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NFL - Die größten Enttäuschungen nach Woche 3: Woran hat's gelegen?

Von Marko Markovic
Die Seattle Seahawks blicken schon jetzt auf eine enttäuschende erste Saison nach Russell Wilson.
© getty
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Carolina Panthers

1-2, #9 Seed in der NFC

Die Panthers wollten jeden Quarterback unter der Sonne und bekamen schließlich Baker Mayfield. Matt Rhules letzter Verzweiflungsversuch bleibt aber wiedererkennbar laufzentriert, konservativ und aussichtslos.

Was lief falsch?

Nur Justin Fields hat eine schlechtere PFF Passing Grade als Baker Mayfield und die Panthers sind letzter bei offensiven EPA/Play. Die Receiver sind nie offen und werden auch nicht frei gespielt vom Play Call. Rookie-Left-Tackle Ikem Ekwonu hat schon 9 Pressures in 3 Spielen erlaubt. Die Panthers-Pass-Offense ist der Zahnarztbohrer der NFL.

Was ist die größte Baustelle?

Jenseits der gesamten Pass Offense? Die Gehaltszettel! Die Panthers sind mit einem schlechten Team und den derzeit gültigen Verträgen 19M Millionen Dollar über dem prognostizierten 2023er Salary Cap. Shaq Thompson, Robbie Anderson, Taylor Moton und DJ Moore haben jeder für sich einen Cap Hit von über 20 Millionen im kommenden Jahr. Selbst wenn sie das Ruder rumreißen und gute Leistungen zeigen, sind sie niemals diese Summen Wert.

Was/Wer gibt Hoffnung für die Zukunft?

Jaycee Horn, der seine Rookie-Saison fast komplett an mehrere Knochenbrüche im Fuß verlor, hatte in Woche 3 sein bisher bestes Spiel und zählt zu den besten Cornerback dieser jungen Saison. Und ab 2023 können die Panthers wieder aus dem Christian-McCaffrey-Vertrag aussteigen, wenn die NFC South auch wieder greifbarer sein könnte im Hinblick auf Tom Brady.

Droht ein radikaler Neustart?

Matt Rhules Ende dürfte besiegelt sein. Die spannende Frage wird sein, ob Scott Fitterer gehen muss oder nicht. Er kam nach Rhule in Carolina an und wird argumentieren können, dass er nie einen Head Coach wählen durfte sowie etliche schwierige Verträge (Thompson, McCaffrey) geerbt hat.

Las Vegas Raiders

0-3, #16 Seed der AFC

Die Raiders haben in einer 10-zu-1-Außenseiter-Situation (das waren ihre Division-Odds Anfang März) beschlossen, alle Chips in die Mitte zu setzen. Die All-In-Moves rund um Davante Adams und Chandler Jones brachten sie näher ans Mittelfeld der Division und Conference, aber all das auf Kosten einer langfristigen Perspektive sowie überschaubaren Ergebnissen.

Was lief falsch?

Unabhängig von der Big-Picture-Frage gibt es eine Menge an Kleinigkeiten. Hunter Renfrow ist verletzt. Jenseits von Nate Hobbs ist die Coverage wackelig. Jones baut deutlich ab und dadurch bekommt Maxx Crosby alle Aufmerksamkeit der Gegner. Die Offense ist mit einem neuen Head Coach und dessen neuem Schema oft unorganisiert. Derek Carr ist ein Top-10-QB mit Play Action und Bottom 10 ohne - und bekommt die drittwenigsten PA-Snaps unter allen Startern.

Was ist die größte Baustelle?

Die fehlende Kadertiefe auf zahlreichen Positionen. Das Stars-und-Scrubs-Team für das Hier und Jetzt muss eben an einigen Stellen Rookies, Journeymen oder Durchschnittsspieler starten lassen. Vor allem die Coverage in der Mitte, zwischen den Linebackern Divine Deablo und Jayon Brown, sowie dem ewig enttäuschenden Box Safety Johnathan Abram, ist einfach konstant ein Problem.

Was/Wer gibt Hoffnung für die Zukunft?

Man war in keinem Spiel bisher wirklich draußen, und wurde auch in keiner Phase komplett dominiert. In zwei der drei Niederlagen hatte man mehr Yards/Play, einen Fumble, der in der Overtime zum Touchdown zurückgetragen wurde, und eine vergebene 2-Point Conversion. All das führte zu relativ zufälligen Ergebnissen, die aber maßgeblich zur 0-3-Bilanz beitrugen. Das Team ist vielleicht näher an Rang 20 als Rang 30 in der Liga und hatte einfach Pech in drei One-Score-Games hintereinander.

Droht ein radikaler Neustart?

Wenn das Pech aber nicht aufhört und das Team nicht in einen besseren Groove rein findet mit dem neuen Scheme, stellt sich schon die Frage, was Josh McDaniels hier wirklich vorhatte in Jahr 1. Eine grobe Fehleinschätzung der eigenen Lage ist jetzt nicht mehr zu leugnen. Wenn noch mehr Fehler dazukommen, wird es interessant, wer den Kopf hinhalten muss.

Aber es kann auch sein, dass das Team weiter durchschnittlich ist, mit ein paar Bounces hier und da ein paar Spiele gewinnt, vielleicht eine knappe Niederlage gegen einen hohen Favoriten herbeizaubert und denkt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Dann wird es nächste Offseason spannend, ob es um Depth oder um mehr Starpower geht.