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Fussball

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann und seine Zeit bei 1860 München: "Dann hat er es geheim gehalten"

Von Oliver Maywurm
Julian Nagelsmann hier zu seiner Zeit bei den Löwen im Jahr 2009 an der Seite von Ivica Erceg.

Julian Nagelsmann betont, dass er schon als Kind Bayern-Fan war - dennoch erfuhr er wegen seiner 1860-Vergangenheit zuletzt Argwohn einiger FCB-Anhänger.

Julian Nagelsmann nahm es gelassen. Er habe sie mitbekommen, die unflätigen Gesänge einiger Bayern-Anhänger, die ihn beim Testspiel gegen Ajax letzten Samstag in der Allianz Arena wegen seiner Vergangenheit beim Stadtrivalen 1860 München beleidigten.

"Nagelsmann, du Sau, zurück zum TSV!", riefen sie. "Wie man sich äußert, muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen", reagierte der neue Trainer des FC Bayern München hinterher auf der Pressekonferenz: "Du kannst nicht jeden glücklich machen. Gewisse Dinge musst du einfach abkönnen."

Dass nicht jedem Fan des FCB gefalle, dass er mehrere Jahre seines fußballerischen Lebens bei den Löwen verbracht hat, sei ihm ohnehin klar gewesen, betonte Nagelsmann. Ebenso wie er seit Bekanntwerden seines Wechsels von RB Leipzig an die Säbener Straße mehrfach betonte, schon als Kind und Jugendlicher dem FC Bayern die Daumen gedrückt zu haben.

Dennoch war Nagelsmanns Zeit bei 1860 in den vergangenen Tagen wegen der beleidigenden Zwischentöne eines der größten Themen rund um den deutschen Rekordmeister. Aber wie genau sah die Zeit des 34-Jährigen bei den Blauen aus der bayerischen Landeshauptstadt eigentlich aus?

Julian Nagelsmann: Mit 14 zu 1860 München

2002, als 14-Jähriger, wechselte Nagelsmann vom FC Augsburg in den Nachwuchs der Sechziger. Dort war er Teil eines sehr starken 1987er-Jahrgangs um Stefan Aigner (126 Bundesligaspiele für Bielefeld und Frankfurt) oder die späteren Nationalspieler Christian Träsch (Deutschland) und Fabian Johnson (USA). Hinzu kam Julian Baumgartlinger (seit 2016 bei Bayer Leverkusen) aus dem Jahrgang 1988.

Nagelsmann spielte in der Innenverteidigung, in der U19 bildete er mit dem Kanadier Kent O'Connor ein starkes Duo. Letzterer sei eher für das Grobe zuständig gewesen, erinnert sich der damalige U19-Trainer Claus Schromm laut Süddeutscher Zeitung - und Nagelsmann übernahm vornehmlich den Spielaufbau: "Ein Stratege, der das Spiel damals schon verstanden hat", betont Schromm.

Mit Träsch verstand sich Nagelsmann seinerzeit besonders gut. Die beiden waren Zimmerkollegen im 60-Internat, machten zusammen das Abitur. "Er war damals ein klasse Kicker, wer weiß was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht wegen seiner gesundheitlichen Probleme hätte aufhören müssen", wird Träsch von Sport1 zitiert.

Auch Coach Schromm glaubt, dass es Nagelsmann auch als Spieler in den Profibereich hätte schaffen können, ist zudem nicht verwundert, dass er stattdessen Trainer wurde: "Man sieht schon, ob sich ein Spieler Gedanken macht über das Spiel. Ob ihm wichtig ist, was man trainiert, wie man trainiert. Wie man spielen lässt. Warum man so spielen lässt."

Julian Nagelsmann bei 1860: Derbysiege gegen Sandro Wagner

In seinen beiden U19-Jahren wurde Nagelsmann mit dem 60-Nachwuchs jeweils Vierter in der Süd/Südwest-Staffel der A-Junioren-Bundesliga. Ein Foto von ihm und seinem späteren Spieler in Hoffenheim, Sandro Wagner, aus einem Derby mit 1860 gegen den Nachwuchs des FC Bayern, machte in den Sozialen Netzwerken inzwischen bereits mehrfach die Runde. Mit 3:2 gewannen Nagelsmann und Co. jenes Stadtduell im Februar 2006 übrigens.

Wenige Monate später schaffte Nagelsmann dann zwar den Sprung in die zweite Mannschaft des damaligen Zweitligisten, Verletzungsprobleme machten ihm allerdings schon zu jenem Zeitpunkt extrem zu schaffen. Er erlitt einen Meniskusschaden, hinzu kamen viele weitere chronische körperliche Probleme.

Nach einem Jahr ohne Einsatz bei 1860 II probierte er es im Sommer 2007 noch einmal mit einem Wechsel in die zweite Mannschaft des FC Augsburg, auch dort hatte er mit andauernden Kniebeschwerden zu kämpfen. Anfang 2008 beendete Nagelsmann daher schließlich mit nur 20 Jahren seine aktive Karriere.

Alexander Schmidt, der heutige Trainer von Zweitligist Dynamo Dresden, holte ihn wenige Monate später zurück zu 1860 und machte Nagelsmann zu seinem Co-Trainer in der U17. "Es war damals schon ersichtlich, dass Julian einfach ein cleverer, schlauer Typ ist, ein gutes Fußballverständnis hat, das Herz an der richtigen Stelle trägt", sagt Schmidt über seinen früheren Assistenten. Er selbst stieg 2009 zum U19-Coach auf, Nagelsmann blieb zunächst bei der U17.

Als im November 2009 an einem Wochenende sowohl Schmidts U19 als auch die U17 von Nagelsmann und dem neuen Chefcoach Ivica Erceg ihr Derby gegen den großen Nachbarn von der Säbener Straße gewannen, machten sie sich zur Feier der Siege auf zur Zugspitze, um dort gemeinsam Ski zu fahren. Dass Nagelsmanns Herz für den FC Bayern schlägt, habe er seinerzeit nicht mitbekommen, verrät Schmidt laut SZ. Wenn es so gewesen wäre, "dann hat er's geheim gehalten."

Julian Nagelsmann bei 1860 München: "Er war ein Entertainer"

Ivica Erceg erinnert sich derweil daran, dass Nagelsmann damals schon dafür bekannt war, außerhalb des Platzes sehr eloquent zu sein und gerne mal den einen oder anderen frechen Spruch rauszuhauen. "Wir hatten eine Auswärtsfahrt von München nach Freiburg, die ging sechs Stunden. Gefühlt hat er die Jungs vier Stunden unterhalten, vorne am Mikro beim Busfahrer. Er war ein Entertainer", sagt er.

In seinen zwei Co-Trainer-Jahren mit der U17 der Löwen stand für Nagelsmann jeweils Platz drei in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest zu Buche. Spieler wie Kevin Volland, Bobby Wood oder Moritz Leitner bildete er damals mit aus, Letzterer erinnert sich an einen "Taktikfuchs, der mit unserem Trainer Alex Schmidt stundenlang diskutieren konnte, wie wir am besten spielen." Auch er betont aber ebenso: "Er hat seinen ganz eigenen Humor, seine Sprüche waren damals schon waffenscheinpflichtig."

2010 verließ Nagelsmann die Löwen dann auch als Coach, wechselte zur TSG Hoffenheim und wurde auch dort zunächst Co-Trainer der U17. "Ich war jetzt nicht vorgestern bei Sechzig", sagte er zuletzt daher richtigerweise.

Und spätestens nach den ersten Erfolgen werden ihn wahrscheinlich auch die letzten FCB-Fans ins Herz schließen.

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