"Mahrez? Noch nie so einen Spieler gesehen"

Seit Mai kickt der Österreicher in Leicester
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Mit SPOX spricht Leicester-City-Export David Domej über sein Leben in der Meisterstadt, Zukunftspläne und die Nachwuchsarbeit bei seinem Ex-Klub Rapid Wien.

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So richtig konnte es David Domej gar nicht glauben, als er irgendwann im Frühjahr des Vorjahres sein Handy abhob. Ein Vertreter von Leicester City war am Telefon und überbrachte eine Einladung zum Probetraining. Der ehemalige Rapidler zeigte als Kapitän der österreichischen U19-Nationalmannschaft zwar gute Leistungen, der Durchbruch bei Hajduk Split war ihm aber verwehrt geblieben. Das Timing hätte nicht besser sein können: Als der 21-Jährige im Mai anreiste, war Leicester auf Titelkurs. Ein Umstand, der den englischen Fußball erschütterte.

"Ein geiler Zeitpunkt", sagt Domej im Gespräch mit SPOX hörbar euphorisch. Eine Woche trainierte er mit der ersten Mannschaft, bis ihm das Trainerteam die Zusage für eine Fixverpflichtung mitteilte. "Wie du dir vorstellen kannst, musste ich nicht lange überlegen. Es gibt schlimmere Sachen, als beim englischen Meister zu unterschreiben. Ich konnte es nicht glauben. Jetzt darf ich mit Vardy und Mahrez trainieren. Da kommt mir ab und zu schon ein Schmunzeln aus."

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Die Integration in Leicester verlief für den Innenverteidiger reibungslos. Berührungsängste gibt es in Leicester, das im Größenverhältnis mit Graz vergleichbar ist, kaum. Der Verein wird als familiär beschrieben, anfangs ging Christian Fuchs regelmäßig mit ihm essen. Zweimal wöchentlich trainiert Domej, der aktuell an einer Muskelverletzung laboriert, mit der Kampfmannschaft. "Einen Spieler wie Mahrez habe ich noch nie gesehen. Der hat so ein gutes Dribbling, es ist fast unmöglich ihm den Ball abzunehmen. Wie eine Schlange. Unglaublich. Und Vardy presst auch im Training alle an." Die beiden Neo-Ikonen des Vereins beschreibt Domej als hilfsbereit, nett und bodenständig.

Domej strebt Leihe an

Einsätze gibt es für Domej, der privat viel Zeit mit der EURO-Sensation Bartosz Kapustka verbringt, freilich nur in der U23-Premier-League. Kurzfristig will der Wiener seine Verletzung überwinden, Einsätze für die U23-Mannschaft sammeln und im Sommer eine Leihe wagen. "Die League One (3. Liga, Anm.) wäre realistisch. Ich will zeigen, dass ich mich im Profifußball etablieren kann", sagt Domej, der ein gutes Verhältnis zu seinem Trainer Steve Beaglehole pflegt. Ein schroff wirkender, hitziger Engländer mit großem Herz: "Für mich ist es ein großes Glück, unter ihm spielen zu dürfen. Er ist sehr kommunikativ, wir haben ein wirklich gutes Verhältnis. Bei Claudio Ranieri läuft das etwas anders. Er hat sehr viele Assistenten, die im Training viele Aufgaben übernehmen. Tipps gibt er trotzdem."

Seinen Abschied aus Hütteldorf bereut Domej auch retrospektiv nicht. Im Sommer 2014 verließ er Rapid und heuerte bei Hajduk Split an. "Ich wurde bei Rapid nach meiner Verletzung (Kreuzbandriss, Anm.) nicht mehr gefördert. Ich war acht Monate verletzt und als ich zurückkam, hatten sich andere Spieler in den Vordergrund gespielt. Der Sprung in die Kampfmannschaft war unrealistisch." Darum kam das Angebot von Hajduk gerade recht. Domej spricht kroatisch, seine Mutter wurde in Split geboren. "Ich habe eine neue Mitte gesucht. Auch menschlich wollte ich mich weiterentwickeln, daher der Wechsel ins Ausland."

"Rapid kann sich mit internationalen Topklubs messen"

Zorn auf seinen Ex-Klub gibt es bei Domej keinen. Im Gegenteil. "Rapid hat eine richtig gute Nachwuchsarbeit. Da kann sich Rapid mit internationalen Topklubs messen", sagt Domej, der mit einer talentierten Generation um Philipp Lienhart, Mario Pavelic und Tamás Szántó kickte. "Wir haben damals mit dem 93er-Jahrgang die U17-Jugendliga gewonnen. Schon damals hat man gesehen, dass das ein talentierter Jahrgang ist." Auch in den ÖFB-Auswahlen war Domej von begabten Spielern umgeben: "Nach meiner Verletzung habe ich unter Hermann Stadler viel Vertrauen gespürt. Ich durfte Kapitän sein, dort zu spielen war eine große Ehre. Wir haben uns für alle Turniere qualifiziert und hatten mit Lazaro, Lienhart, Horvath und wie sie alle heißen, einen ziemlich starken Jahrgang. Wir waren eine Einheit." Vergangenheit, wie Domej betont. "Ich will jetzt meine Verletzung auskurieren und mich in der U23 weiterentwickeln." Und dann wartet das raue Pflaster League One.

David Domej im Steckbrief

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