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NBA

NBA Free Agency - Die Miami Heat gehen All-In: Offseason-Gewinner mit problematischer Zukunft?

Kyle Lowry (l.) und Jimmy Butler wollen künftig in Miami gemeinsam nach der NBA-Krone greifen.

Die Heat gehören zu den Gewinnern der Free Agency. Bereits an Tag 1 machte der Finalist von 2020 mit den Deals für Kyle Lowry und P.J. Tucker sowie den neuen Verträgen für bereits vorhandene Eckpfeiler Ernst. Doch der Favoritenstatus im Osten gehört trotzdem anderen - und auf lange Sicht birgt dieser Sommer eine Menge Risiken.

Die Namen sind am Ende nicht ganz so klangvoll, wie es der Masterplan von Heat-Architekt Pat Riley ursprünglich vorgesehen hatte. Insbesondere Giannis Antetokounmpo stand vor gut einem Jahr ganz oben auf der Liste von Miamis Teampräsidenten, der finanziellen Spielraum für den Sommer 2021 freischaufelte, in der Hoffnung, die Talente des Greek Freak an den South Beach locken zu können.

Daraus wurde bekanntermaßen nichts. Giannis verlängerte seinen Vertrag in Milwaukee und nahm seinen Namen damit automatisch aus der Free-Agency-Verlosung. Von der heiß ersehnten Klasse 2021 blieb am Ende nicht viel übrig, viele Stars fielen durch vorzeitige Vertragsverlängerungen weg oder waren wie in Person von Kawhi Leonard und Chris Paul für rivalisierende Teams ohnehin kaum realistisch.

Und doch stehen die Heat gut eine Woche nach Beginn der Free Agency als einer der großen Gewinner des Sommers da. In Person von Kyle Lowry schnappte sich der Finalist von 2020 den besten tatsächlich verfügbaren Spieler. Mit wichtigen Eckpfeilern der Heat-Zukunft wie Jimmy Butler und Duncan Robinson konnte verlängert werden, zusätzliche Neuverpflichtungen hören auf die Namen P.J. Tucker und Markieff Morris. Nicht klangvoll, aber effektiv.

Doch reicht das wirklich, um die Big Three der Eastern Conference - die Milwaukee Bucks, Brooklyn Nets und Philadelphia 76ers - in der kommenden Saison anzugreifen oder gar zu sprengen?

Miami Heat: Bangen um den Lowry-Deal?

Schon wenige Minuten nach dem offiziellen Beginn des Verhandlungsfensters wurde deutlich, dass Miami in diesem Sommer Ernst macht. Zunächst sickerte die Einigung mit Lowry und den Toronto Raptors über einen Sign-and-Trade-Deal durch, kurz darauf wurde eine Maximal-Verlängerung für Butler vermeldet. Auch die Deals um Tucker und Robinson gingen bereits am einem sehr aktiven ersten Tag über die Bühne.

Das ließ nicht nur einige Beobachter und rivalisierende Fans, sondern schließlich auch die NBA die Augenbrauen hochziehen. Die Liga leitete eine Untersuchung ein, um zu prüfen, ob bei dem Deal mit Lowry (und dem Sign-and-Trade der Chicago Bulls für Lonzo Ball) alles mit rechten Dingen zuging.

Dabei geht es vor allem um das Timing. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sich die Teams innerhalb von wenigen Sekunden auf einen Sign-and-Trade einigen können, wo sie doch vor dem Start des Moratoriums gar nicht miteinander verhandeln dürfen. Als um Punkt 18 Uhr Ortszeit das Verhandlungsfenster öffnete, hatte Vincent Goodwill von Yahoo Sports die grundsätzliche Einigung zwischen Lowry und den Heat bereits in die Twittersphäre hinausgeschossen.

Dass dieser Deal nach den Ermittlungen der NBA womöglich für ungültig erklärt wird, gilt in Liga-Kreisen als unwahrscheinlich. Laut Ira Winderman (Sun-Sentinel) könnte Miami zugutegehalten werden, dass die Heat bereits zur Trade Deadline in Gespräche mit den Raptors verwickelt waren und Parameter für einen Deal abgesteckt haben könnten. Dennoch könnte der Verlust von zukünftigen Draft-Picks oder eine Geldstrafe auf die Franchise aus dem Süden Floridas zukommen.

NBA Free Agency: Wie passt Kyle Lowry zu den Heat?

Den Heat wird das am Ende herzlich egal sein. Statt im März die jungen, vielversprechenden Talente wie Tyler Herro oder Robinson in einem Lowry-Trade abgeben zu müssen, hat Miami seinen Wunschspieler nun im Tausch für "nur" Goran Dragic und Precious Achiuwa bekommen.

Der 35-Jährige, der für drei Jahre und 85 Millionen Dollar in Miami unterschrieb, passt auf dem Papier wie die Faust aufs Auge zu diesem Heat-Team. Einerseits natürlich in sportlicher Hinsicht, Lowry liefert zusätzliches Playmaking, um Butler zu entlasten, und sollte eine in der vergangenen Saison teils statisch agierenden Offense mit seinem Passing weiterbringen.

Als sekundärer Playmaker hat Lowry bereits an der Seite von Kawhi Leonard auf dem Weg zur Championship 2019 hervorragend abgeliefert. Dass er in den vergangenen fünf Jahren 38,2 Prozent seiner Dreier versenkte (bei 7,5 Versuchen pro Spiel), ist ein zusätzlicher Pluspunkt in einem Team, das abgesehen vom Backcourt nicht unbedingt vor Shooting strotzt.

Doch auch auf persönlichem Level ist Lowry ein Fit am South Beach. Butler und sein neuer Point Guard verbindet schon lange eine innige Freundschaft, Lowry ist der Patenonkel von Butlers 2019 geborener Tochter Rylee. Und kaum jemand passt so gut zur viel zitierten "Heat Culture".

Miami Heat: Defense als das Steckenpferd

"Mir wurde gesagt, dass es im Grunde nur darum geht, hart zu arbeiten und zu gewinnen", fasste Lowry bei seiner Vorstellungs-PK zusammen, was in Miami großgeschrieben wird. Hart arbeiten ist dabei wohl der Knackpunkt, mit dem sich Lowry exzellent identifizieren kann, sowohl auf als auch neben dem Court.

Der Veteran gehört regelmäßig zu den Spielern, die in der Defense ihren Körper opfern und die ligaweit meisten Offensiv-Fouls ziehen. Auch sonst ist Lowry in der Defense ein Kettenhund, gegen den es unangenehm ist, zu spielen. Das gilt für viele seiner Teamkollegen, wie beispielsweise Tucker.

Die Verteidigung wird kommende Saison wohl das Steckenpferd Miamis werden. Die Heat verfügen über viele toughe, vielseitige Verteidiger - angefangen mit Butler über Lowry und Tucker bis hin zum Anker in der Mitte, Bam Adebayo -, die ein switchlastiges Defensiv-System nahezu zur Perfektion treiben können. Kurzum: Gegen die Heat zu spielen, wird kein Spaß.

"Auf dem Papier sieht es großartig aus", lobte Lowry den Kader seines neuen Arbeitgebers, der mit seiner und Tuckers Verpflichtung ganz nebenbei auch noch zwei Konkurrenten in der Eastern Conference geschwächt hat. "Aber man muss es auch auf den Court bringen können. Am Ende des Tages muss man seine Sneaker schnüren, rausgehen und seinen Job erledigen. Wenn du keinen Weg findest, die einzelnen Teile zusammenzufügen, dann bedeutet das gar nichts."

Der Kader der Miami Heat im Überblick

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Kyle LowryDuncan RobinsonJimmy ButlerP.J. TuckerBam Adebayo
Gabe VincentTyler HerroMax StrusMarkieff MorrisDewayne Dedmon
Victor Oladipo KZ OkpalaOmer Yurtseven

Miami Heat: Immer teurer und immer älter

Es hängen schließlich auch Fragezeichen über dem neuformierten Kader. Das angesprochen Shooting zum Beispiel. Der potenzielle Starting Frontcourt um Butler (24,5 Prozent Dreierquote in der Vorsaison), Tucker (33,6 Prozent) und Adebayo (25,0 Prozent) strahlt kaum Gefahr aus der Distanz aus.

Gefühlt die komplette vergangene Saison über waren die Heat auf der Suche nach einem Ersatz für Jae Crowder, der in der Postseason 2020 heiß lief. Ob ähnliches Tucker gelingt, darf angezweifelt werden, was das Spacing trotz Lowry, Herro und Robinson im Backcourt erschweren könnte. Hier wird sich Head Coach Erik Spoelstra, immerhin einer der besten seines Fachs, beispielsweise mit Off-Ball-Aktionen etwas einfallen lassen müssen, um eine vielseitige Offense aufs Feld zu schicken.

Zudem macht das Alter der Neuzugänge gewisse Sorgen. Lowry (35) und Tucker (36) haben schon einige Meilen auf dem Buckel, aufgrund ihrer aufopferungsvollen Spielweise mussten sie in ihren Karrieren bereits einiges einstecken. Ähnliches gilt für Butler (31). Vor allem auf lange Sicht könnte das zum Problem werden, wenn der Kader immer teurer und die Schlüsselspieler immer älter werden.

Tucker besitzt nach der kommenden Saison eine Spieleroption für 2022/23, die ihm 7,4 Mio. Dollar einbringen könnte. Lowry bekommt in seinem letzten Vertragsjahr knapp 29,7 Mio. überwiesen und auch Butlers Verlängerung garantiert ihm im Alter von 36 Jahren mehr als 50 Mio. (in Form einer Spieleroption für 2025/26).

Miami Heat im Favoritenkreis des Ostens? Nicht so schnell

Für die kommenden drei Jahre stehen jeweils mindestens 125 Mio. Dollar in den Büchern, neben den Neuzugängen fallen da die Verlängerungen für Butler (4 Jahre, 184 Mio.) und Robinson (5 Jahre, 90 Mio.) stark ins Gewicht. In der Saison 2021/22 muss Miami aufgrund des Lowry-Sign-and-Trades zudem unter einem Hard Cap arbeiten (143 Mio.).

Diese Moves haben verdeutlicht, dass die Heat kommende Saison alles in die Waagschale werfen werden. Das bedeutet aber nicht, dass sie automatisch zum Favoritenkreis der Eastern Conference zählen. In dieser Hinsicht haben die Bucks, Nets und auch die Sixers Stand jetzt weiterhin die Nase vorn.

Der überraschende Finals-Run der Suns in den Playoffs hat allerdings gezeigt, dass es sich lohnen kann, sich mit mutigen Offseason-Entscheidungen in die Verfolgerposition zu katapultieren. Ein Platz in den Top 4 des Ostens ist für dieses Miami-Team definitiv drin - womöglich sogar mehr, wenn Verletzungen oder anderweitige, unvorhergesehene Ereignisse der Konkurrenz einen Strich durch die Rechnung machen. Sollte sich eine unerwartete Tür öffnen, werden die Heat bereit sein, hindurchzumarschieren.

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