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NHL Stanley Cup Finals - Keeper of the Cup Phil Pritchard im Interview: "Sie hielt den Cup für einen riesigen Kaffeespender"

Phil Pritchard und der Stanley Cup auf dem Weg nach Russland im Sommer 1997.

Seit 34 Jahren arbeitet Phil Pritchard für die Hockey Hall of Fame, seit 1995 begleitet er den Stanley Cup jeden Sommer auf seiner Reise mit den NHL-Champions um die Welt. Im Interview mit SPOX erzählt er von Verwechslungen mit Kaffeemaschinen, seiner Angst vor Airline-Mails - und er erklärt, warum der Stanley Cup die beste Trophäe der Sportwelt ist.

Aktuell kämpfen die Colorado Avalanche mit Nico Sturm gegen den Titelverteidiger Tampa Bay Lightning um den legendären Stanley Cup. Vor Spiel 4 in der Nacht auf Donnerstag führen die Avalanche in den Finals mit 2-1, Sturm könnte nach Uwe Krupp, Dennis Seidenberg, Tom Kühnhackl und Philipp Grubauer der fünfte deutsche Stanley-Cup-Sieger werden.

Das würde bedeuten, dass der Stanley Cup im Sommer einen Abstecher nach Deutschland machen könnte. Es ist Tradition, dass jeder Spieler des Siegerteams einen Tag mit dem 130 Jahre alten Wanderpokal verbringen darf. Pritchard begleitet in seiner Rolle als Kurator der Hockey Hall of Fame und "Keeper of the Cup" die Trophäe auf deren Reisen - und hat dabei schon einiges erlebt.

Herr Pritchard, heute Nacht steht Spiel 4 der Stanley Cup Finals an, wie verfolgen Sie die Spiele? Eigentlich ist es üblich, dass der Stanley Cup unter Verschluss und von den Teams ferngehalten wird, solange noch keine Entscheidung gefallen ist.

Phil Pritchard: Das ist korrekt. Vor dem Beginn der Serie haben wir mehrere Medientermine mit dem Stanley Cup hinter uns gebracht, dann haben wir ihn versteckt. Wir bringen den Cup nicht mit in die Arena, bis die Zeit dafür reif ist, also frühestens zu Spiel 5 in Colorado. Ich kann mir die Partien aber anschauen, quasi privat.

Hand aufs Herz, drücken Sie den Colorado Avalanche ein wenig die Daumen?

Pritchard: Mein Motto lautet: Möge das beste Team gewinnen. Schon vor Beginn der Serie war ich überzeugt, dass das die besten Stanley Cups Finals seit langer Zeit werden. Auf der einen Seite steht ein junges, schnelles Team, das gierig auf das nächste Level schielt. Und auf der anderen Seite sind die Lightning, die dieses Level bereits zweimal in Folge erreicht haben und ihr Vermächtnis ausbauen wollen.

Keeper of the Cup: "Wir zeigen 130 Jahre Hockey-Geschichte"

Vorteilhaft wäre ein Sieg der Avalanche aus Ihrer Sicht aber doch allein deshalb, um wieder etwas Abwechslung in Ihre Reiseplanungen zu bekommen. Sollte Colorado gewinnen, wäre für Sie zum Beispiel mal wieder ein Trip nach Deutschland mit Nico Sturm möglich. Letztmals waren Sie 2018 hier.

Pritchard: Genau, das war mit Philipp Grubauer nach dem Titelgewinn der Washington Capitals. Wir sind nach München geflogen, dort hat er uns erwartet und wir sind direkt weiter zu einer Party in seine Heimatstadt gereist. Am nächsten Tag sind wir früh morgens Wandern gegangen und haben oben auf einer Bergspitze gefrühstückt. Es ist immer großartig, wenn man mit den Spielern ihre Heimat besuchen darf.

Seit 1995 ist es Tradition, dass jeder Spieler des Stanley-Cup-Siegers einen Tag mit dem Cup verbringen darf. Sie begleiten den Cup durch die ganze Welt und passen auf ihn auf. Wo hat Sie das schon überall hingeführt?

Pritchard: Ich habe mittlerweile 29 Länder besucht. Man lernt jedes Mal wieder eine neue Stadt kennen, die Kultur und die Geschichte des Landes. Das ist großartig! Nach dem Besuch bei Grubauer sind wir zum Beispiel direkt weiter nach Dänemark gereist. Vor ein paar Jahren waren wir mit Anze Kopitar zum ersten Mal in Slowenien. Eishockey-Fans sind auf der ganzen Welt verstreut, alle wissen die Historie dieses Spiels zu schätzen - und wir zeigen hautnah 130 Jahre Hockey-Geschichte.

Was genau ist denn eigentlich Ihre Aufgabe als Keeper of the Cup?

Pritchard: Eigentlich arbeite ich für die Hockey Hall of Fame in Toronto, dort bin ich Museumskurator. Ich kümmere mich also um alle Artefakte und Ausstellungsstücke, die wir dort präsentieren. Das einzigartigste Ausstellungsstück ist natürlich der Stanley Cup. Das ist nicht einfach nur irgendeine Sporttrophäe, sondern ein Museumsexponat, das wir mit all dem Respekt behandeln, den es verdient. Deshalb reise ich immer mit weißen Handschuhen.

Davon müssen Sie in Ihrer Karriere schon einige verbraucht haben.

Pritchard: Jedes einzelne Paar weißer Handschuhe, das ich jemals getragen habe, hebe ich auf. Die Handschuhe bei der Präsentation des Stanley Cups direkt auf dem Eis werden nur einmal getragen, ansonsten tausche ich sie alle paar Wochen aus. Meine Frau weiß wahrscheinlich besser, wie viele es mittlerweile sind. Meine Kommoden sind schon gut gefüllt. Bald kommt ein weiteres Paar hinzu.

Vodka aus dem Stanley Cup? "Es blieb bei diesem einen Mal"

Aber zurück zu Ihren eigentlichen Aufgaben als Keeper of the Cup ...

Pritchard: Wo auch immer der Stanley Cup ist, da sind auch wir zu finden. Ob bei der Feier auf dem Eis, im Museum bei einer Ausstellung oder im Haus eines Spielers während seiner Stanley-Cup-Party. Wir sind immer dabei. Das ist eine sehr spaßige, aber auch sehr emotionale Zeit, wenn wir die Spieler begleiten und sie ihren Erfolg mit ihren Freunden und Familien teilen.

Wie kann man sich das vorstellen? Die Spieler feiern eine riesige Party in ihrem Garten und Sie stehen mit grimmigem Gesicht neben dem Stanley Cup und passen auf?

Pritchard: Das ist gar nicht so falsch. (lacht) Gleichzeitig bekomme ich aber die Chance, mit vielen verschiedenen Menschen zu interagieren, mir ihre Geschichten anzuhören oder meine zu erzählen. Es herrscht immer Party-Stimmung, da wirst du ganz automatisch mit hineingezogen. Was es für uns so besonders macht: Am nächsten Tag fahren wir weiter zum nächsten Spieler, zur nächsten Party und wir treffen wieder neue Menschen und hören ihre Geschichten. Diese Geschichten machen den Stanley Cup aus, jeden Sommer wird ein neues Kapitel erzählt.

Haben Sie selbst schon mal aus dem Stanley Cup getrunken?

Pritchard: Nur ein einziges Mal, das war 1997. Damals ist der Cup zum ersten Mal nach Russland gereist, es gab ein großes Bankett, selbst der Präsident war dabei. Ein historischer Moment. In dem Jahr hatten die Detroit Red Wings gewonnen, Igor Larionov, Viacheslav Fetisov und Vyacheslav Kozlov haben den Cup in ihr Heimatland gebracht und sie wollten, dass auch ich einen Schluck nehme. Als Historiker habe ich meiner Meinung nach nicht das Recht dazu. Diese Ehre sollte den Spielern vorbehalten sein. Aber die drei haben mir erklärt, dass ich ein wichtiger Teil der Geschichte sei und daran teilhaben sollte. Also habe ich einen Schluck genommen, es gab natürlich russischen Vodka. Es blieb aber bei diesem einen Mal für mich. Seither haben mich schon viele Spieler gefragt, aber ich habe immer abgelehnt.

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