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NBA Above the Break - 10 Vorhersagen zur Saison: Der neue Giannis-Deal ist ein gutes Zeichen für die Liga

Giannis Antetokounmpo hat für fünf weitere Jahre bei den Milwaukee Bucks unterschrieben.
© getty

Die neue NBA-Saison beginnt in der Nacht auf den 23. Dezember - zu diesem Anlass kehrt auch die NBA-Kolumne Above the Break zurück. Zum Saisonstart geht es anhand von zehn Vorhersagen zu Luka Doncic, den Milwaukee Bucks, einem potenziellen Game-Changer-Trade und vielem mehr quer durch die Liga.

So komisch das klingt, die Saison 2020/21 steht in den Startlöchern und wird Dienstagnacht - gefühlt zwei Wochen nach dem Ende der Finals - mit dem folgenden Double-Header beginnen: Erst spielen die Brooklyn Nets gegen die Golden State Warriors, dann kommt es zum Los Angeles-"Klassiker", der in den ersten Jahrzehnten des gemeinsamen L.A.-Daseins nie ein Klassiker war.

Allein diese beiden Spiele, diese vier Teams bringen genug Zündstoff und Storylines mit, damit sind sie aber bei weitem nicht die einzigen. Im Sinne einer etwas anderen Saisonvorschau hangeln wir uns daher heute an einigen Thesen durch die Liga vor einer so noch nie dagewesenen Ausganssituation.

Eins vorweg: Corona wird die Saison natürlich beeinträchtigen, auf einigen vorhersehbaren und wohl noch mehr unvorhersehbaren Arten und Weisen. Hier ins Blaue zu spekulieren, ist jedoch weder zielführend noch sonderlich unterhaltsam. Deswegen konzentrieren wir uns heute aufs Sportliche! Und ab dafür.

Nr. 1: Die Vertragsverlängerung von Giannis ist gut für die Liga

Nun hat er es doch getan: Giannis hat den größten Vertrag der NBA-Geschichte unterschrieben, nach anderthalb Jahren voller Gerüchte und Planungen anderer Teams, ihn irgendwie aus Milwaukee loszueisen. Finanziell ergab diese Entscheidung von Anfang an am meisten Sinn; aus sportlicher Sicht wiederum hat Antetokounmpo den Bucks durch die späte Unterschrift einen Gefallen getan.

Mit (unter anderem) den Toronto Raptors und den Miami Heat agierten schließlich die beiden Teams, die die Bucks in den vergangenen beiden Jahren aus den Playoffs warfen, in der Offseason eher passiv, weil sie sich den Platz für Giannis nicht kaputtmachen wollten. In etwas abgeschwächter Form galt das auch für die Mavericks.

Dass Giannis nun bei den Bucks unterschrieb und im Vertrag sogar noch ein saftiger Trade-Kicker von 15 Prozent vereinbart wurde, ist ein gutes Zeichen. Vor allem für die Bucks, aber auch für die kleinen Märkte - und die Liga als Ganzes. Es ist nicht "gesund", wenn schon Jahre vor dem Vertragsende über Abgänge spekuliert wird oder wenn jeder der fünf bis zehn besten Spieler der Liga sich nur auf drei oder vier Märkte verteilt, wenn Gerüchte wichtiger werden als die sportliche Situation.

Balance wird es nie geben, das ist angesichts der geringen Zahl echter MVP-Kaliber auch unmöglich, aber die Tatsache, dass Spieler aus kleineren Märkten nach jeder Niederlage als erstes Fragen zu ihrer Zukunft beantworten müssen, nur weil man gewisse Unzufriedenheiten gewohnt ist, geht wohl ein wenig zu weit. Durch den neuen Deal kehrt zumindest in Milwaukee für eine gewisse Zeit Ruhe ein.

Nr. 2: Die Milwaukee Bucks experimentieren mehr denn je

Und das führt zu diesem (Wunsch-)Gedanken: Mehr Mut in Milwaukee! Zweimal in Serie stolperte das beste Team der Regular Season in den Playoffs über die eigene Rigidität, war nicht in der Lage, von dem Stil abzukehren, der die gesamte Saison über funktioniert hatte. Das bezog sich sowohl auf die Offense als auch die Defense.

Ein Beispiel ist die Drop-Coverage: Milwaukee hat hinreichend bewiesen, dass seine Defense in der Regular Season großartige Resultate produziert, wenn Giannis und Brook Lopez absinken und den Ring beschützen, auch wenn heiße Shooting-Nächte des Gegners gelegentlich mal ein Problem sein konnten. Als ein Team (Miami) diesen Stil jedoch gekonnt und immer wieder durch Two-Man-Action mit Bam Adebayo und Duncan Robinson oder Tyler Herro attackierte, fehlte schlichtweg das Gegenmittel.

Mit Giannis, Khris Middleton und vor allem auch Neuzugang Jrue Holiday haben die Bucks das Personal, das Pick'n'Roll auch mal zu trappen oder zu blitzen, Holiday tat dies an der Seite von Anthony Davis in New Orleans zeitweise bereits großartig - Milwaukee muss nicht komplett weg von seinem System, aber es muss zumindest solche zusätzlichen Komponenten installieren.

Offensiv verhält sich die Situation ähnlich. Holiday gibt Coach Bud eine gute neue Komponente und einen weiteren Creator. Einen klassischen Pick'n'Roll-Playmaker, der Giannis entlasten kann, haben die Bucks aber nach wie vor nur bedingt; D.J. Augustin bietet diese Komponente in der Regular Season, aber wohl nicht in den Playoffs. Es wurde Tiefe verloren, mehr denn je wird es also auf die Stars ankommen, und auf den Coach, der sie einsetzen will.

Die Bucks haben simple Adjustierungen wie die Spielzeit von Giannis in entscheidenden Spielen, aber auch solche taktischer Natur vor sich. Im besten Fall sehen wir einiges davon direkt zum Start der Saison, selbst wenn die Umstellung vielleicht ein paar Siege kostet. Denn was zählt - bei diesem Team - am Ende der First-Seed?

Nr. 3: Luka Doncic wird der jüngste MVP der Geschichte

Zugegeben: Die Tatsache, dass der Slowene mit dem einen oder anderen Kilo zu viel aus dem Urlaub zurückkam, spricht gegen diese These. Doncic hat aber schon in der Preseason gezeigt, dass er nicht lange braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen, von High Speed lebt sein Spiel ohnehin nicht.

Was für ihn spricht beziehungsweise sprechen wird:

  • Das statistische Resümee: Schon in der vergangenen Saison legte Doncic MVP-Zahlen (grob: 29, 9 und 9) auf. 20/21 dürften diese aus mehreren Gründen sogar steigen: Doncic kann gerade aus der Distanz wesentlich effizienter sein als vergangene Saison (31,6 Prozent), Dallas ist in diesem Jahr zudem besser aufgestellt, um ihm Platz zu schaffen und auch mal für leichte Abschlüsse in Szene zu setzen. Andererseits fehlt zu Beginn der Saison Kristaps Porzingis - zu diesem Zeitpunkt wird also besonders viel von Doncic' Produktion abhängen. Wie mag diese aussehen? 32, 11 und 9 vielleicht? Das können MVP-Zahlen sein.
  • Die Bilanz: Vergangene Saison kam Doncic an Giannis und LeBron auch deshalb nicht ran, weil die Bilanz seines Teams zu schlecht war. Dallas war offensiv zwar das stärkste Team der NBA und per Net-Rating das drittbeste Team im Westen, die Mavs verloren aber so viele knappe Spiele, dass am Ende "nur" 43 Siege heraussprangen. Nicht zuletzt dank Doncic dürfte sich diese Clutch-Bilanz bessern, schon in den Playoffs wirkte sein Spiel viel reifer. Dadurch werden automatisch mehr Siege herausspringen. Dallas kommt wohl nicht an die L.A.-Teams heran, das Cluster danach könnten die Mavs aber anführen - und eine Top-3-Platzierung könnte "reichen".
  • Junge Beine: Eins gehört zu der komprimierten 72-Spiele-Saison schließlich auch dazu: Die Belastung ist sehr hoch, gerade für die Teams, die lange in den Playoffs aktiv waren. In der Regular Season dürften daher einige MVP-Kandidaten zumindest etwas schonender auftreten (die Ü30-Fraktion: LeBron, Durant, Kawhi (technisch gesehen 29 Jahre alt)), ein sonstiger Dauerbrenner wie Harden ist derzeit ein Sonderfall (siehe unten). Doncic ist 21 Jahre alt und bisher nicht dadurch aufgefallen, sich irgendwelche Pausen zu nehmen. Das kann ihn in dieser Spielzeit mehr als sonst abheben, bleibt er verletzungsfrei.
  • Voter-Fatigue: Natürlich ist Doncic nicht der einzige junge Star. Davis ist 27, Giannis 26 Jahre alt. Ersterer ist aber nicht der wichtigste Spieler seines Teams, was, selbst wenn er eine bessere Regular Season spielt als LeBron, das Wählerverhalten beeinflussen kann. Antetokounmpo wiederum hat den Award eben die letzten beiden Jahre gewonnen. Es ist gut möglich, dass er auch kommende Saison der wertvollste Spieler ist - aber das war LeBron 2011 wahrscheinlich auch. Oder Jordan 1997. Oder Jordan 1993. Fakt ist, dass es beim MVP seit Larry Bird in den 80ern keinen Threepeat mehr gegeben hat. Auch bei Giannis kann sich eine gewisse Müdigkeit einstellen. Das Narrativ spielt eine Rolle.

Es ist gleichzeitig ein Fakt, dass in der modernen Ära der NBA abgesehen von Derrick Rose nie ein Drittjahresprofi MVP wurde, selbst LeBron musste sechs Jahre warten. Doncic hat aber zumindest statistisch zwei Jahre hingelegt, die es vor ihm in der modernen Ära noch nicht gegeben hat - besser auch als die ersten Jahre von Rose. Warum sollte da nicht noch mehr drin sein?

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