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Fussball

Mahmoud Dahoud beim BVB: Hoffnungsträger auf Wiedervorlage

Von Patrick Brandenburg
Endlich wieder im Aufwind? Mo Dahoud war beim Derbysieg des BVB gegen Schalke 04 einer der Besten.

Mahmoud Dahoud gehörte zu den besten Dortmundern beim Derbysieg über Schalke 04 (Hier gibt's die Highlights im Video). Nutzt das vermeintlich "ewige Talent" die Chance der umfassenden BVB-Rotation nun zum Karrieresprung?

Der Favre-Fußball braucht sie manchmal - die Erinnerung, dass nicht alle Treffer direkt vor dem Tor herausgespielt werden müssen wie früher beim Hobbykick in der städtischen Dreifachturnhalle. Beim 157. Revierderby gegen den FC Schalke 04 übernahm Mahmoud Dahoud diese Aufgabe.

Sein Distanzkracher auf die Latte in der 31. Minute erinnerte die bis dahin zu verschnörkelt agierenden Dortmunder, dass auch rustikale Stilformen erlaubt sind und Erfolg versprechen. Nach Dahouds Ausrufezeichen raffte sich die Borussia zum klaren 3:0-Erfolg über bemitleidenswert schwache Knappen auf.

Dahoud wiederum verkörpert die Erinnerung daran, dass auch bei der vielfach beneideten BVB-Talentschmiede nicht immer alles glatt läuft. Neben Instant-Stars wie Christian Pulisic, Ousmane Dembele, Jadon Sancho, Erling Haaland, Jude Bellingham oder Giovanni Reyna produziert der BVB auch Umweg-Spieler, die erst in der Fremde glücklich werden: etwa Alexander Isak, Mikel Merino oder Jonas Hofmann. Oder gar Stillstand-Kicker wie Felix Passlack, Emre Mor oder eben Dahoud: Talente, die großen Erwartungen nicht gerecht werden - zumindest zunächst.

Für Mittelfeldspieler Dahoud bietet sich gerade die nächste Chance zum Durchbruch. Dank des komprimierten Corona-Spielplans mit nun noch satten 13 Partien bis Weihnachten ist BVB-Trainer Lucien Favre förmlich zur Dauer-Rotation gezwungen, um halbwegs heile durch die Hinrunde zu kommen.

Das eröffnet Spielern aus der zweiten Reihe unverhoffte Möglichkeiten. Schon gegen Hoffenheim machte Dortmunds Nummer acht die Sache ordentlich, im Derby gegen S04 gehörte Dahoud mit vielen Impulsen, giftigem Auftritt und großer Laufbereitschaft zu den besten Spielern. Er führte die zweitmeisten Zweikämpfe und glänzte mit einer Passquote von 94 Prozent.

Mahmoud Dahoud debütiert für das DFB-Team

Dahouds technische und taktische Fähigkeiten sind unbestritten. Dank dieser Talente erfüllte er sich Anfang Oktober sogar den Traum vom Debüt in der Nationalmannschaft, obwohl er bis dahin nur sieben Einsatzminuten in der aktuellen Bundesliga-Saison auf dem Buckel hatte.

"Mo ist ein exzellenter Spieler", lobte Teamkollege Julian Brandt im Kreise der DFB-Elf: "Von den Anlagen her mit das Beste, das ich je gesehen habe. Facettenreich, technisch unfassbar, ein sehr, sehr guter Schuss. Er ist lauf- und zweikampfstark."

Genau aus diesen Gründen hatte der BVB den damals 21-Jährigen für zwölf Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach losgeeist. Der Rechtsfuß kam im Sommer 2017 als frischgebackener U21-Europameister und mit riesigen Erwartungen zu den Westfalen.

Dahoud nach Corona-Restart mit guten Leistungen

Er ging dann aber in den Wirren der Bosz- und Stöger-Zeit bei den kriselnden Dortmundern unter. Auch die Verpflichtung seines früheren Gladbach-Förderers Favre brachte nicht den erhofften Umschwung der Karriere. Immer wieder warfen ihn Verletzungen oder schlechte Auftritte zu Unzeiten zurück.

So hätte Dahoud 2019 zum Titelhelden werden können, als Favre ihn beim Meisterschaftsgipfel in München überraschend in die Startelf warf. Doch nachdem der offensivstarke Stratege eine frühe Riesenchance der Dortmunder nur an den Pfosten setzte, fing sich der BVB eine demütigende 0:5-Klatsche. Am Ende war der zwischenzeitlich stattliche Neun-Punkte-Vorsprung auf die Bayern ebenso futsch wie die Schale. Dahoud kam im Rest der Saison nur noch auf zehn Einsatzminuten.

Auch beim Re-Start der Liga in der vergangenen Spielzeit bot sich Dahoud eine Gelegenheit. Die Corona-Pause im Frühjahr hatte er vorbildlich fleißig genutzt. Er hielt sich im Kraftraum seines Apartments fit und bewies per Training im Fußballkäfig auf der eigenen Dachterrasse, dass eine gewisse Exzentrik bei der Immobilien-Gestaltung von Vorteil sein kann.

Dahouds Manko beim BVB: fehlende Konstanz

Beim souveränen 4:0-Derbysieg über Schalke fand er sich überraschend in der Startelf und zeigte sein bislang bestes Spiel für den BVB. So nah dran am Stammplatz war er seit seinem Debüt in Dortmund nicht mehr. Doch zwei gute Partien später war die Saison wegen einer Knieverletzung schon wieder gelaufen.

Dahouds Manko ist die fehlende Konstanz. Weil er krasse Schwankungen sogar innerhalb eines eigentlich guten Spiels zeigt, scheiden sich an ihm oft die Geister. Immer wieder entwertet er seinen dynamischen Offensivdrang, seine Power und Ideen durch ärgerliche Nachlässigkeiten, etwa in der defensiven Absicherung.

"Mo braucht einfach das Vertrauen", sagte Favre bereits im ersten Jahr ihrer BVB-Zusammenarbeit. Nur bleibt dafür bei einem Klub wie Dortmund kaum Zeit. Seit Dahouds Start in Dortmund hat das Gedränge im Maschinenraum stetig zugenommen.

Dahoud beim BVB: "Ich will mich aufdrängen"

Um die Bosz/Stöger-Zeit zu reparieren, bekam er die vermeintlichen "Mentalitäts-Monster" Thomas Delaney und Axel Witsel vor die Nase gesetzt. Vergangene Saison erweiterten Julian Brandt und Emre Can den Konkurrenzkampf im Zentrum. Und nun hat Dahoud in Jude Bellingham einen hoch veranlagten 17-Jährigen vor sich, der seine eigene Entwicklung auf Jahre blockieren könnte.

Vielleicht wäre es für Dahoud besser, sich bei einem Klub zu versuchen, der deutlich mehr Spielpraxis garantiert. Aber er hat sich dazu entschlossen, bei den ambitionierten Westfalen den Kampf um die Startelf aufzunehmen. Bis zum Ablauf des üppig dotierten Vertrages im Sommer 2022 hat er dazu Gelegenheit. Auftritte wie gegen Schalke sind ein Anfang.

Durch den Zwang zur Rotation wird es weitere Chancen für variable Aufstellungen geben. Auch die Einstellung bei Dahoud scheint zu stimmen: "Ich will mich aufdrängen, bis der Trainer nicht mehr an mir vorbeikommt."

Mahmoud Dahoud: Seine Leistungsdaten beim BVB

SaisonPflichtspieleStartelfToreAssists
2020/214300
2019/2014601
2018/19221210
2017/18341906

 

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