David Alaba beim FC Bayern München: Führungsspielerartiges Verhalten

David Alaba im Gespräch mit Leon Goretzka und Thomas Müller beim 5:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt.
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Unter Trainer Hansi Flick entwickelte sich David Alaba zu einem herausragenden Innenverteidiger - und ob seiner neuen Rolle gleichzeitig immer mehr zu einem Führungsspieler. Die Zukunft des 27-jährigen Österreichers ist jedoch auch vor der Partie des FC Bayern bei Borussia Dortmund (18.30 Uhr im LIVETICKER) unklar.

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David Alaba und das gesprochene Wort, das ist so eine Sache. Kommt er nach einem Spiel in die Mixed Zone und wird etwas gefragt, dann sagt er eigentlich immer auch etwas. Meistens sorgt er damit mindestens für Schmunzler, gelegentlich sogar für Lacher. Obwohl Alaba bereits seit zwölf Jahren und damit fast sein halbes Leben in München ist, hat er sich seinen Wiener Dialekt und Schmäh behalten. Wofür Alaba mit seinen Aussagen dagegen selten sorgt, sind Schlagzeilen oder Kontroversen. Er wirkt stets mehr wie der immer gut gelaunte Gaudi-Bruder als der knallharte Führungsspieler.

Dass er auch anders kann, weiß man dank der Coronakrise und der dadurch eingeführten Geisterspiele. Spielt sein FC Bayern, hört man in der gegnerischen Hälfte meist Thomas Müller herumbrüllen und in der eigenen eben Alaba. So war es beim 2:0-Sieg bei Union Berlin, so war es beim 5:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt. "Er führt die Mannschaft, gibt Kommandos. Das bekommt man gerade bei der aktuellen Stille in den Stadien mit", sagte Trainer Hansi Flick bei der Pressekonferenz am Montag.

Führungsspielerartig lobte Alaba gegen Frankfurt beispielsweise mit Zurufen Ivan Perisic und Jerome Boateng und laut der Süddeutschen Zeitung brüllte er einmal sogar: "Hey, Schiri, die gehen immer auf den Jungen los." Der Junge, das ist Alphonso Davies. Derjenige, der Alabas jahrelang alternativloses Monopol auf die Linksverteidigerposition durchbrochen und somit dafür gesorgt hat, dass der auf dem Platz führungsspielerartig sprechende Alaba auch auf einer führungsspielerartigen Position spielen darf: Innenverteidiger.

Wie David Alaba in die Innenverteidigung rückte

Erste Erfahrungen sammelte er dort einst unter Pep Guardiola, in der aktuellen Saison wurde er erstmals beim Hinspiel in Frankfurt in der Innenverteidigung aufgeboten. Es endete bekanntlich mit einer 1:5-Niederlage und einer Trennung von Trainer Niko Kovac.

Dessen Nachfolger Hansi Flick beließ Alaba in der Innenverteidigung und zwar zunächst nach dem Ausschlussprinzip: Davies gefiel ihm links hinten, Joshua Kimmich sah er im Mittelfeld, Benjamin Pavard musste deshalb nach rechts hinten rücken und in der Innenverteidigung gab es wegen der verletzungsbedingten Ausfälle von Niklas Süle und Lucas Hernandez keine Alternativen.

Nach Alabas ersten Einsätzen auf dieser Position lobte Leon Goretzka: "Er spricht viel mit uns und schiebt die Kette hoch. Er ist extrem zweikampfstark und gibt uns eine gute Stabilität, weil er nach vorne und offensiv denkt." Für Kimmich ist er als Innenverteidiger gar "einer der Besten der Welt".

David Alabas überragende Werte in der Innenverteidigung

Mittlerweile spielt Alaba längst nicht mehr nach dem Ausschlussprinzip in der Innenverteidigung, sondern weil er es dort einfach - auf Wienerisch gesagt - ur gut macht. So gut, dass der längst wiedergenesene Hernandez, im vergangenen Sommer immerhin für 80 Millionen Euro von Atletico Madrid verpflichtet, nicht an ihm vorbeikommt.

Seit Flicks Amtsübernahme spielte Alaba die viertmeisten Pässe aller Spieler aus Europas Top-5-Ligen und brachte knapp 91 Prozent an den Mann. Beachtlich dabei vor allem: Seine 292 Pässe ins Angriffsdrittel sind einsamer Bestwert. "Er hat eine sehr gute Spieleröffnung, leitet unser Offensivspiel mit guten Pässen ein, manchmal über zwei Linien", lobte Flick. Alabas Zweikampfquote von knapp 64 Prozent ist seit Flicks Amtsübernahme die achtbeste aller Bundesligaspieler. Beim 5:2-Sieg gegen Frankfurt waren es sogar 80 Prozent.

Für seine Leistung bei diesem Spiel lobte der Trainer seinen Spieler sogar explizit, obwohl er einzelne Spieler eigentlich nie explizit lobt: "Wie er die Abwehr zusammenhält, ist einfach große Klasse." Führungsspielerartig eben. Weil es wegen des DFL-Hygienekonzepts aktuell keine Mixed Zone gibt, konnte Alabas Meinung nach dem Spiel leider nicht ausgetestet werden. Ob er genauso prägnante Aussagen getroffen hätte wie auf dem Platz?

Bleibt David Alaba beim FC Bayern München?

Zumindest am Verhandlungstisch scheint sich Alaba aktuell entsprechend zu äußern. Nach den vorzeitigen Vertragsverlängerungen von Müller und Manuel Neuer ist er neben Thiago der letzte wichtige Spieler, dessen 2021 auslaufenden Vertrag der Klub gerne verlängern würde.

Alaba selbst scheint sich aber noch nicht ganz so sicher zu sein. "Ich fühle mich wohl in München, kann mir grundsätzlich aber vorstellen, einen anderen Weg einzuschlagen", sagte er kurz nach Beginn der Corona-Zwangspause gegenüber dem Magazin GQ. Wenige Tage später wurde bekannt, dass ihn künftig Pini Zahavi als Berater vertritt. Dieser 76-jährige Schattenmann, der berühmt ist für seine spektakulären Transfers.

Sofort kamen Spekulationen und Gerüchte auf. Strebt Alaba einen Abschied an? Will er zum FC Barcelona oder Real Madrid, denen schon lange Interesse nachgesagt wird? Oder zu einem Top-Klub aus Italien oder England? Alaba selbst äußerte sich zuletzt nicht mehr zu seiner Zukunft, dafür aber der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. "David ist bei uns sehr beliebt, etabliert und wertgeschätzt", sagte er gegenüber der SportBild und sprach den Wunsch einer Vertragsverlängerung mit Alaba aus, genau wie es später auch Flick tat.

Seine neue Rolle auf dem Platz passt jedenfalls zu dieser klubinternen Wertschätzung. Alaba wollte insgeheim stets mehr sein als der Linksverteidiger, der halt spielt, weil es keinen anderen Linksverteidiger gibt. Er wollte nicht von der Seitenauslinie Kommandos geben, die keiner hört, sondern aus der Zentrale. Sein ursprünglicher Plan war zwar die Mittelfeldzentrale, aber gut: Die heimlichen Spielmacher der Moderne sind ja ohnehin die Innenverteidiger.

Meiste Pässe in den Top-5-Ligen seit Flicks Amtsübernahme

Rang

Spieler

Verein

Pässe

Passquote

1

Virgil van Dijk

FC Liverpool

2141

89,4%

2

Rodrigo

Manchester City

2113

92,4%

3

Joe Gomez

FC Liverpool

1905

88,2%

4

David Alaba

FC Bayern München

1836

90,5%

5

Fred

Manchester United

1784

87,7%

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