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NBA - Der James Bond der NBA? Der irre Aufstieg von Spurs-Coach Gregg Popovich vom Fast-Spion zur Legende

Gregg Popovich und Tim Duncan prägten die Spurs-Dynastie der 2000er-Jahre.
© getty

Gregg Popovich: Vom Fast-Spion zur NBA-Legende

Zunächst endete seine Laufbahn als Aktiver. Popovich wurde zwar in die Vorbereitung von Team USA auf die Olympischen Spiele 1972 eingeladen, schaffte es aber nicht in den Kader. Nach seiner Rückkehr in die USA spielte der Guard für die Denver Nuggets in der ABA vor, Coach Larry Brown schmiss ihn allerdings aus dem Team.

Also hing Popovich die Sneaker an den Nagel und orientierte sich stattdessen Richtung Seitenlinie um. Zunächst kehrte er als Assistant Coach an die Air Force Academy zurück, nach sechs Jahren zog er weiter. Die Pomona-Pitzer Sagehens suchten einen neuen Head Coach. Zwei Colleges mit insgesamt etwa 1.400 Studenten, die ihr Athletikprogramm zusammengelegt hatten. College Basketball Division III, quasi die dritte Liga.

Popovich, seine Frau Erin, die 2018 nach langer Krankheit verstarb, und seine zwei Kinder zogen auf das Uni-Gelände in Claremont, östlich von Los Angeles. Er arbeitete zusätzlich als Lehrbeauftragter, engagierte sich in verschiedenen Uni-Komitees und genoss das Leben auf dem Campus in vollen Zügen: "Ich war begeistert von der Brillanz auf diesem Campus."

Gregg Popovich: Der Spion, der mich coachte

Zumindest in akademischer Hinsicht. Brillanz auf dem Basketball-Court vermisste Coach Pop aber komplett. In seiner ersten Saison 1979/80 verlor das Team 22 der 24 Spiele, selbst gegen Caltech, das zuvor 99 (neunundneunzig!) Partien in Folge verloren hatte, gingen Popovich und seine Jungs als Verlierer vom Parkett.

Caltech sollte zwischen 1971 und 2011 ganze zwei Conference-Spiele gewinnen, eins davon gegen Popovich. Beim zweiten Sieg im Februar 2011 schickte er eine Flasche Wein an den dortigen Coach mit einer Karte: "Glückwunsch an Sie und die Spieler dafür, dass sie echten Sportsgeist zeigen. Ich bin begeistert und als ehemaliger Verlierer gegen Caltech wünsche ich Euch viele weitere Siege."

Schon damals ist Popovich ein etwas "anderer" Coach. In einer Partie lässt er einen seiner Spieler und dessen Verteidiger an der Mittellinie stehen, damit der Rest des Teams Vier gegen Vier spielen kann und mehr Platz hat, wie Grantland Jahre später berichtete. Aufgrund der Freiwurfschwäche mussten seine Spieler einmal im Training für jeden vergebenen Freebie ein Kleidungsstück ausziehen. Es half alles nichts.

In der Folge stürzte sich Popovich ins Recruiting, baute nach und nach ein respektables Team auf, bis er 1986 die Sagehens zur Conference Championship führte - ihr erster Titel seit 68 Jahren! Im Anschluss legte Popovich ein Sabbatjahr ein und absolvierte ein Praktikum bei einem alten Bekannten: Coach Brown, der mittlerweile die Kansas University trainierte.

Gregg Popovich: Ein Ring ist nicht genug

Eine Saison lang lernte er vom späteren Hall of Famer, dank ihm bekam Popovich Ende der 1980er Jahre seinen Fuß in die Spurs-Tür. Brown wurde Chef an der Seitenlinie in Texas, Popovich sein Assistant. Nach vier Jahren war das Kapitel allerdings beendet, als Teambesitzer Red McCombs den kompletten Staff rauschmiss.

Keine zwei Jahre später, 1994, hatte in Person von Peter Holt ein neuer Owner die Zügel in der Hand, der Popovich zurückholte, allerdings als General Manager. GM Pop leitete das Front Office für zwei Jahre, trennte sich nach einem 3-15-Start in die Saison 1996/97 von seinem Head Coach Bob Hill und nahm trotz Kritik aus dem Fanlager selbst das Heft in die Hand.

Zunächst lief es ähnlich wie bei seinem Head-Coaching-Start bei Pomona-Pitzer: nämlich mäßig. Kurz nachdem Popovich übernommen hatte, erlitt der Admiral David Robinson einen Fußbruch - Saisonaus.

Das Resultat: 62 von 82 Partien gingen in Pops Premierensaison verloren. Als Trostpflaster gab es den Nr.1-Pick im Draft 1997, San Antonio schnappte sich einen gewissen Tim Duncan. Der Rest ist Geschichte: Twin Towers, Championships, eine ganze Dynastie.

NBA - Gregg Popovich: Leben und spielen lassen

Mit Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker prägten die Spurs eine Ära, die beiden Letztgenannten stammten aus jenem internationalen Scouting, das Popovich und R.C. Buford, General Manager seit 2002, etabliert hatten. Buford war einst gemeinsam mit Pop ein Assistant Coach von Larry Brown und später als Head Scout aktiv.

Mittlerweile ist Popovich der am längsten amtierende Head Coach in allen vier großen US-Sportligen, er gewann dreimal den Award als Coach of the Year, in seinen ersten 22 Spielzeiten führte er die Texaner zu einer positiven Bilanz. Die hält er auch gegen jedes einzelne NBA-Team. Er hat fünf Championship-Ringe und eine Olympische Goldmedaille im Trophäenschrank. Seit Mitte März ist er der Head Coach mit den meisten Siegen in der NBA-Historie, 1.338 Erfolge in der regulären Saison sind es mittlerweile, hinzu kommen 170 Playoff-Siege.

Dabei ist sich Popovich bewusst, dass es auf der Welt mehr gibt als Basketball und vermittelt dies auch seinen Schützlingen. Er geht auf die Vorschläge und Wünsche seiner Spieler ein, nimmt sie aber auch hart ran, ohne zwischen Superstar oder Rollenspieler zu unterscheiden. Seine manchmal sicherlich übertrieben temperamentvolle Seite schiebt er selbst gerne auf den "Serben in mir".

Feinde hat ihm das in seinen fast 26 Jahren als Spurs-Coach keine eingebracht, im Gegenteil. "Pop hat sich immer um mich gekümmert, ob ich es gemerkt habe oder nicht", sagte Duncan einmal gegenüber SI. "Pop war ein Mentor für mich, eine Vaterfigur. Ich weiß, das ist unglaublich selten. Und ich weiß, dass ich glücklich sein kann, dass es so ist."

Gregg Popovich: Trump-Kritiker, Pinguin-Freund, Fast-Spion

Popovich selbst stellt sein Licht gerne mal unter den Scheffel, wie zuletzt im November 2021, als er auf sein Erfolgsgeheimnis angesprochen wurde: "Tim Duncan draften. Und dann am Leben bleiben." Im selben SI-Artikel wird Popovich von Wegbegleitern als klug, lustig, mitfühlend und "sogar herzlich" beschrieben.

"Wir sind sehr diszipliniert in dem, was wir tun", beschrieb Coach Pop 2013 in SI seine Arbeit. "Aber das reicht nicht. Es geht nur um die Beziehungen mit deinen Mitmenschen. Du musst den Spielern klarmachen, dass du sie gern hast. Sie müssen sich gegenseitig gern haben und an dem jeweils anderen interessiert sein. Dann beginnen sie eine Verantwortung füreinander zu spüren. Und dann wollen sie alles füreinander geben."

Popovich macht viel mehr als nur die sportliche Komponente aus. Er ist auch der Coach Pop, der sich mit dem ehemaligen Commissioner David Stern anlegte, weil er seine Spieler in der regulären Saison schonte, egal ob die Partie im nationalen Fernsehen übertragen wurde oder nicht. Der in einem Team-Meeting Dokus über Pinguine zeigt, um der Mannschaft eine Lektion über Teamarbeit zu erteilen.

Er ist nicht nur Weinkenner, in den vergangenen Jahren war er auch oberster Trump-Kritiker der Association. Er ist nicht nur ein stoischer, manchmal grantiger Interview-Partner, er ist auch ein Unterstützer der Bewegungen für mehr soziale Gerechtigkeit oder der Gleichstellung der Geschlechter. Er ist ein Fast-Spion, ein Sideline-Schreck, ein Twitter-Hasser. Eben der interessanteste Mann der NBA - und einer der besten Coaches in der Geschichte der Liga.

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