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Olympia 2021 - 3x3-Basketball-GOAT Dusan Bulut im Interview: Michael Jordan kopieren? "Ich bin halt ein weißer Junge aus Serbien"

Dusan Bulut hat mit Serbien bei den Olympischen Spielen 2021 um die Goldmedaille im Visier.

Premiere bei den Olympischen Spielen: In Tokio ist erstmals Drei-gegen-Drei-Basketball Teil der olympischen Wettkämpfe. Im Interview mit SPOX spricht der 3x3-GOAT Dusan Bulut über die Unterschiede zum "regulären" Basketball, wie Michael Jordan seine Karriere beeinflusst hat und Duelle mit NBA-Stars.

Der 35-Jährige hat sich in der vergangenen Dekade den Ruf als bester Drei-gegen-Drei-Basketballer aller Zeiten erarbeitet. Mit der serbischen Nationalmannschaft gewann er unter anderem viermal Gold bei Weltmeisterschaften, er holte viermal den Titel bei der FIBA 3x3 World Tour und wurde über viele Jahre als die Nr.1 der individuellen FIBA-Weltrangliste geführt.

Auch bei den Olympischen Spielen in Tokio gilt Bulut mit Serbien als Favorit auf die Goldmedaille. Im Interview erklärt er, welchen Stellenwert dieser Titel für ihn hätte, was Drei-gegen-Drei-Basketball so besonders macht (einen Überblick über die Regeln gibt es hier) und warum Boris Diaw der perfekte Streetball-Spieler wäre.

Herr Bulut, Sie gelten als GOAT des Drei-gegen-Drei-Basketballs, im regulären Fünf-gegen-Fünf ist dieser Titel für Michael Jordan reserviert ...

Dusan Bulut: Da muss ich direkt einhaken. Heutzutage tendieren die jüngeren Generationen beim GOAT-Thema eher zu LeBron James. Aber ich möchte betonen, dass ich da komplett bei Ihnen bin. Ich bin ein großer Michael-Jordan-Fan. Und danke für die netten Worte. (lacht)

Da drängt sich aber natürlich die Frage auf, wer denn nun der einzig wahre GOAT im Basketball ist? Wer würde ein Eins-gegen-Eins gewinnen: MJ oder Dusan Bulut?

Bulut: Michael Jordan, auf jeden Fall. Da spielen nicht nur seine athletischen Fähigkeiten und sein Talent als Basketballer eine Rolle, sondern auch seine mentale Stärke. Ich habe schon sehr früh angefangen, mich mit ihm zu beschäftigen, beispielsweise mit den Büchern von Phil Jackson, und habe viel von Jordan gelernt. Auch die Dokumentation "The Last Dance" im vergangenen Jahr hat gut gezeigt, wie mental stark Jordan war. Für mich ist er Vorbild Nummer eins. Keiner kann ihn im Eins-gegen-Eins schlagen, wahrscheinlich selbst heute nicht mit seinen 58 Jahren.

Dusan Bulut über den Einfluss von Michael Jordan

Wie hat Ihr Idol Michael Jordan Sie und Ihre Liebe zum Basketball beeinflusst?

Bulut: Am meisten hat er tatsächlich meine Einstellung gegenüber dem Spiel beeinflusst. Ich habe mir die Gewinnermentalität und Arbeitseinstellung von ihm abgeschaut. Seinen Spielstil konnte ich dagegen nicht kopieren, das habe ich schon in jungen Jahren gemerkt. Ich hatte einfach nicht die gleichen athletischen Fähigkeiten - ich bin halt ein weißer Junge aus Serbien. (lacht) Aber diese Werte haben mir sehr geholfen, der Spieler zu werden, der ich heute bin.

Wie sind Sie überhaupt zum Basketball gekommen?

Bulut: Das war im Alter von etwa neun Jahren. Ich war immer schon ein energiegeladenes Kind, bin die Wohnung rauf und runter gerannt. Also wollten mich meine Eltern zum Sport anmelden. Die logischste Option war Basketball. In unserem Viertel, in dem ich aufgewachsen bin, war buchstäblich an jeder Ecke ein Basketball-Court. Zu dieser Zeit kam außerdem "White Men Can't Jump" im Fernsehen, der Film lief bei uns einen Monat lang rauf und runter. Ich habe ihn gesehen und zu meinem Vater gesagt: Ich will Basketball ausprobieren. Es war Liebe auf den ersten Blick.

3x3-GOAT Dusan Bulut: "Individuellen Spielstil voll ausleben"

Sie stammen aus Novi Sad, der zweitgrößten Stadt Serbiens. Dort haben Sie in Ihrer Jugend den Kosovo-Krieg hautnah miterleben müssen. War Basketball für Sie eine Art Ablenkung von der schwierigen Situation im Land?

Bulut: Ich war damals noch sehr jung, meine Eltern haben mich gut vor den schrecklichen Ereignissen abgeschirmt. Viele Menschen haben ihr Leben verloren, ihre Angehörigen oder ihr ganzes Hab und Gut. Ich habe so etwas zum Glück nie erleben müssen. Ich hatte eine tolle Kindheit, meine Welt drehte sich nur um Basketball. Ich habe den ganzen Tag auf dem Court verbracht - und vielleicht in der Schule. Meine Eltern haben mir beigebracht, nicht an materiellen Dingen zu hängen, sondern einen Lebensinhalt zu suchen, der dich glücklich macht. Basketball hat mich schon in jungen Jahren glücklich gemacht und macht es mich auch heute noch.

Haben Sie Ihr gesamtes Basketballer-Leben Drei-gegen-Drei gespielt oder auch die reguläre Variante mit jeweils fünf Spielern?

Bulut: In Serbien wird auf den Straßen immer Drei-gegen-Drei gespielt, die reguläre Variante findest du kaum. Ich würde sogar behaupten, dass es kein Kind gibt, egal ob Junge oder Mädchen, das nicht einmal im Leben Drei-gegen-Drei-Basketball gespielt hat. Man kann sich auf der Straße jeden herauspicken und ihm einen Basketball in die Hand drücken, derjenige weiß, wie man wirft. Aber auf professionellem Level habe ich auch Fünf-gegen-Fünf gespielt.

Warum sind Sie letztlich beim Streetball geblieben?

Bulut: Einerseits hatte ich beim Fünf-gegen-Fünf weniger Erfolg, andererseits mag ich den Lifestyle beim Streetball lieber. Da kann ich besser ausdrücken, wer ich sein will, und meinen individuellen Spielstil voll ausleben. Beim regulären Basketball war das ein Problem für mich, dass sich bei jedem Klub- oder Trainerwechsel auch die Spielphilosophie veränderte und entsprechend musste ich meine Spielweise ändern. Mir gefiel nicht, in welche Richtung sich mein Leben entwickelte, also habe ich mich komplett dem Streetball gewidmet.

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