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Takeaways: Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Super Bowl

NFL, Super Bowl
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2. Wie geht es weiter bei den Chiefs?

Im Vergleich zu den Eagles - dazu gleich mehr - sind die Chiefs in der Timeline ihres Roster-Buildings bereits einen klaren Schritt weiter, und dementsprechend sind die Fragen weniger gravierend.

Wir wissen, dass Patrick Mahomes, Andy Reid und Travis Kelce das offensive Gerüst bilden werden. Wir wissen, dass die Interior Offensive Line feststeht. Und wir wissen, dass auf der defensiven Seite die junge Cornerback-Gruppe noch relativ am Anfang ihrer Entwicklung steht.

Auch wenn es im Vorjahr natürlich den hochkarätigen Tyreek-Hill-Trade gab, der diese Aussagen zumindest ein wenig hinterfragt, so wirkt das Bild der Kaderprognose in Kansas City vergleichsweise klar.

Dennoch gibt es einige brennende Fragen, welche die Chiefs über die kommenden Wochen beantworten müssen.

Wichtigste Free Agents der Chiefs-Offense:

Spieler

Position

Orlando Brown

Left Tackle

JuJu Smith-Schuster

Wide Receiver

Mecole Hardman

Wide Receiver

Jerick McKinnon

Running Back

Andrew Wylie

Offensive Tackle

Blake Bell

Tight End

Orlando Brown wird dabei zuerst im Fokus stehen. Vor zwei Jahren hatten die Chiefs für Brown getradet, und ihm damit zunächst einen Wunsch erfüllt: Brown wollte Left Tackle spielen, in Baltimore war das keine Option.

Doch einen anderen Wunsch wollten die Chiefs ihm nicht erfüllen, und das könnte in dieser Offseason dann auch zur Trennung führen: Brown will dem Vernehmen nach der bestbezahlte Spieler auf seiner Position sein.

Im vergangenen Sommer soll Kansas City ihm ein Angebot vorgelegt haben, welches ihn, was das durchschnittliche Jahresgehalt angeht, zwar zum bestbezahlten Tackle gemacht hätte - doch ein realistischer Blick auf den Vertrag relativierte diese Summe.

Am Ende spielte Brown diese Saison unter dem Franchise Tag, und ich halte es für schwer vorstellbar, dass die Chiefs jetzt ihre Meinung geändert haben und Brown so hoch wertschätzen, dass sie doch tiefer in die Tasche greifen.

Wird die Offensive Line eine Problemzone?

Die Zeichen stehen hier also auf Trennung, und auch wenn es durchaus nachvollziehbar ist, einen guten, aber eben nicht Elite-Level-Spieler wie Brown nicht auf Elite-Level bezahlen zu wollen: Kansas City könnte in dieser Offseason seine beiden Starting-Tackles verlieren

Selbst wenn man dabei "nur" einen guten und einen durchschnittlichen Tackle gehen lässt - auf diesen Positionen kann man qualitativ schnell in problematische Regionen abrutschen. Die Chiefs selbst haben das im Super Bowl vor zwei Jahren aus erster Hand erfahren; jener Super Bowl gegen die Buccaneers führte erst dazu, dass die Chiefs ihre Offensive Line mit Nachdruck generalüberholten.

Die Interior Line ist so oder so das Prunkstück dieser Line, Joe Thuney, Creed Humphrey und Trey Smith werden der Line auch weiterhin einen Floor geben. Doch die Offensive Line ist eine Weak-Link-Positionsgruppe, und sollte sich einer der Tackle-Spots - oder sogar beide - als Problemzone erweisen, könnte das die Stabilität der Offense insgesamt vor Probleme stellen.

Wie sieht Mahomes' neues Waffenarsenal aus?

Noch vor Brown war selbstredend Tyreek Hill die alles bestimmende Personalie der vergangenen Chiefs-Offseason, und als der Trade schließlich in trockenen Tüchern und die ersten Tage der Free Agency abgeschlossen waren, lautete die ausführlich diskutierte Anschlussfrage: Haben die Chiefs genügend Receiver-Qualität, um den Hill-Abgang zumindest in der Breite einigermaßen aufzufangen?

Die Saison offenbarte dann, dass es weniger ein kollektives Auffangen durch die Receiver, sondern vielmehr durch die Offense im Gesamtverbund werden würde. Und dennoch wird die Receiver-Position auch in dieser Offseason ein Thema sein.

JuJu Smith-Schuster wurde mit einem günstigen Einjahresvertrag geholt, und auch wenn er statistisch nicht unbedingt explodierte, so war er doch ein verlässliches, relativ konstantes Underneath-Target. Für diesen Preis muss man das erst einmal wieder finden.

Mecole Hardman verpasste signifikante Teile der Saison, und auch wenn seine bisherige Chiefs-Karriere keineswegs unproduktiv war, so blieb der einstige Zweitrunden-Pick in den ersten vier Jahren seiner NFL-Karriere doch eher ein spezifischer Role Player.

Doch auch Role Player müssen ersetzt werden. In Hardmans Fall würde diese Aufgabe idealerweise Skyy Moore zufallen, dessen Rookie-Saison allerdings verlief doch einigermaßen enttäuschend.

Defense: Umbaumaßnahmen in der Front?

Die Offense dürfte also in der kommenden Saison einige neue Gesichter auch was die Starter angeht präsentieren. Das Gerüst, der Kern, die Zugpferde der Offense aber sind klar, und das macht es so viel leichter, die Puzzleteile um diese Säulen herum einzusetzen.

Auf der defensiven Seite des Balls gibt es nur eine solche Konstante, und das ist Chris Jones. Der Defensive Tackle, der eine Saison auf Defensive-Player-of-the-Year-Level gespielt hat, ist der Spieler, der der Defense mitunter im Alleingang einen Floor geben kann.

Sein Cap Hit in der kommenden Saison beträgt knapp 30 Millionen Dollar, es ist sein letztes Vertragsjahr. Vor der Saison hatte ich hier noch vermutet, dass es, ähnlich wie bei Hill, zu einem Trade kommen könnte. Das halte ich angesichts der Saison, die er dieses Jahr gespielt hat, für kaum noch vorstellbar.

Anders ist die Gefühlslage bei Edge-Rusher Frank Clark, der ebenfalls in sein letztes Vertragsjahr geht, und bei dem ich es für ausgeschlossen halte, dass er das mit einem Cap Hit in Höhe von 30,175 Millionen Dollar noch in Kansas City erleben wird.

Wichtigste Free Agents der Chiefs-Defense:

Spieler

Position

Derrick Nnadi

Defensive Tackle

Carlos Dunlap

Edge-Rusher

Juan Thornhill

Safety

Neun Millionen Dollar würden im Falle einer Entlassung von Frank Clark als Dead Cap in den Büchern bleiben.

Sollten sich die Chiefs von ihm trennen, müsste man den Edge-Rush generell neu sortieren: Carols Dunlap wird Free Agent, mit Vorjahres-Erstrunden-Pick George Karlaftis haben die Chiefs zumindest ein junges Talent, welches dann unweigerlich in eine noch größere Rolle schlüpfen müsste.

Vielleicht sind es hier wirklich die jungen Cornerbacks, die der Defense noch mehr eine Identität geben können. Kansas City hat darüber hinaus die Cap-Flexibilität, um im Kader-Management in verschiedene Richtungen zu denken.

Außerdem haben die Chiefs in diesem Jahr gezeigt, dass es nicht unmöglich ist, mit einem sehr teuren Quarterback den Titel zu holen: 17 Prozent des diesjährigen Chiefs-Salary-Caps gingen für Mahomes drauf - bisher hatte noch nie ein Quarterback den Super Bowl gewonnen, der mehr als 12,5 Prozent des Salary Caps seines Teams in der gleichen Saison beanspruchte.

Es ist nicht so, dass die Chiefs keine Baustellen hätten - ganz im Gegenteil sogar, und die drohenden Lücken an der Line of Scrimmage auf beiden Seiten des Balls müssen adressiert werden.

Und gleichzeitig bleibt der Puls bei diesem Team außergewöhnlich ruhig. Denn diese Saison umso mehr, dieses Jahr, das als "Übergangsjahr" gebrandet wurde, diese Saison hat umso mehr untermauert, wie unheimlich hoch der Floor dieses Teams ist, solange Andy Reid und Patrick Mahomes am Ruder sind.