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NBA - Kommentar zum neuen Mavs-Coach Jason Kidd: Ein fatales Zeichen

Jason Kidd wird neuer Head Coach der Dallas Mavericks.
© getty

Jason Kidd wird der neue Head Coach der Dallas Mavericks! Es ist eine merkwürdige Wahl der Texaner, die daran zweifeln lässt, ob sich innerhalb der Organisation in den vergangenen Jahren wirklich etwas geändert hat. Ein Kommentar.

Der Druck in Dallas steigt, das kommende Jahr wird richtungsweisend für die ambitionierte Franchise. Durch den anstehenden Maximalvertrag von Luka Doncic, der zwar noch nicht in trockenen Tüchern ist, aber aller Voraussicht nach 2022 beginnen wird, bieten die nächsten Monate die letzte große Chance, das Team nennenswert zu verbessern. Nach dem Rücktritt des langjährigen Head Coach Rick Carlisle wurde mit Kidd die erste Lücke geschlossen, eine gute Wahl ist der Hall of Famer aber nicht.

Kidd ist damit bereits zum dritten Mal in Dallas angestellt. Die Mavericks drafteten den Point Guard 1994, tradeten ihn dann aber bereits zweieinhalb Jahre später im Streit nach Phoenix. 2008 kehrte zurück, gewann mit Dallas an der Seite von Dirk Nowitzki einen Titel und verließ 2012 das Team erneut - diesmal gen New York, obwohl er angeblich bereits einer Verlängerung zugestimmt hatte.

Mit Kidd gab es immer Reibungen, auch mit Coach Carlisle, der sich überraschenderweise für seinen früheren Point Guard starkmachte, nachdem es über die Jahre zwischen den beiden häufiger gekracht hatte. Die Lösung erscheint wenig kreativ, Mark Cuban und Dirk Nowitzki kennen Kidd bestens, andere Namen wurden mit Ausnahme von Jamahl Mosley kaum gehandelt.

Das verwundert, schließlich waren mit Mike D'Antoni, Chauncey Billups, Ex-Carlisle-Assistant Terry Stotts oder anderen Top-Assistants jede Menge qualifizierte Leute auf dem Markt, um nur ein paar zu nennen.

Jason Kidd: Bisher kaum Erfolg als Head Coach

Kidd blickt vor seinem zweijährigen Engagement als Assistant bei den Lakers zwar auf knapp fünf Saisons als Head Coach zurück, wirklich überzeugend war er dabei aber nicht. In seinem Rookie-Jahr führte der 48-Jährige die Brooklyn Nets mit Kevin Garnett, Paul Pierce, Deron Williams und Brook Lopez in die zweite Playoff-Runde, um dann aber einen Wechsel nach Milwaukee zu forcieren, weil er in New York keine erweiterten Kompetenzen bekam.

In Milwaukee war Kidds größte Leistung, dass er Giannis Antetokounmpo die Schlüssel überreichte, den Griechen einfach machen ließ und damit seinen Beitrag leistete, dass aus dem rohen Forward ein zweifacher MVP wurde. Die Kehrseite der Medaille war hingegen Kidds Systemtreue: Die Bucks spielten über Jahre den gleichen Stil in der Defense mit aggressivem Trapping und wurden dafür bitter bestraft. Die Strategie hatte sich abgenutzt, und aus Bucks-Kreisen war zu hören, dass Kidd sich schnell abgenutzt hatte und die Spieler nicht mehr erreichte.

Unter Kidd standen die Bucks 2017/18 auf Platz 26 in der Verteidigung, mit Mike Budenholzer war Milwaukee immer unter den Top-5 zu verorten. Star-Spieler wie LeBron James machten sich zwar immer wieder für Kidd stark, aber bislang gibt es kaum Beweise dafür, dass Kidd ein guter Coach ist. Mit den Bucks erreichte er zweimal die Playoffs, jeweils war in Runde eins Schluss, einmal wurde die Postseason komplett verpasst.

Jason Kidd: Seine Stationen als Coach in der NBA

ZeitraumTeamBilanzAnmerkung
2013-2014Brooklyn Nets44-38
2014-2018Milwaukee Bucks139-152
2019-2021Los Angeles Lakers-Assistant Coach

Jason Kidd bei den Mavs: Ein enormes Risiko

Es ist sportlich ein enormes Risiko, das die Mavs eingehen. Die Spieler der Mavs, insbesondere Doncic, favorisierten wohl Mosley, Kidd spricht immerhin die Sprache der Spieler. Gerade für Doncic ist das wichtig, einem Hall of Famer wie Kidd sollte jeder zuhören - auch Doncic.

Das sportliche Risiko kann man wohl eingehen, schwieriger wird es, wenn man Kidds Lebenslauf abseits des Courts in die Betrachtung einbezieht.

Es ist keine drei Jahre her, dass die Mavericks als Organisation nach einer Reportage von Sports Illustrated im Kreuzfeuer der Kritik standen. Ihm wurde Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatzund das Teilen von pornografischen Bildern nachgewiesen, zwei Jahre später gab es weitere Vorwürfe des sexuellen Übergriffs gegen Personal-Direktor Tony Ronzone, was jedoch noch nicht geklärt wurde.

Und Kidd? Der wurde 2001 wegen häuslicher Gewalt gegenüber seiner damaligen Frau verurteilt, später warf ihm seine Ex-Frau vor, dass der damalige Nets-Guard ihr darüber hinaus eine Rippe gebrochen und ihren Kopf auf die Ablage des Autos geknallt habe, wobei ihr Hörvermögen in Mitleidenschaft gezogen worden sei. 2012 wurde Kidd wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen, der Guard hatte sein Auto gegen einen Pfeiler gelenkt und war in die Büsche gekracht.

Das sind natürlich keine sportlichen Aspekte, doch sollten sie nachdenklich machen. Cuban hatte 2018 noch von einer Null-Toleranz-Politik gesprochen, ein emotionales Interview mit Rachel Nichols (ESPN) über seine Verfehlungen dieser Zeit gegeben. Nun wird ein erwiesenermaßen zweifelhafter Charakter der neue Coach der Mavs, der nicht einmal als Fachmann über jeden Zweifel erhaben ist.

Die Mavs können sich keine Fehler mehr erlauben, die Uhr tickt bereits jetzt. Noch einmal mehr, da man sich mit Kidd eine tickende Zeitbombe an die Seitenlinie geholt hat.

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