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NBA Finals, Warriors vs. Celtics: "Ist das ein Klon?!" Warum Draymond Green selbst seine eigene Mutter zur Verzweiflung bringt

Draymond Green spielt bislang enttäuschende Finals.

Draymond Green ist in den bisherigen NBA Finals Licht und Schatten in Personalunion. Einerseits ist er defensiv und mit seiner Leidenschaft enorm wichtig für die Golden State Warriors, doch auf der anderen Seite des Courts ist er mehr Klotz am Bein. Woran liegt das?

Die NBA Finals sind nicht immer und nicht für jeden purer Genuss. Vor allem für die Personen aus dem direkten Umfeld der beiden Mannschaften - Coaching Staff, Teammitarbeiter, Familienangehörige - ist auch immer eine Portion Stress mit dabei. Wenn es dann auch noch nicht läuft, kann der Gemütszustand schnell in Verzweiflung umschlagen.

Dafür braucht es ein Ventil und zum Glück geht der Griff zum Smartphone und ein Klick auf die Twitter-App heutzutage in Sekundenschnelle. Noch während des 107:97-Erfolgs der Warriors in Spiel 4 der NBA Finals wählte Mary Babers-Green dieses Ventil. Natürlich zu einem Zeitpunkt, als der Sieg alles andere als in trockenen Tüchern war und vor allem der eigene Sohnemann Draymond fast wie ein Schatten seiner selbst schien.

"Bitte Leute, hört auf mich zu fragen, was mit Dray los ist ... ICH WEISS ES NICHT", schrieb die Mutter des Warriors-Stars, die selbst radikale Erklärungsansätze für dessen Leistung zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ausschließen konnte. "Vielleicht ist das ein Klon! Lmbo. WO IST der Draymond, der uns geholfen hat, bis zu diesem Punkt zu kommen!! Ich habe das selbst noch nie gesehen."

Wie man diesem Tweet sowie zahlreichen weiteren Reaktionen aus den Sozialen Netzwerken entnehmen kann, ist Mama Mary derzeit nicht die einzige, die sich Sorgen um Green macht. Teils wirkt der 32-Jährige in diesen NBA Finals nur noch wie ein Schatten früherer Tage, was Head Coach Steve Kerr bereits zu rigorosen Entscheidungen zwang.

Draymond Green: Der Klotz am Bein der Warriors-Offense

In gewisser Weise muss man in diesen Finals zwischen zwei Draymond Greens unterscheiden, dem Offensiv-Draymond und dem Defensiv-Draymond. Letzterer ist auch in seinem zehnten Jahr in der NBA ein hervorragender Verteidiger, quasi der Dirigent der Warriors-Defense. Kaum jemand kennt die Tendenzen der Gegner so gut wie er, kaum jemand liest die gegnerische Offense so gut.

Doch der Offensiv-Draymond ist in der Serie gegen Boston bislang mehr Klotz am Bein als positive Unterstützung für Stephen Curry und Co. Der große Scorer war er freilich nie, in nur vier seiner zehn NBA-Spielzeiten knackte er einen zweistelligen Punkteschnitt. Eine Dreierquote von knapp 39 Prozent in 2015/16 oder 32 Zähler (6/8 Dreier!!) im selben Jahr in den Finals blieben Ausreißer.

Seine größte Stärke im Angriff war immer schon sein Playmaking, insbesondere das Zusammenspiel mit Curry. Doch diese Stärke wird ihm in den Finals teils genommen, da er mittlerweile als Scorer gar keine Gefahr mehr ausstrahlt. Green sammelte in der Serie gegen Boston bislang mehr Fouls (18) als Punkte (17), nur 6 seiner 26 Wurfversuche landeten im Korb (23,1 Prozent), von Downtown war er in 9 Anläufen noch kein einziges Mal erfolgreich.

Die Celtics können es sich daher ungestraft erlauben, Green im Angriff komplett blank stehen zu lassen. Sie nehmen seinen Wurf nicht ernst, müssen sie auch nicht, und spielen stattdessen Fünf gegen Vier. Zuletzt übernahm Robert Williams III das Matchup gegen Green und kann so in seiner Rolle als Roamer die Warriors an anderer Stelle drangsalieren. Das macht es für Golden State gegen die ohnehin schon elitäre Celtics-Defense im Halbfeld nur noch schwerer.

Ein Beispiel aus dem dritten Viertel von Spiel 4: Williams III lässt Green an der Dreierlinie alleine, um zunächst beim Drive von Curry auszuhelfen. Auch als Green den Ball an der Dreierlinie behält, bleibt der Celtics-Big in Zonennähe, da er weiß: Draymond wirft nur sehr widerwillig. So kann er auch die nächste Attacke von Andrew Wiggins in die Painted Area unterbinden. Letztlich entschließt sich Green doch, den Dreier zu nehmen, aber der Wurf ist viel zu kurz.

NBA Finals: Golden State Warriors ziehen die Green-Reißleine

In Spiel 4 stand Green bei 1/7 aus dem Feld, die frenetischen Celtics-Fans feierten jeden seiner Wurfversuche wie den Gewinn der Larry O'Brien Trophy. Später passte er den Ball in bester Ben-Simmons-Manier selbst bei potenziellen Layups weiter. Im vierten Viertel zog Coach Kerr schließlich die Reißleine.

Siebeneinhalb Minuten vor dem Ende beorderte er seinen Big Man auf die Bank, der davon alles andere als begeistert war. Stattdessen vertraute Kerr seinem ehrlicherweise bislang bestem Big in den Finals Kevon Looney auf der Center-Position. Das machte sich bezahlt. Aus -4 bei der Green-Auswechslung wurde +3, als Draymond 3:41 Minuten vor Schluss wieder aufs Parkett kam.

Zunächst allerdings nur als Offense-Defense-Auswechslung für Jordan Poole, die Kerr mehrere Possessions lang durchzog, bevor Green die letzten drei Minuten fast durchspielte. Diese Entscheidung hätte Kerr auch um die Ohren fliegen können, Green stand dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen bei seiner Auswechslung kurz vor der Implosion, doch sie stellte sich als genau die richtige heraus.

Das musste auch Green selbst zugeben. "Ich habe ein paar Probleme in dieser Serie, das können wir alle sehen, vor allem in der Offense", sagte er in seinem Podcast direkt nach Spiel 4. "Aber ich wäre schockiert, wenn jemand nur wegen seines Resümees oder seines Vertrags wieder ins Spiel kommen würde, obwohl es mit anderen besser läuft. Das sind die Playoffs!"

Mit Looney und dessen Präsenz in Ringnähe sowie Poole lief es tatsächlich besser, und der Sieg heilte am Ende alle persönlichen Wunden. "Man kann jeden aufs Feld werfen - solange wir gewinnen, ist mir das egal", so Green. So läuft es bei den Warriors nun mal, das Individuum muss sich dem großen Ganzen unterordnen. Selbst ein Stephen Curry akzeptierte zu Beginn der Postseason seine Bankrolle gegen Denver ohne Grummeln.

NBA Finals: Draymond Green immer noch der Warriors-Anker

Außerdem schaffte es Green, seinen Frust in positive Energie umzuwandeln: "War ich angepisst und frustriert, dass sich Steve für ein paar Minuten gegen mich entschieden hat? Absolut. Aber meine Teamkollegen verdienen ein Lob, vor allem Juan Toscano-Anderson war den ganzen Abend über und auch im vierten Viertel in meinem Ohr. Das war wichtig. Denn dank ihrer positiven Energie konnte ich eine Antwort auf dem Court liefern."

Die Motivationsrede der Teamkollegen resultierte tatsächlich in einigen wichtigen Aktionen nach seiner Rückkehr aufs Parkett. Defensiv natürlich sowieso, aber auch in der Offense, als Boston Curry doppelte und Green im Anschluss Looney für einen Layup bediente. Genau so kann Green ein Plusfaktor sein, auch offensiv. Auch in Spiel 4 blitzte das mit guten Screens, starkem Passing und letztlich 8 Assists auf. Sein weiterer Einfluss verdeutlichte sich mit 9 Rebounds (5 am offensiven Brett) sowie 4 Steals.

"Seine Energie wird immer bei 100 Prozent sein und er wird defensiv einen Einfluss haben: Gegner an die Kette nehmen, Plays machen. Und er coacht unsere Jungs auf dem Court. Er ist immer noch unser Anker", lobte Wiggins trotz der aktuellen Schwächephase seines Kollegen. Diese führt Kerr auch auf das Matchup mit den "langen und athletischen" Celtics zurück, was die Serie nicht einfach für Green mache.

Aber auch der Head Coach betonte die anderen Wege, wie Green auch ohne Scoring das Spiel der Warriors beeinflussen kann. Eine extreme Bedeutung kommt dabei seiner Energie und Intensität zu. Die war beispielsweise beim Sieg in Spiel 2 mit ausschlaggebend, fehlte in Spiel 3 aber weitestgehend. Während die US-Medien eine übertriebene Diskussion führten, ob Greens Podcast ihn womöglich vom Wesentlichen ablenke, sprach Green in eben jenem Medium von seinem "vielleicht schlechtesten" Spiel seiner Laufbahn.

NBA Finals - Celtics vs. Warriors: Die Serie im Überblick (2-2)

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
13. Juni3 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics108:120
26. Juni2 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics107:88
39. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors116:100
411. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors97:107
514. Juni3 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics-
617. Juni3 UhrBoston CelticsGolden State Warriors-
7*20. Juni2 UhrGolden State WarriorsBoston Celtics-

*falls nötig

NBA Finals: Golden State Warriors brauchen Greens Emotionen

Zumindest sein Energielevel war in Spiel 4 wieder höher. "Er ist der ultimative Gewinner", sagte Kerr, bevor er die Erfolge seines Schützlings am College und in der NBA aufzählte. "Der Typ gewinnt überall. Ein Grund dafür sind seine Emotionen, seine Leidenschaft." Auch wenn diese Mal überkochen wie bei seiner Auswechslung, würde Kerr sie niemals gegen irgendetwas eintauschen wollen. "Wir brauchen diese Emotionen, diese Energie."

Es wird spannend sein, ob Kerr dennoch auch im anstehenden Spiel 5 in der Nacht auf Dienstag (ab 3 Uhr live auf DAZN) in vereinzelten Phasen erneut auf Green verzichtet, um der Offense einen Schub zu geben. "Für Dray geht es hauptsächlich darum, was er defensiv macht, und dass er aufs Tempo drückt", so Kerr. Doch er darf im Halbfeld eben auch nicht komplett verschwinden.

Green selbst ist zuversichtlich, dass sein Wurf zurückkommen wird. Er vertraue in seine Fähigkeiten, seine Versuche zu treffen. In Spiel 4 stand er beispielsweise bei 1/4 in der Zone, das kann auch Draymond besser. Sofern der wahrhaftige Green in Spiel 5 erscheint und nicht doch eine Klon-Version.

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