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NFL

NFL Recap: Unglückliche Heimkehr für Russell Wilson - Seahawks' Geno Smith besiegt die Broncos

Von Nik Staiger
Russell Wilson wurde mit Pfiffen an alter Wirkungsstätte empfangen.

Die Homecoming-Story des ersten Spieltags lag bei Russell Wilson, der mit den Denver Broncos zu seinen ehemaligen Teamkollegen nach Seattle reiste. Doch Seahawks-Nachfolger Geno Smith machte ein starkes Spiel und besiegte Wilson zum Auftakt der Saison mit 17:16.

Seahawks vs. Broncos: Auf einen Blick

  • Russell Wilson kehrte zurück an seine alte Heimstätte und wurde zu Spielbeginn erst einmal ausgebuht. Nach anfänglichen Startproblemen, vor allem in der Verbindung mit seinen Wide Receivern, stieg seine Form in der zweiten Hälfte und er gab seinem Team die Chance, zu gewinnen.
  • Die Broncos Defense schaffte es in der ersten Hälfte nicht, einen starken Geno Smith und seine Seahawks-Offense zu stoppen. In der zweiten Halbzeit waren beide Defenses dominant. Die Seahawks gewannen das Spiel vor allem wegen zwei Turnovern direkt an der Endzone.
  • Geno Smith lieferte einen starken Auftritt ab. Nach der ersten Woche scheint es so, als hätten die Seahawks die richtige Entscheidung getroffen, keinen Nachfolger für Russell Wilson zu verpflichten.

Es war die Rückkehr für Russell Wilson an seine alte Wirkungsstätte, doch freundlich wurde der einstige Franchise-Star nicht empfangen. Besonders sein erster Drive wurde mit einem gellenden Pfeifkonzert im Lumen Field bedacht. Zudem kamen zahlreiche Fans mit alten Wilson-Trikots, auf denen der Name durch ein Schild mit der Aufschrift "Traitor" (Verräter) überdeckt wurde.

Seattle Seahawks - Denver Broncos: Die Analyse

Die Seahawks starteten stark ins Spiel und legten direkt einen guten ersten Drive zum Touchdown hin, bei dem Will Dissly im Backfield der Broncos weit offen war. Geno Smith überzeugte als neuer Quarterback und begann sein erstes Viertel ohne statistische Incompletion (7/7 für 89 Yards, 1 Touchdown). Der einzige Fehlwurf wurde mit einer Defensive Pass Interference zurückgenommen, war ohne das Foul aber perfekt platziert.

Währenddessen hatten Star-Quarterback Russell Wilson und seine Broncos-Offense einige Probleme. Unrund bewegte man sich mit Läufen und Pässen zu Tight Ends über das Feld. Der Drive endete nach einem schwachen Wurf bei First Down und einer Holding-Strafe für die Offensive Line mit einem Field Goal. Aus einer 2nd&15-Situation konnten sich die Broncos nicht mehr lösen. Im zweiten Seahawks-Drive stand man erneut kurz vor der Broncos-Endzone, doch Smith rutschte bei einem Quarterback-Sneak im vierten Versuch aus und schaffte es nicht, sich einen neuen ersten Versuch zu erarbeiten.

Nach einem schnellen Punt der Broncos, den sich die Seahawks sich mit einer Jamal-Adams-Verletzung teuer erkauften, schaffte es Seattle nur zu einem Field Goal (10:3). Dann fand Russell Wilson zum ersten Mal einen seiner Wide Receiver - und mit einem 67-Yard-Catch-and-Run holte sich Jerry Jeudy mit seinem ersten Ballkontakt eindrucksvoll den Touchdown zum 10:10-Ausgleich. Doch Geno Smith bewegte den Ball weiter gut. Nach über 25 Spielminuten warf er den ersten nicht-vollständigen Pass, trotzdem fand er in Colby Parkinson wieder einen seiner Tight Ends, um vor der Halbzeit nochmal nachzulegen. Die Broncos starteten einen Two-Minute-Drive, doch auch wenn Courtland Sutton seinen ersten Pass für 30 Yards fing, stagnierte man aufgrund eines Sacks und musste sich mit einem Field Goal zum 17:13-Halbzeitstand zufrieden geben.

Nach der Pause zeigte sich, was sich zuvor schon angedeutet hatte: Die Broncos wollten häufiger die Wide Receiver finden. Vor allem Eins-gegen-Eins-Situationen für Sutton waren das Ziel. Damit bewegte man sich gut über das Feld, doch scheiterte, weil Running Back Melvin Gordon nur Zentimeter vor der Endzone einen Ball fumbelte. Die Broncos-Defense holte sich den Ball schnell wieder. Nach einem kurzen Pass entriss Linebacker Randy Gregory DK Metcalf den Ball. Doch erneut war nur minimal vor der Endzone Schluss - wieder fumbelte ein Broncos-Running-Back (diesmal Javonte Williams) beim Versuch, den Ball über die Linie zu drücken. Und zum zweiten Mal sammelte Broncos-Cornerback Michael Jackson den Football ein. Nach einer Holding-Strafe gegen die Seahawks rannte Geno Smith für zwölf Yards und holte den verlorenen Raum wieder zurück, bevor das dritte Viertel endete.

Und das Vierte begann ähnlich: Smith holte die übrigen drei Yards zum First Down. Der Drive endete nach einem Sack von Star-Pass-Rusher Bradley Chubb. Erneut bewegte Russell Wilson den Ball stark übers Feld, kam wieder bis an die 3-Yard-Linie, doch eine Strafe und mehrere unvollständige Pässe zwangen die Broncos, das Field Goal zu schießen. Auch bei den Seahawks setzte sich eine schwächelnde zweite Halbzeit durch: Erneut beendete ein Chubb-Sack den Drive der Seahawks. Der potenziell letzte Anlauf der Broncos drohte schon zu stagnieren, da rettete Tight End Albert Okwuegbunam mit einer starken Aktion nach dem Catch das neue First Down. Mit einem Punkt Rückstand, 20 Sekunden auf der Uhr und einem 4th&5 standen die Broncos an der gegnerischen 46-Yard-Linie und entschieden sich dafür, Kicker Brandon McManus ein 64-Yard-Field-Goal zuzutrauen. Doch der verschoss und die Seahawks gewannen das erste Spiel der Saison.

Seattle Seahawks (1-0) - Denver Broncos (0-1)

Ergebnis: 17:16 (7:3, 10:10, 0:0, 0:3) BOXSCORE

Seahawks vs. Broncos - die wichtigsten Statistiken

  • Seahawks-Quarterback Geno Smith legte einen besonderen Start hin, brachte die ersten 13 Pässe alle an den Mann, erzielte dabei 101 Yards und einen Touchdown. Die Wahrscheinlichkeit, dass Smith diese 13-Completion-Serie hinlegte, lag laut NFL Next Gen Stats im Übrigen bei nur 3,1 Prozent.
  • Seattle gewann das Spiel in der ersten Hälfte, weil man es schaffte, seine Passempfänger über das Scheme frei zu bekommen. Beim ersten Touchdown-Pass von Geno Smith auf Tight End Will Dissly hatte dieser 12,1 Yards Abstand zum nächsten Verteidiger. Die Broncos-Defense ließ in den letzten fünf Saisons keinen Pass mit größerer Separation zu.
  • Russell Wilson hatte in der ersten Halbzeit enorme Probleme, seine Wide Receiver zu finden. Nur zwei von vier Pässen, alle spät in der ersten Hälfte, kamen bei den Wide Receivern an und brachten 97 Yards sowie einen Touchdown. Im zweiten Durchgang reagierte man darauf, spielte die Receiver häufiger an, konnte bei elf Pässen auch sechs davon anbringen. Doch das brachte nur 77 weitere Yards. Punkte? Fehlanzeige!
  • Die Denver Broncos hatten große Probleme mit Strafen. Bei zwölf gelben Flaggen der Schiedsrichter verloren sie 106 Yards. Besonders in wichtigen Momenten versagten den Broncos die Nerven, etwa beim Fehlstart an der Drei-Yard-Linie im vorletzten Drive.

Der Star des Spiels: Geno Smith (Quarterback Seahawks)

Kaum einer hätte dem Wilson-Nachfolger Geno Smith so einen Start in die Saison zugetraut. Zwar gewann häufig das Scheme für ihn die Matchups, doch er bleib ruhig in der Pocket und konnte so alle Pässe sauber anbringen. Auch schwierigere Pässe kamen in gute Fenster. Die Effizienz sank zwar in der zweiten Hälfte, doch seine Statistiken (23/28 für 195 Yards und 2 Touchdowns, Passer Rating von 119,5) können sich auch am Schluss absolut sehen lassen. Als ehemaliger Second-Round-Pick der New York Jets (2013) könnte er nun endlich auf die Erfolgsspur geraten.

Der Flop des Spiels: Red-Zone-Offense der Broncos

Die Denver Broncos bekamen nach anfänglichen Schwierigkeiten in der zweiten Hälfte den Fuß aufs Gas. Drei Drives brachte man bis innerhalb der gegnerischen Fünf-Yard-Linie. Doch anstatt diese Drives mit 21 Punkten zu beenden und das Spiel locker zu gewinnen, fumbelte man zwei Läufe von der Ein-Yard-Linie und kam bei einem Drive bis an die Drei-Yard-Linie nicht über ein Field Goal hinaus. Im gesamten Spiel holte man aus vier Red-Zone-Aufenthalten nur sechs Punkte. Das ist zu schwach, um auf NFL-Level zu bestehen. Besonders verwunderlich wird es dadurch, dass Nathaniel Hackett in seinen ersten zwei Jahren bei den Green Bay Packers die zweitbeste (2019) und die beste (2020) Offense in Sachen Red-Zone-Effektivität stellte.

Analyse: Seahawks vs. Broncos - die Taktiktafel

  • Die Seattle Seahawks spielten häufig im 12-Personnel und fanden darüber eine gute Mischung zwischen Lauf- und Passspiel. Auch die Laufspielzüge in schwererem Personal funktionierten problemlos, erbrachten etwa einen 26-Yard-Lauf von Rashaad Penny im zweiten Quarter.
  • Dabei zeigten vor allem die beiden jungen Offensive Tackles, welche Klasse sie besitzen. Nach dem Wechsel von Russell Wilson könnte Seattle endlich eine starke Defensive Line geschaffen haben. Right Tackle Abraham Lucas leistete sich eine Holding-Strafe und lieferte sonst ein blitzsauberes Spiel ab. First-Round-Pick Charles Cross (Left Tackle) hatte ebenfalls einen starken Auftritt gegen Bradley Chubb vorzuweisen. Bitter für ihn: Cross' zwei Fehler münzte Chubb beide in Sacks um und stoppte damit jeweils die Drives der Seahawks.
  • Um Geno Smith das Leben zu vereinfachen, arbeitete man viel mit Bootlegs. In der Bewegung blieb Smith sicher und machte keine dummen Fehler. Mitte der zweiten Hälfte holte Smith über seine Beine sogar ein First Down heraus. Offensive Coordinator Shane Waldron ist der heimliche Star im Schatten des Quarterbacks.

  • Wie die Statistiken zeigen, läuft bei Russell Wilson und seinen Receivern noch nicht alles rund. Zu Beginn spielte er ausschließlich seine Tight Ends an, warf in den ersten zwei Drives kein einziges Mal in Richtung eines Wide Receivers. In der Halbzeit scheint das ein Thema in der Denver-Kabine gewesen zu sein, doch auch hier war man einfach zu unkonstant im Passspiel auf Playmaker wie Jerry Jeudy und Courtland Sutton.
  • Wilson selbst leistete sich zudem mehrere Fehler. Dass er nicht zwei Interceptions in den Statistiken stehen hat, verdankt er der Seahawks-Defense. Direkt im ersten Drive hatte Safety Jamal Adams einen Ball fallen gelassen. Im letzten Drive der ersten Hälfte warf er zudem einen Pass weit an Sutton vorbei in die Endzone, doch Safety Quandre Diggs verpasste den Catch.
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