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NBA - B.J. Armstrong im Interview: "Man bräuchte sechs Monate, um die Wahrheit zu erzählen"

Dirk Nowitzki umarmt Larry Bird nach seinem letzten Heimspiel für die Dallas Mavericks.
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Was Ihre eigene Karriere angeht: Sie waren zu Ihrer Zeit einer der besten Schützen der Liga, nahmen aber nur 1,4 Dreier pro Partie. Wie würde das heute aussehen?

Armstrong: Der Dreier ist heute definitiv eine Waffe, die viel mehr benutzt wird. Es gab damals auch andere sehr gute Shooter, ich war meiner Zeit also nicht voraus, aber es war ein kleinerer Teil des Spiels. In einem Team, das gewinnen will, ist es essenziell, dass gut verteidigt wird und es eine balancierte Wurfauswahl gibt. In der heutigen Ära würde das bei mir sicherlich bedeuten, dass ich mehr Dreier nehme, aber das ist nicht alles. Auch heute gewinnen die Teams, die verantwortungsvoll mit ihren Würfen umgehen. Es gehört jetzt mehr dazu, dass die Teams effektiv Dreier treffen können, aber es ist nicht alles für sie. Ohne Balance geht es nicht, das hat sich nicht verändert.

Was sich verändert hat, ist das Geschehen während der Free Agency. In den vergangenen Jahren haben sehr oft Superstars ihr Team gewechselt, über das gesamte Jahr wird die NBA von Gerüchten geprägt. Wie erklären Sie sich das?

Armstrong: Es ist eine Folge des Tarifvertrags, der es Spielern erlaubt, sich freier von Team zu Team zu bewegen, als das früher der Fall war. Es ist eine größere Flexibilität vorhanden und gleichzeitig kommen die Spieler früher in die Liga. In den 90ern war ein Star nach seinen ersten vier, fünf Jahren in der Liga schon 27 oder 28, jetzt eher 23. Die Jugend und die längeren Karrieren spielen eine Rolle bei den vielen Wechseln. Ich glaube, dass das gut ist: Die Leute mögen Veränderungen. Sie mögen es, Spielern zu folgen. Heutzutage gibt es viele Fans, die nicht an einem Team hängen, sondern eher an einzelnen Akteuren. Vielleicht ist das zeitgemäß! Ich jedenfalls habe kein Problem damit.

In Bezug darauf wird oft der Begriff "Player Empowerment" (wörtlich: "Ermächtigung der Spieler") verwendet. Sind die Spieler heute wirklich mächtiger oder können sie ihre Macht einfach besser einsetzen?

Armstrong: Ich höre diesen Ausdruck immer wieder und verstehe ihn trotzdem nicht ganz. Dieses Geschäft besteht aus einer Partnerschaft zwischen den Teams, der Liga und den Spielern. All diese Partner haben Verantwortlichkeiten und müssen zusammenarbeiten, damit das Ganze funktioniert. Deswegen müssen vor allem Spieler und Besitzer ein Medium finden. Empowerment bedeutet dann vielleicht, dass der heutige Spieler mehr vom Geschäft versteht, weil ihm andere Informationen vorliegen. Er ist besser vorbereitet dafür, die Kontrolle über seine eigene Karriere zu übernehmen. Ich denke aber nicht, dass das an der Macht liegt, sondern eher daran, welche Erfahrungen andere schon gemacht und dann weitergegeben haben. Das ist eher eine Evolution als ein Empowerment.

Bewegt sich das Ganze derzeit nicht in eine ungesunde Richtung? James Harden etwa versucht einen Trade zu erzwingen, zwei Jahre bevor sein Vertrag ausläuft, und legt sich - wie Anthony Davis - dabei gewissermaßen auf ein Team fest. Macht die Liga das auf Dauer mit?

Armstrong: Das ist mir zu einseitig. Für etliche Jahre war es die Realität, dass Teams ihre Spieler jederzeit und ohne Vorwarnung traden konnten, die Spieler aber an diese Teams gebunden waren. War das fair? Früher gab es nur: Spieler X hat einen Vertrag, aber sein Team will ihn nicht mehr. Jetzt gibt es den Zusatz: Spieler X hat einen Vertrag, hält Team Y vielleicht aber nicht mehr für das richtige Team, aus welchen Gründen auch immer. Es gibt im derzeitigen CBA Mittel und Wege sowohl für die Teams als auch für die Spieler, um die Kontrolle über ihre Situationen zu übernehmen. Das ist doch fairer. Ich verstehe, warum Fans frustriert sind, wenn Spieler ihre Teams verlassen wollen, zumal man das heutzutage medial viel schneller mitbekommt als früher. Aber der Vorgang dahinter ist gar nicht so neu. Schon immer wollten Spieler Trades und haben diese auch gefordert. Schon immer haben Teams ihre Spieler ohne Vorwarnung weggeschickt. Will Harden seinen Wechsel erzwingen? Mich empört da gar nichts. Es ist für mich auch nicht falsch, sondern einfach Teil des Geschäfts.

B.J. Armstrong stand nur für einige Wochen bei den Toronto Raptors unter Vertrag, lief aber nie für sie auf.
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B.J. Armstrong stand nur für einige Wochen bei den Toronto Raptors unter Vertrag, lief aber nie für sie auf.

Sie hatten 1995 einen ähnlichen Fall: Damals zog Toronto Sie im Expansion Draft, Sie meldeten sich jedoch nicht und wurden noch vor der Saison nach Golden State getradet. Wie lief das damals ab?

Armstrong: "Expansion" sagt es im Prinzip schon. Die Raptors waren auf einer anderen Timeline als ich, kamen gerade erst in die Liga. Ich hatte schon drei Meisterschaften gewonnen, war ein Jahr zuvor All-Star gewesen. Nichts gegen Toronto - ich liebe die Stadt und die Fan-Basis. Aber sie waren eben neu und hatten andere Ziele als ich. Deswegen habe ich ihnen gesagt: Vielleicht findet ihr ein Team, mit dem ich gewinnen kann, und ihr kriegt Assets für euren Aufbau und alle sind glücklich. Das war aber eher ein ehrliches Gespräch als ein Boykott von mir oder dergleichen. So sollte es meiner Meinung nach immer sein. Das hat dann auch alles ohne böses Blut funktioniert.

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