruppierungen solidarisierten sich daraufhin mit den Dortmundern.

Ende Februar 2020 kam es in der Bundesliga in vielen Stadien zu massiven Protesten gegen Hopp und den DFB. Die Partie zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern am 29. Februar 2020 stand dabei unmittelbar vor dem Abbruch, nachdem Bayern-Fans ein "Hurensohn"-Banner gegen Hopp entrollt hatten. Beide Teams schoben sich nach einer minutenlangen Unterbrechung nur noch den Ball zu. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der sich auf dem Rasen mit Hopp solidarisierte und Applaus spendete, sprach anschließend von einem "schwarzen Tag".

Dietmar Hopp investierte mehrere hundert Millionen Euro in die TSG Hoffenheim.
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Dietmar Hopp investierte mehrere hundert Millionen Euro in die TSG Hoffenheim.

Dietmar Hopp vs. Fans: Was ist der aktuelle Stand der Dinge?

Schon während der Corona-Pandemie wurden die Sanktionen gegen die Dortmunder Fans aufgehoben. Viele Spiele wurden nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohnehin ohne Publikum ausgetragen. Anfang 2022 ließ Dietmar Hopp drei Strafanträge gegen Fans von Borussia Dortmund fallen, wodurch der Konflikt weiter abkühlte.

"Dieses Thema hat sich in der Zwischenzeit aus mehreren Gründen entspannt", sagte Alexander Salzweger, Sprecher des Club Nr. 12, der Vereinigung aktiver Bayern-Fans, im Interview mit SPOX und GOAL im Mai dieses Jahres. "Viele Stadionverbote sind ausgelaufen, Hopp hat extrem viele Anzeigen - insbesondere gegen Dortmunder Fans - zurückgezogen und die große ZDF-Dokumentation hat auch ihren Teil dazu beigetragen."

Die ein Jahr nach dem Skandalspiel von Sinsheim veröffentlichte Doku hatte die Geschehnisse aufgearbeitet und dabei auch zu Tage gefördert, dass die große Empörungswelle nicht so spontan war, sondern die Beteiligten im Vorfeld von den Aktionen der Fans gewusst haben.

"Nach der Doku haben sogar Hoffenheim-Fans und Hopps Leute im Verein zugegeben, dass das Vorgehen doof und die Anzeigen aus der Luft gegriffen waren", sagt Salzweger. "Ich glaube, Hopp hat das mittlerweile auch begriffen. Solange er es nicht wieder Anzeigen hageln lässt, wird das Thema nicht mehr eskalieren."

BVB vs. TSG Hoffenheim: Die letzten fünf Bundesliga-Duelle

DatumHeimGastErgebnis
22. Januar 2022TSG HoffenheimBorussia Dortmund2:3
27. August 2021Borussia DortmundTSG Hoffenheim3:2
13. Februar 2021Borussia DortmundTSG Hoffenheim2:2
17. Oktober 2020TSG HoffenheimBorussia Dortmund0:1
27. Juni 2020Borussia DortmundTSG Hoffenheim0:4
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