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NBA - Jimmy Butler als MVP-Kandidat? Wie der Heat-Superstar Miamis Saison fast im Alleingang rettete

Jimmy Butler verzichtete angeblich freiwillig auf das All-Star Game.

Noch vor einigen Wochen musste man sich echte Sorgen um die Miami Heat machen. Diese sind verflogen, weil Jimmy Butler seit seiner Rückkehr aus dem Corona-Protokoll eine Spielzeit auf MVP-Niveau hinlegt.

Es ist keine 20 Spiele her, da verweilten die Miami Heat im Keller der Eastern Conference, genauer gesagt auf Platz 13. Die lange Vorsaison mit dem Einzug in die Finals hatte Spuren hinterlassen, dazu kam ein Corona-Ausbruch im Team, von welchem auch die beiden Star-Spieler Jimmy Butler und Bam Adebayo betroffen waren.

Dass Miami so schlecht startete, hatte Gründe und viele waren sich sicher, dass die Heat den Bock früher oder später umstoßen würden. Nun, nach elf Siegen aus den vergangenen zwölf Spielen kann festgehalten werden, dass der Bock tatsächlich nicht mehr stet. Platz 13 war einmal, stattdessen ist das Team von Erik Spoelstra inzwischen mit einer Bilanz von 22-18 Verfolger Nummer eins des enteilten Ost-Trios aus Philadelphia, Brooklyn und Milwaukee.

Der Aufschwung ist insbesondere an einer Person festzumachen, nämlich Jimmy Butler III. Am 30. Januar kehrte der Forward ins Team zurück, seitdem legt der Star der Mannschaft im Schnitt 23,5 Punkte, 8,2 Rebounds, 8,8 Assists und 2,2 Steals auf. In der letzten Kategorie führt Butler die NBA sogar an und unterstreicht somit seinen Status als einer der besten Two-Way-Player der Liga.

Jimmy Butler: Kein Interesse am All-Star Game

Umso überraschender war es, dass Butler und auch Adebayo nicht einmal als Reservisten von den Coaches ins All-Star Game gewählt wurden, auch dann nicht, als mit Kevin Durant einer der Starter absagen musste. Stattdessen durfte Domantas Sabonis nach Atlanta reisen, Gerüchten zufolge, weil Butler, die erste Alternative, wohl absagte.

"Die Liga wollte Jimmy zum All-Star machen, aber er wollte nicht hinfahren, solange nicht auch Bam ausgewählt werden würde", verriet der in Miami gut vernetzte Ethan Skolnick (5ReasonsSports) in seinem Podcast.

Ganz so abwegig ist das nicht, da Butler nach der Verkündung der All-Stars Folgendes zu sagen hatte: "Das ist okay für mich, ich werde nicht betteln, nur damit ich zum All-Star Game fahren darf. Ich hätte mir gewünscht, dass sie Bam genommen hätten, aber was mich angeht, ist das alles kein Problem."

Dem Event selbst schenkte Butler noch nie viel Aufmerksamkeit. 2018 saß er auf der Bank, ohne eingesetzt zu werden. Was für den 31-Jährigen zählt, sind Siege und Teamerfolg - so platt das auch klingen mag. Dieser späte Steal gegen Orlando mit dem entscheidenden Korbleger im Anschluss ist nur eines von zahlreichen Beispielen, die dies unterfüttern.

Jimmy Butler: Winning Player

Butler findet in jedem Spiel Wege, um seinem Team zu helfen, zeigt die Eigenschaften des oftmals zitierten "Winning Players". Mal legt er einen heißen Spieler an die Kette, zum Beispiel Terrence Ross von den Magic, der 31 Punkte erzielte, aber gegen Butler im vierten Viertel 0/4 warf. Mal initiiert Butler die komplette Offense, was aufgrund des bisher enttäuschenden Angriffs häufig notwendig war.

Die Zahlen unterstreichen das. Seit Beginn des Monats Februar erzielen die Heat mit Butler 8,7 Punkte mehr pro 100 Ballbesitze. Wenn Butler pausiert, kassiert Miami dagegen 8 Zähler mehr als der Gegner: Eine Differenz von 16,7 Punkten, was den Bestwert für diesen Zeitraum unter allen Stars darstellt. Laut Cleaning the Glass beträgt die Differenz bei Butler ohne Garbage Time über die komplette Saison elitäre +12,8.

So verwundert es nicht, dass Miami seit Butlers Rückkehr in der Crunchtime die meisten Siege (11) eingefahren hat und nur 93,3 Punkte pro 100 Possessions zulässt. Die meisten dieser elf Erfolge gehen dabei auf die Kappe von Butler, zum Beispiel in einem engen Spiel gegen Toronto, als der Forward mit 14 Punkten, 2 Dreiern und 2 Assists in den letzten acht Minuten die Entscheidung herbeiführte.

Tabelle: On/Off-Statistiken der MVP-Kandidaten

SpielerMinutenOn/Off-Differenz
LeBron James1.305+16,2
Joel Embiid1.009+15,9
Nikola Jokic1.386+4,2
James Harden (nur Nets)995-0,7
Damian Lillard1.329+7,6
Giannis Antetokounmpo1.285+16,8
Jimmy Butler822+12,8

Jimmy Butler überdeckt Schwächen der Miami Heat

"So wie Jimmy heute gespielt hat, war das die Quintessenz, wie man Basketballspiele gewinnt", frohlockte Spoelstra im Anschluss. "Wir sehen meistens gut aus, wenn ein großartiger Spieler solche Plays macht."

Und sie sind notwendig, da die Heat nicht das Team sind, welches in der Bubble für Fürore sorgte. Jae Crowder konnte nicht ersetzt werden, weil Moe Harkless bisher komplett enttäuschte und Avery Bradley fast immer verletzt ist. Nicht ohne Grund sollen die Heat mit OKC wegen Trevor Ariza Gespräche führen.

Dazu ist Tyler Herro nach seinem kometenhaften Bubble-Aufstieg wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, auch auf Duncan Robinson haben sich die Gegner besser eingestellt, der inzwischen "nur" noch 39 Prozent seiner Dreier trifft. Rückläufig ist auch die Produktion von Goran Dragic, dem die Spritzigkeit noch immer abgeht.

In Summe bleibt dann viel an Butler hängen, der das Team in MVP-Manier auf seinen Rücken genommen und damit auch den Turnaround geschafft hat. Gewisse Probleme sind dennoch nicht von der Hand zu weisen, vor allem offensiv. Die Heat nehmen die mit Abstand wenigsten Würfe der Liga, was sie teilweise durch viele Freiwürfe (Butler!) kompensieren können.

Jimmy Butler: Warum nicht auch NBA-MVP?

Ansonsten ist es schwer, mit einer Mischung aus einer Turnover-Rate von über 15 Prozent und sehr wenigen Offensiv-Rebounds bei einer langsamen Pace eine gute Offense zu stellen (derzeit nur Platz 22). So ist es vornehmlich Butler, der mit Drives kreieren muss, wobei der 31-Jährige nicht über Schnelligkeit, sondern über seine Power kommt, was natürlich Kraft kostet.

Womöglich zu viel? Miami spielte bisher erstaunlich viele enge Spiele, auch gegen auf dem Papier schwächere Teams. Das gilt auch für die aktuelle Serie. Lediglich die Erfolge bei den Lakers und gegen Utah waren gegen Teams mit positiver Bilanz. Das ist natürlich nicht die Schuld des Teams und in der NBA müssen Pflichtaufgaben auch erst einmal erledigt werden.

Miami hat dies getan - dank Jimmy Butler. Es ist nicht völlig abwegig, ihn in die MVP-Diskussion zu werfen, wenn er so weitermacht. Klar ist aber auch, dass die Heat zumindest Heimvorteil in der ersten Runde haben müssen, um Butler eine echte Chance zu geben; zu gut ist der Rest der Kandidaten wie Joel Embiid, LeBron James, Nikola Jokic, Giannis Antetokounmpo, Damian Lillard oder auch James Harden.

Butler wird es egal sein, solange sein Team nicht länger im Keller der Eastern Conference herumkrebst. In seiner zehnten NBA-Saison kennt er nur eine Währung: Siege - was auch immer dafür nötig ist.

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