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NBA Finals - Für eine Handvoll Dollar verschenkt: Warum sich Torrey Craig mit den Suns an den Bucks rächen will

Die Suns schnappten sich Torrey Craig per Trade von den Bucks - einziger Gegenwert? "Cash Considerations".

Kurz vor der Trade Deadline im März verscherbelten die Bucks Torrey Craig für einen läppischen Gegenwert. Nun steht er Milwaukee im Suns-Trikot in den Finals gegenüber. Wie sich der Forward vom MVP der neuseeländischen Liga in die NBA kämpfte - und warum die Bucks ausgerechnet ihn jetzt vermissen.

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Das Schicksal von Anderson Varejao will Torrey Craig mit allen Mitteln vermeiden. Dessen Vitrine ziert ein Championship-Ring, mit dem allerdings ein kleiner, nicht ganz unwichtiger Makel verknüpft ist: Der Brasilianer hat faktisch gesehen nie einen Titel in der NBA gewonnen.

Tatsächlich könnte Varejao sogar zwei Championship-Ringe sein Eigen nennen, ohne jemals die Larry O'Brien Trophy in die Höhe gestreckt zu haben. 2016 boten die Cleveland Cavaliers ihrem langjährigen Big das Erinnerungsschmuckstück an, nachdem LeBron James und Co. in den Finals die Golden State Warriors besiegt hatten. Das Team, zu dem Varejao wenige Monate zuvor gewechselt war, nachdem die Cavs ihn getradet und die Portland Trail Blazes ihn anschließend entlassen hatten.

Der sportlich Unterlegene lehnte das Angebot dankend ab, ein Jahr später präsentierte sich eine neue Situation. Dieses Mal waren es die Dubs, die die Championship holten, Varejao war aber wieder nicht Teil des Siegerteams, Golden State hatte ihn im Februar 2017 entlassen. Als die Dubs jedoch an den heute 38-Jährigen herantraten und ihm den Ring anboten, akzeptierte er die Geste.

Wie sich Craig entscheiden wird, sollten die Bucks die diesjährigen Finals gewinnen, ist bisher nicht bekannt. In der Theorie hat er seinen Championship-Ring aber schon jetzt sicher. Entweder mit den Suns, für die er aktuell aufläuft, oder eben mit den Bucks, für die er in der regulären Saison immerhin 18-mal auf dem Court stand.

Torrey Craig: Im Draft verschmäht, MVP in Neuseeland

Aktuell will Craig von diesem Gedankenspiel nichts wissen. "Ich versuche, mit DIESEM Team einen Ring zu gewinnen. Das ist mein alleiniger Fokus", betonte der Suns-Forward vor dem Start der Finals. Die Chancen dazu stehen Stand jetzt nicht schlecht. Phoenix liegt mit 2-1 in Front, in Spiel 4 in der Nacht auf Donnerstag (ab 3 Uhr live auf DAZN) könnten sich die Gäste einen ersten Matchball erspielen.

Auch Craig hat daran einen gewissen Anteil, auch wenn er sich seinen Platz in der NBA in den vergangenen knapp zehn Jahren erst hart erarbeiten musste. Nach vier Jahren an der weitestgehend unbekannten University of South Carolina Upstate spielte er im NBA Draft 2014 keine Rolle. Stattdessen wählte er den Weg nach Übersee - das machte sich bezahlt.

In Neuseeland arbeitete er sich bei verschiedenen Stationen von einem Bankspieler zum MVP der New Zealand Basketball League. Er sahnte den Award als bester Verteidiger ab, holte den Titel und machte mit drei Jahren Verzögerung doch noch die NBA auf sich aufmerksam. Erst in der Summer League, dann in der G-League auf einem Two-Way-Vertrag empfahl er sich bei den Denver Nuggets für höhere Aufgaben.

Letztlich etablierte er sich in drei Jahren in der Mile High City als wichtiger Rollenspieler, bevor er in der Offseason 2020 bei den Bucks unterschrieb. Dort kam der steile Aufstieg des ehemals nicht gedrafteten Forwards etwas ins Stottern.

NBA: Die Karrierestatistiken von Torrey Craig

TeamSaisonsSpiele / MinutenPunkteRenoundsFG%3FG%
Nuggets3172 / 18,65,33,445,132,0
Bucks118 / 11,22,52,439,136,4
Suns132 / 18,87,24,850,336,9

Torrey Craig: Von den Bucks verscherbelt für 110.000 Dollar

Zunächst war es eine gebrochene Nase, die ihn im ersten Saisonmonat ausbremste, anschließend war er "nicht in der Lage, mit den Bucks in einen Groove zu kommen", wie Craig selbst verriet. Im Team von Mike Budenholzer fand er nie seinen Platz, nachdem seine Minuten immer weiter in den Keller gingen, kassierte er DNP-CDs am Fließband.

Kurz vor der Trade Deadline war dieses Kapitel seiner Karriere auch schon wieder vorbei, nach nicht mal vier Monaten. Milwaukee verscherbelte den Forward, nachdem die Bucks sich P.J. Tucker von den Houston Rockets geangelt hatten.

Dafür gaben sie sich sogar mit einem läppischen Gegenwert zufrieden: Aus Phoenix kamen "Cash Considerations" anstatt Spieler oder wenigstens eines Zweitrundenpicks. Letztlich überwiesen die Suns gerade einmal 110.000 Dollar.

"Wir haben ihn schon in Denver gemocht, besser gesagt wir haben es gehasst, gegen ihn spielen zu müssen", sagte Coach Monty Williams kurz nach dem Finalisieren des Deals. Phoenix hatte Berichten zufolge bereits in der Offseason Interesse an Craig. Der Grund: "Er ist ein sehr guter Verteidiger und definitiv ein harter Typ."

Torrey Craig in den Finals: Deshalb vermissen die Bucks ihn

Seit seinem Trade zu den Suns hat der Forward alle Spiele bestritten, auch in den Playoffs. Als vierter Flügel hinter den beiden Startern Mikal Bridges und Jae Crowder sowie Cameron Johnson kam er im Schnitt auf 12,6 Minuten Einsatzzeit, in denen er den Freiraum, den er an der Seite von Chris Paul und Devin Booker von den Defenses bekommt, mit einer Dreierquote von 41,2 Prozent nutzte.

Viel wichtiger ist aber seine Defense. Der 2,01 Meter große und 100 Kilo schwere Forward hat den Körper und die Athletik, um vier Positionen zu verteidigen - und die Einstellung, um sich am eigenen Ende des Courts aufzuopfern.

Das zeigte nicht zuletzt sein gezogenes Offensiv-Foul in Spiel 2 der Finals, als er von einem Giannis Antetokounmpo im Vollsprint nach hinten geschleudert wurde und sich dabei eine Verletzung zuzog. Trotz des lädierten Knies stand er aber auch im nächsten Spiel wieder auf dem Court, meistens übernimmt er in seinen Minuten den besten gegnerischen Flügel, also in den Finals auch Giannis oder Khris Middleton.

"Er spielt mit einer unglaublichen Wucht, mit sehr viel Energie und dann trifft er auch noch seine Würfe. Das ist ein wichtiger Teil für uns", lobte Williams. Ironischerweise vermissen die Bucks in diesen Finals einen zusätzlichen Rollenspieler mit solchen Fähigkeiten. Auf dem Flügel ist Milwaukee nach der Verletzung von Donte DiVincenzo nicht üppig besetzt, für das Small-Ball-Lineup wäre Craig eine gute Ergänzung.

Torrey Craigs Insiderwissen "von unschätzbarem Wert"

Im modernen Basketball ist es eigentlich nie schlecht, mehrere große, athletische Flügelspieler in der Hinterhand zu haben, die in erster Linie verteidigen und werfen können. Bei den Bucks hat es für Craig nicht geklappt, stattdessen hilft er nun dem Gegner.

Und das neben dem sportlichen Aspekt auch in anderer Hinsicht. "Er ist ein wichtiger Teil unserer Vorbereitung und wie wir die Scouting Reports angegangen sind, denn er kennt nun mal Milwaukee", verriet Coach Williams. "Es ist von unschätzbarem Wert, dass er über gewisse Aspekte ihres Programms berichten kann."

Varejao und den Warriors hat dieser Aspekt in den Finals wenig geholfen, LeBron führte die Cavs trotz 1-3-Rückstand noch zum Titel. Besser lief es dagegen im vergangenen Jahr für Dion Waiters. Auch er hatte als ehemaliger Heat- und dann Lakers-Akteur seinen Ring in den Finals 2020 quasi schon sicher.

Die Lakers gewannen den Titel, Waiters seinen Ring, auch wenn er in den Playoffs kaum Einsatzzeiten sah. Craig kann dagegen aktiv helfen, dem Schicksal von Varejao zu entgehen.

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