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NBA - Der tragische Fall von Emoni Bates: Cover-Star mit 15, Lob von LeBron und jetzt der Absturz

Emoni Bates galt einst als der beste High Schooler des Landes, dann folgte der Absturz.

Es ist nicht lange her, da wurde Emoni Bates mit Kevin Durant verglichen und als vielleicht bester High Schooler seit LeBron James gefeiert. Doch mittlerweile ist davon nur noch wenig zu hören, stattdessen sorgt der 18-Jährige abseits des Courts für Negativ-Schlagzeilen. Hat er noch eine Zukunft in der NBA?

LeBron James muss ziemlich beeindruckt gewesen sein, als er im Mai 2019 an der Seitenlinie eines Jugend-Basketballturniers in einem Vorort von Indianapolis stand. Eigentlich half er als Coach des AAU-Teams seines Sohnes Bronny aus, doch es war ein gegnerischer Jungspund, der das Parkett dominierte. Ein 15-Jähriger schenkte Bronny und Co. 43 Punkte und 11 Rebounds ein. Es war die Emoni-Bates-Show.

Eine von vielen aus der Jugend des Forwards, der damals landesweit von Scouts und Draft-Experten gefeiert wurde. Und offenbar auch von LeBron. "Er hat mir gesagt, dass er stolz auf meine Toughness ist und dass ich einfach weiter an mir arbeiten soll", verriet Bates nach dem Spiel gegenüber Reportern, dann unterbrach der King höchstpersönlich das Interview, verabschiedete sich per Handschlag vom Youngster und wünschte ihm viel Glück auf dem weiteren Weg.

Bates würde die Zukunft gehören, da waren sich alle Beobachter sicher. Er wurde als nächster Kevin Durant betitelt, zum besten High-School-Basketballer der Welt ernannt und zum baldigen Nr.1-Pick auserkoren - doch so weit wird es wohl nicht mehr kommen. Wenige Jahre nach dem großen Hype ist die basketballerische Zukunft des heute 18-Jährigen auf einmal ungewiss.

Stattdessen häufen sich die Stories abseits des Sportlichen mit einem unrühmlichen Tiefpunkt Mitte September. Nun stehen in den Überschriften keine Vergleiche mehr mit den ganz Großen des Sports, dafür titelte SB Nation: "Die Emoni-Bates-Story wird immer trauriger." Wie konnte es dazu kommen?

Emoni Bates: Durant-Vergleiche, LeBron-Lob und SI-Cover

Um den Hype der vergangenen Jahre um Emoni James-Wayne Bates zu verstehen, muss man an die Anfänge zurückgehen. Basketball wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, sein Vater Elgin, genannt E.J., spielte mehrere Jahre als Profi in der Schweiz. Im Alter von drei Jahren begann Emoni, einen Basketball durchs Haus zu dribbeln und damit seine Mutter zu nerven, heißt es aus der Familie. Das orangefarbene Leder ließ er nicht mehr los, auch nachts war ein Mini-Basketball immer in seinen Armen.

Zu dieser Leidenschaft kam jede Menge Talent. Als Siebtklässler legte er 46 Punkte pro Spiel an der Middle School auf, später führte er die High School aus seiner Heimatstadt Ypsilanti zur State Championship, als jüngster Spieler aller Zeiten wurde er zum Gatorade Player of the Year ernannt, eine Auszeichnung für die besten High-School-Athleten der Nation. Die kleine Halle der High School platzte schon bald als allen Nähten, Bates' Spiele wurden in der Arena der benachbarten Eastern Michigan University verlegt.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Scouts und Medien natürlich schon längst auf den Zug aufgesprungen. Sports Illustrated schenkte 2019 dem damals 15-jährigen Mega-Talent ein eigenes Cover. Im dazugehörigen Artikel wurde er als 2,06 Meter großer Stephen Curry beschrieben, öfters war aber der Vergleich mit KD zu lesen. Der Forward bestach durch sein unwiderstehliches Scoring und Shooting.

"Wir sind beide dürr und schlaksig und wir können beide scoren. Wir haben viele Gemeinsamkeiten", sagte Bates 2018 angesprochen auf die Vergleiche. Auch Jayson Tatum sei ein basketballerisches Vorbild. 247sports ging noch einen Schritt weiter und nannte ihn den vielleicht besten High Schooler seit LeBron James.

Emoni Bates: Eine eigene Schule für den Sohnemann

Wenig überraschend führten die einschlägigen Scouting-Experten ihn als Fünf-Sterne-Rekrut, in der ESPN Top 100 der besten High Schooler landete Bates auf Platz drei seiner Klasse - hinter Chet Holmgren und Jaden Hardy, aber vor unter anderem Paolo Banchero oder Jabari Smith.

Aus diesem Quintett schafften im Draft 2022 drei Top-Talente den Sprung in die NBA mit den Picks eins bis drei, Bates ist aufgrund seines Alters erst im nächsten Jahr berechtigt, in die Association zu wechseln. Ob das passiert, ist aber mittlerweile fraglich. Bates' Karriere hat sich in die entgegengesetzte Richtung entwickelt.

2020 überraschte er mit einem Wechsel an die Ypsi Prep Academy, sein Vater hatte diese Prep School eigenhändig aus dem Boden gestampft. Der Grund? Wohl in erster Linie Kontrollzwang, sein Vater wollte die bestmögliche Umgebung für seinen Sohn schaffen mit ausgewählten Mitspielern, ausgewählten Gegnern und mehr Sponsorenmöglichkeiten. Im Nachhinein könnte dieser Schritt dem Prospect Bates aber mehr geschadet als genützt haben.

"Sie hätten LeBron in dieses Team stecken können und Emoni hätte wohl weiterhin 75 Prozent aller Würfe genommen", spottete ein anonymer High-School-Coach bei The Athletic über das Projekt. Statt in klaren Strukturen an der Seite anderer Hochkaräter zu spielen und zu lernen, war hier alles auf Bates ausgelegt. Doch das Team kassierte einige deutliche Klatschen, vel mehr als eigenes Scoring war nicht.

Emoni Bates: Ein College-Jahr aus der Hölle

Manche Scouts vermerkten einen fehlenden Entwicklungssprung im Spiel des immer noch blutjungen Talents. Womöglich hätte er in einer anderen Umgebung besser an seinen Fähigkeiten feilen können. Diese Möglichkeit sollte er am College bekommen, doch auch hier lief bei weitem nicht alles so, wie geplant.

Ursprünglich hatte sich Bates zu Michigan State bekannt, er nahm dieses Commitment aber später wieder zurück. Manch einer vermutete bei der Bekanntgabe ohnehin hauptsächlich einen Marketinggag, um die Ypsi Prep School bekannter zu machen. Stattdessen spielten G-League Ignite oder andere professionelle Teams im Ausland in Bates' Überlegungen eine Rolle, letztlich entschied er sich im Sommer 2021 aber für Coach Penny Hardaway und die Memphis Tigers.

Ein Fehlgriff, wie sich herausstellen sollte. Die NBA-Legende experimentierte mit Bates als Point Guard, was schiefging. Der Youngster schien mit der Rolle überfordert, körperlich war er noch nicht bereit für das College-Level. Bates entwickelte sich nicht zu dem Athleten, den sich manche Scouts erhofft hatten.

Spätestens nach drei Spielen in Single Digits im Januar zerfiel seine Memphis-Karriere in ihre Einzelteile. Das ehemalige Top-Prospect schien frustriert, mit sich und mit seiner Situation. Zusätzlich machten Gerüchte über interne Querelen die Runde, bestärkt durch eine teils zumindest fragwürdige Körpersprache des Youngsters auf der Bank. Hartnäckige Rückenprobleme taten ihr Übriges, Bates verpasste 15 von 33 Spielen. In seinen Einsätzen legte er gerade einmal 9,7 Punkte und 1,3 Assists bei 38,6 Prozent Feldwurfquote sowie 32,9 Prozent aus der Distanz auf.

Emoni Bates: Es bleibt noch Zeit für ein Happy End

Sein erstes Jahr am College war eine Enttäuschung, es sollte sein letztes für die Tigers bleiben. Im August verkündete Bates einen Wechsel an die Eastern Michigan University, zurück in die Heimat. Die Eagles gehören allerdings nicht zur Elite des College-Basketballs, seit 1998 haben sie es nicht mehr ins NCAA-Turnier geschafft.

Es ist ein Abstieg für den ehemaligen High-School-Star. Einer, der aber gleichzeitig Hoffnung machte, dass Bates zurück in der gewohnten Umgebung, nah bei seiner Familie wieder aufblühen könne. Letztlich hielt diese Hoffnung nicht mal einen ganzen Monat. Mitte September schockte eine weitere Nachricht die verbliebenen Bates-Fans, als Meldungen von seiner Verhaftung durch die Medien geisterten.

Ein übersehenes Stoppschild führte zu einer Fahrzeugkontrolle, im Wagen von Bates fand die Polizei eine Schusswaffe. Sein Anwalt erklärte, es habe sich um ein geliehenes Auto gehandelt, die Waffe gehöre nicht Bates. Dennoch muss er sich am 6. Oktober vor einem Gericht verantworten. Eastern Michigan reagierte umgehend: Bis das Verfahren abgeschlossen ist, bleibt Bates suspendiert.

Es ist der vorläufige Tiefpunkt für den "Next KD", doch es bleibt immer noch genügend Zeit für ein Happy End. Sollte das Gerichtsverfahren zu seinen Gunsten entschieden werden und sollte er in der Heimat zu alter Stärke zurückfinden, sehen die meisten Draft-Experte in Bates weiterhin einen potenziellen Erstrundenpick 2023.

Doch den Rang des Top-Prospects haben ihm Victor Wembanyama, Scoot Henderson und Co. längst abgelaufen. Vergleiche mit Durant, LeBron oder Curry stellt mittlerweile auch niemand mehr an, vielleicht ist das auch gut so. Vielleicht kann Emoni Bates bald einfach nur wieder Emoni Bates sein.

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