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NBA - Victor Oladipo nach dem Trade zu den Houston Rockets: Eine "Beerdigung" und der dritte Neuanfang

Im Zuge des Harden-Trades wechselte Victor Oladipo zu den Houston Rockets, die wenig später sechs Siege in Folge feierten.

Nach dem Blockbuster-Trade um James Harden hat Victor Oladipo bei den Houston Rockets eine neue Heimat gefunden. In der Offseason hat er seine Verletzungssorgen beerdigt, in Texas blitzt seine alte All-NBA-Form immer mal wieder auf. Doch reicht das, um die Verantwortlichen von einer langfristigen Zukunft bei den Rockets zu überzeugen?

"Wenn ich mir meine gesamte Karriere anschaue, habe ich das Gefühl, dass die Leute mich ständig aufgeben." Die Worte von Victor Oladipo Ende Januar enthielten eine Spur Verbitterung gepaart mit einem Sack voll Motivation: Er werde es diesen Leuten, die ihn in acht Jahren in der Association dreimal getradet haben, schon zeigen.

Erst gut zwei Wochen vor dieser Aussage musste der 28-jährige Ex-Pacer in Indiana seine Sachen packen. Ob die Franchise den Guard wirklich aufgab oder ob nicht eher Oladipo selbst einen Trade forcierte, ist nicht ganz klar. Schließlich waren die Pacers angeblich an einer Vertragsverlängerung interessiert, die Verhandlungen scheiterten jedoch an unterschiedlichen Gehaltsvorstellungen. Die Kluft zwischen den beiden Parteien war so eklatant, dass Oladipo vergangene Saison angeblich gegnerische Spieler gefragt haben soll, ob er nicht mit ihnen spielen könne - vor den Augen und Ohren seiner Teamkollegen.

Die Wahrheit, wer wen aufgegeben hat, liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Fakt ist aber, dass Oladipo in all den Jahren und seinen Trades von zunächst den Orlando Magic, dann den Oklahoma City Thunder und nun eben den Pacers eine "Die Welt ist gegen mich"-Mentalität entwickelte, diese stets als Ansporn nutzte. Und mit dieser Mentalität passt er perfekt in seine neue Umgebung.

"Jeder hat etwas zu beweisen", erklärte John Wall die vorherrschende Denke in der Rockets-Kabine, die zuletzt mit sechs Siegen in Folge für Furore sorgten. Da wäre zum einen Christian Wood, der in seiner Profikarriere bereits fünfmal entlassen wurde und sich nun in die All-Star-Diskussion aufschwingt. Oder Wall selbst, dessen Leistungsfähigkeit nach langer Verletzungspause angezweifelt wurde. Gleiches gilt für DeMarcus Cousins. Oder eben auch für Victor Oladipo.

Victor Oladipo: "Saying Goodbye" zu den Verletzungssorgen

Im Januar 2019 zog sich der damalige Pacers-Guard einen Riss der Quadrizepssehne im rechten Knie zu. Die schwere Verletzung setzte dem Aufstieg Oladipos, der sich in der Vorsaison ins All-NBA Third Team katapultiert hatte, ein jähes Ende. Ziemlich genau ein Jahr musste er pausieren, doch auch nach seinem Comeback in der vergangenen Saison war Oladipo weit entfernt von seiner früheren All-Star-Verfassung.

Das sollte sich in der neuen Spielzeit ändern. Am Abend der letzten Preseason-Begegnung vor dem Start der Saison 2020/21 organisierte er gemeinsam mit Sportpsychologe und Pfarrer Eric Thomas eine "Beerdigung" über Zoom. Oladipo wollte seine Knieverletzung ein für alle Mal begraben.

Mit der Zeremonie sollte sich der Guard von den beklemmenden Gedanken an die Verletzung verabschieden. Er schrieb einen Brief mit dem Titel "Saying Goodbye" und verbrannte ihn. "Ich habe mich besser gefühlt, aber meine Gedanken wollten mich immer noch beschützen - ich war zögerlich wegen meinem Bein", erklärte Oladipo gegenüber ESPN. "Indem ich meine Verletzung begraben und mir selbst zu verstehen gegeben habe, dass ich gesund bin, bin ich stärker als jemals zuvor."

Victor Oladipo bei den Rockets: Ansätze alter Stärke

In den darauffolgenden Wochen, erst in Indiana, dann in Houston, ließ Oladipo immer mal wieder seine alte Stärke aufblitzen. Erstmals seit seiner All-NBA-Saison 2017/18 legt er wieder über 20 Punkte im Schnitt auf, direkt nach dem Trade zu den Rockets erzielte er einen Saisonhöchstwert mit 32 Punkten. Es war das beste Debüt eines Rockets-Spielers seit James Hardens 37 Zählern 2012.

Allerdings gab Oladipo zuletzt selbst zu, dass er noch nicht wieder bei 100 Prozent ist, in Back-to-Backs läuft er bisher noch nicht auf. Vor allem seine Effizienz ist derzeit noch verbesserungswürdig, sicherlich auch bedingt durch fehlende Eingespieltheit mit dem neuen Team. Starke Scoring-Auftritte wechseln sich mit Abenden ab, an denen er nur 4/16 aus dem Feld trifft. Seine True-Shooting-Percentage im Rockets-Trikot ist auf einem Karrieretiefstwert (48,4 Prozent), genau wie seine Dreierquote (31,1 Prozent).

Mut machen derweil seine Auftritte in der eigenen Hälfte. Dort scheint der alte Oladipo fast vollständig zurück zu sein, was den Rockets die Aussicht auf einen elitären Two-Way-Guard mit schnellen Händen und der Fähigkeit, vor seinem Gegenspieler zu bleiben, bietet. Im direkten Duell mit den Superstars der Liga hält er diese regelmäßig an der kurzen Leine, egal ob sie Bradley Beal (3/7 FG gegen Oladipo), Devin Booker (2/6 FG) oder Damian Lillard (3/6 FG) heißen.

Die Statistiken von Victor Oladipo in den vergangenen fünf Saisons

SaisonTeamG / MINPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
2016/17OKC67 / 33,215,94,32,644,236,1
2017/18IND75 / 34,023,15,24,347,737,1
2018/19IND36 / 31,918,85,65,242,334,3
2019/20IND19 / 27,814,53,92,939,431,7
2020/21IND / HOU17 / 32,620,45,14,640,833,8

Rockets überraschen mit bester Defense der Liga

Somit hatte Oladipo einen großen Anteil daran, dass sich Houston kurzzeitig zu einem der heißesten Teams der Liga aufschwang. Kurz nach dem Blockbuster-Trade, der den Texanern im Tausch für Harden nicht nur Oladipo, sondern - vielleicht noch viel wichtiger - eine Menge Draft-Picks einbrachte, starteten die Rockets eine sechs Spiele andauernde Siegesserie, mittlerweile stehen sie bei sieben Erfolgen in acht Partien.

Das Quartett mit dem Drang, es allen zu beweisen, drehte dabei mal abwechselnd, mal gemeinsam auf. Genau wie Eric Gordon, der aktuell wieder aufzublühen scheint und während der Siegesserie 20 Punkte bei 40,9 Prozent von Downtown auflegte. Er hob unter anderem die gute Stimmung im Team seit dem Harden-Trade als Erfolgsfaktor hervor. Das wichtigste Rezept der Rockets ist aber die Defense.

Seit dem Harden-Trade lassen die Texaner nur noch 102,2 Punkte pro 100 Possessions zu, der mit Abstand beste Wert in diesem Zeitraum (zuvor: 111,1, Platz 22). Oladipo hat dabei gewaltig seine Finger im Spiel. Er oder auch Wall machen im Backcourt Druck, zudem überzeugt Houston mit Variabilität in Form von Drop-Coverages, Switches, Blitzing oder einer Zonenverteidigung.

"Wir bewegen uns in die richtige Richtung", freute sich deshalb Head Coach Stephen Silas am vergangenen Wochenende. "Und das nach unserem Start mit einer Bilanz von 4-9 und all dem anderen Zeug um uns herum. Aber jetzt ziehen wir alle an einem Strang, vor allem in der Defensive. Dadurch kreieren wir gute Offense, wir bewegen den Ball und machen das, was ich mir vorgestellt hatte." Die Belohnung: Die Rockets befinden sich mit elf Siegen und zehn Niederlagen (Platz 10) mitten im Playoff-Rennen im Westen.

Victor Oladipo: Folgt schon bald der nächste Trade?

Eine langfristige Zukunft von Oladipo in Houston garantiert all das aber nicht. Schon kurz nach dem Blockbuster-Trade tauchten Spekulationen auf, dass die Rockets den Guard vor der Deadline im März weiterverschiffen könnten. Schließlich könnte der angehende Free Agent im Sommer teuer werden, Houston dagegen eher einen Rebuild anstreben.

Womöglich hegt Rockets-GM Rafael Stone ohnehin gar keine allzu großen Ambitionen, die Playoffs zu erreichen - um den eigenen Pick im Draft 2021 zu behalten, muss dieser in der Lottery in der Top 4 landen. Zwar gab Stone Ende Januar zu Protokoll, er hoffe, dass Oladipo lange bei den Rockets bleibt, nichtsdestotrotz schwirren Trade-Gerüchte um den Guard.

Die gab es schon kurz nach dem Harden-Trade, als spekuliert wurde, dass Houston Oladipo (und unter anderem P.J. Tucker) in weitere zukünftige Picks ummünzen könnte. Auch er selbst soll wohl einem weiteren Deal nicht abgeneigt gewesen sein, angeblich präferiere er Miami als nächste Destination. Auch die New York Knicks sollen ein Auge auf ihn geworfen haben.

Stone allerdings befindet sich noch in einer Art Evaluationsphase, um die weitere Kaderplanung mit oder ohne Oladipo besser einschätzen zu können. Womöglich regen die aktuellen Auftritte des Teams die Verantwortlichen zum Umdenken an und Oladipo wird tatsächlich ein langfristiger Teil der Rockets-Zukunft. Oder es wartet schon bald der vierte Trade seiner Karriere auf ihn. Und damit der nächste Motivationsschub, es allen Zweiflern zu beweisen.

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