Cookie-Einstellungen
NBA

NBA-Legende Shaquille O'Neal im Porträt: Ein gewaltiger Kindskopf

Von Marc-Oliver Robbers
Shaquille O'Neal gewann mit den Los Angeles Lakers drei Titel.
© getty

Shaq hatte genug von Orlando und auf einmal auch genug Geld. 121 Millionen Dollar zahlten ihm die Los Angeles Lakers für einen Siebenjahresvertrag. Natürlich wurde ihm vorgehalten, nur auf das Geld zu schauen. "Ich habe genug davon, immer nur Geld, Geld, Geld, Geld, Geld zu hören. Ich will einfach nur spielen, Pepsi trinken und Reebok tragen", entgegnete er den Kritikern süffisant.

Der Center spielte zu gern mit den Medien, er liebte geradezu das Rampenlicht. Los Angeles war das perfekte Pflaster. Bereits in Florida hatte er sein erstes Rap-Album aufgenommen. "Shaq Diesel" erreichte Platin-Status. Drei weitere Alben folgten. Mit dem Film "Kazaam" tauchte er schließlich auch in die Glitzerwelt Hollywoods ein. Mit mäßigem Erfolg. Ihm war es egal.

Bereits als kleiner Junge mimte er den Spaßmacher, den Entertainer. Aufgrund seiner Größe wurde Shaq Jr. gehänselt. Mit 13 war er bereits 2,10 Meter. "Kinder können grausam sein, sehr grausam. Er sah halt nicht wie ein Durchschnittsjunge aus", erklärte seine Mutter die schwierige Zeit.

Dazu kamen häufige Umzüge. Neue Städte, neue Schulen, neue Kinder. Das Soldatenleben des Stiefvaters brachte das mit sich. Zeitweise lebte O'Neal in Wildflecken in Nordbayern. Nur als Pausenclown erhielt er die Sympathien der anderen Kinder. Die Ernsthaftigkeit im Unterricht blieb dabei häufig auf der Strecke.

Hassliebe mit Kobe

Ein Vorwurf, der ihn auch bei den Lakers immer begleitete. Zusammen mit Kobe Bryant bildete er vom Beginn an einen furchterregenden One-Two-Punch. So unterschiedlich beide auch waren, so viele Probleme sie auch miteinander hatten, auf dem Feld waren sie nur schwer zu stoppen. Es fehlte einzig ein Coach, der diese Urgewalt in die richtigen Bahnen lenken konnte.

Die Lakers erreichten zwar zwischen '96 und '99 dreimal in Serie die Playoffs, scheiterten aber zweimal an den ausgebufften Utah Jazz, um dann vom späteren Meister San Antonio in der zweiten Runde gesweept zu werden. Während des Lockouts '98 kam es erstmals zu einem größeren Konflikt zwischen den beiden. Im Training kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen O'Neal und Bryant. Shaq kritisierte immer wieder den Egoismus des jungen Bryants und hatte zudem das Gefühl, dass der damalige Interimscoach Kurt Rambis den Shooting Guard bevorzugte.

Das Front Office zog die richtigen Schlüsse, lockte nach der Saison "Zen-Master" Phil Jackson und damit auch den Erfolg nach Tinseltown. Jackson schaffte es nicht nur, das Pulverfass zu kontrollieren, sondern lieferte mit der eingeführten Triangle Offense den perfekten Rahmen, um die beiden Superstars optimal einzusetzen - auch wenn beide es häufig anders sahen.

Dreimal in Serie holten Shaq, Kobe und die Lakers den Titel. O'Neal wurde jedes Mal zum Finals-MVP ernannt, sicherte sich zudem 2000 den MVP-Award und den Scoring-Titel. Diese Dominanz führte dazu, dass eine verpönte Taktik wieder Anwendung fand. Der damalige Mavs-Coach Don Nelson ließ den Big Man immer wieder foulen, um sich dessen schwache Freiwurfquote zunutze zu machen. Andere Coaches kopierten die Taktik. "Hack-a-Shaq" ist bis heute ein geflügelter Begriff in der Liga.

"Es hat mich verrückt gemacht, wie faul er war"

Es war nicht die einzige Angriffsfläche, die er seinen Kritikern gab. Während Teamkollege Bryant in der Offseason wie ein Besessener an seinem Spiel feilte, genoss O'Neal das Leben in vollen Zügen. Häufig kam er völlig außer Form ins Training Camp. "Es hat mich verrückt gemacht, wie faul er war", sagte Kobe über die gemeinsame Zeit.

So auch 2000. Kobe erlebte die bis dato beste Zeit seiner Karriere, während Shaq mehr mit seinen Kilos als mit den Gegenspielern zu kämpfen hatte. Nach einer 38-Punkte-Performance von Kobe, bei der der Center nur 18 Zähler auflegte, forderte O'Neal anschließend unverblümt einen sofortigen Trade. Jackson tat es als "kindisch" ab. Das kam natürlich nicht in Frage, doch das Theater zog sich durch die gesamte gemeinsame Lakers-Zeit.

2002 plagte sich O'Neal mit einer Arthrose im Gelenk des großen Zehs herum, aber anstatt die Verletzung in der Offseason operativ behandeln zu lassen, genoss er den Sommer und fiel damit zu Saisonbeginn aus. "Ich habe mich während der Arbeitszeit verletzt, also kuriere ich mich während der Arbeitszeit aus", kommentierte Shaq die Kritik an seinem späten OP-Termin.

Shaq als Buhmann abgestempelt

Ein Jahr später nannte Kobe seinen Teamkollegen in einem ESPN-Interview "fett und nicht in Form" und beklagte sich über Shaqs Forderungen nach mehr Gehalt, während die neuakquirierten Veteranen Gary Payton und Karl Malone für kleines Geld spielten. Intern wuchs der Unmut über die Scharmützel, und doch schafften es die Lakers wieder in die Finals - gegen die Detroit Pistons.

Nach fünf Spielen ging der haushohe Favorit aber als Verlierer vom Platz und der Buhmann war schnell gefunden. "Shaq hat sich gegen Detroit selbst geschlagen. Er hat viel zu passiv gespielt. Er hatte nur ein großes Spiel. Er schaut immer darauf, ein Scorer zu sein, dabei fehlt ihm die Konzentration in der Defensive und beim Rebounding", analysierte Assistant Coach Tex Winter.

Shaq hingegen machte direkt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel klar, dass einer oder beide nicht zurückkehren werde und dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, was das Beste für ihn sei - ihn eingeschlossen.

Die Lakers gaben Free Agent Bryant einen neuen 136-Millionen-Dollar-Vertrag und entschieden sich, O'Neal zu traden. Weil die interessierten Mavericks nicht bereit waren, Dirk Nowitzki im Gegenzug nach Los Angeles zu schicken, nahmen die Lakers letztlich ein Angebot der Heat an. Für Lamar Odom, Caron Butler, Brian Grant und einen Firstround-Pick ging es nach Miami.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung