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Basketball

EuroBasket 2022: BBL-Legende Per Günther im Interview: "Die Brechstange von Dennis Schröder ist immer eine Option"

Per Günther spielte 14 Jahre für ratiopharm Ulm.

Am Donnerstag startet die EuroBasket 2022 in Deutschland. Mit dabei ist auch Per Günther, der für MagentaSport als Experte die Spiele begleitet. Im Interview mit SPOX spricht der Ex-Nationalspieler über die holprige Vorbereitung des DBB-Teams und schätzt die deutschen Chancen in der Todesgruppe B ein.

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Außerdem verrät der frühere Point Guard von ratiopharm Ulm, wer seiner Meinung nach die Gewinner der Vorbereitung waren, bricht eine Lanze für Dennis Schröder und schätzt ein, wann die EuroBasket für die deutsche Mannschaft ein Erfolg sein kann.

Herr Günther, gute drei Monate ist Ihr letztes Spiel nun her. Wie ist das Leben?

Günther: Ich habe mich erst einmal entspannt. Natürlich gab es viel zu tun, aber ich habe viel auf die lange Bank geschoben. Wir sind inzwischen mit der Familie von Ulm nach Hamburg gezogen. Der Abschied ist mir mental leichter gefallen, als ich und mein Umfeld das erwartet hatten. Ich war selbst überrascht, wie entspannt ich war.

Parallel dazu haben die BBL-Teams ihre Vorbereitungen aufgenommen. Kribbelt es dann nicht doch noch ein bisschen?

Günther: Thomas Stoll (Geschäftsführer bei ratiopharm Ulm, Anm. d. Red.) hat am ersten Tag der neuen Vorbereitung ein Bild gepostet, da musste ich schon schlucken. Du siehst da, wie die Mannschaft im Kreis steht und du weißt ganz genau, wie das abläuft. Ich habe das 14 Jahre mitgemacht und plötzlich bin ich nicht mehr dabei. Das war ein echter Reality Check für mich, auch weil es der Tag war, als ich für MagentaSport das Spiel gegen Tschechien kommentiert habe. Für mich war das der Moment, als ich wirklich gemerkt habe, dass es vorbei ist. Du bist jetzt der Vogel, der im Hemd an der Seitenlinie steht. Das hatte etwas Finales, davor hat es sich eher wie eine ganz normale Sommerpause angefühlt. Mir geht es dennoch gut. Es war keine knappe Entscheidung, ich musste nicht mit mir ringen. Es war eine klare Sache und ich hatte ein gutes Gefühl dabei.

Sie werden die EuroBasket als Experte bei MagentaSport begleiten. Hatten Sie schon im Vorfeld Pläne für die Zeit danach geschmiedet oder haben Sie das alles mehr auf sich zukommen lassen?

Günther: Die EuroBasket ist zunächst einmal ein singuläres Event, da kann ich schauen, ob es das ist, was ich in Zukunft machen möchte. Ich hatte das immer im Hinterkopf, weil ich Spaß dabei habe, über Basketball zu sprechen. Ich habe das Gefühl, dass in Deutschland mehr Breite und Tiefe vorhanden ist, wenn es um Berichterstattung über Basketball geht. Es gibt viele Podcasts und überhaupt mehr Möglichkeiten, Content zu produzieren. Ich bin gerne ein Teil davon. Du bist in der Halle, siehst bekannte Gesichter. Ansonsten wäre es für mich ein kalter Entzug nach all den Jahren. Umso besser, dass nun dieses riesige Event ansteht und es für mich geklappt hat. Ich bin richtig heiß und hätte sonst die Leute, die mir einen Job gegeben haben, wegen Tickets angehauen. Jetzt habe ich diese neue Aufgabe, werde mich da voll reinstürzen und habe auch Lust, das nach dem Turnier weiterzumachen. Das Schöne dabei ist, dass man trotzdem genug Platz hat, um nebenbei noch andere Dinge zu verfolgen. Wie das dann aussehen wird, weiß ich selbst aber noch nicht.

Was wollen Sie denn für ein Experte sein? Der Spagat aus Nähe und Distanz ist kein leichter. Ein gutes Beispiel ist Bastian Schweinsteiger im Fußball, der eher zeigt, wie es nicht geht. Sie haben ja auch noch mit einigen zusammen gespielt ...

Günther: Dieses Kumpelige mag ich persönlich nicht, da sind Geschmäcker aber verschieden. Es wird sicher passieren, dass mir mal die Spitz- oder Kosenamen rausrutschen, weil ich mit einigen weiter gut befreundet bin. Ich werde aber nicht nur hart drauf knüppeln. Tendenziell bin ich eher pro Spieler, weil man als Ex-Spieler die Herausforderungen kennt und weiß, wie schwierig manche Momente sind, obwohl das von außen nicht sichtbar ist. Es ist wirklich ein Spagat. Als Beispiel. Ich habe noch gegen Maodo gespielt und der hat mir 25 Punkte eingeschenkt und ich habe es auf zwei Zähler gebracht. Und nun paar Wochen später stelle ich mich da hin und sage: 'Oh, das ist aber ein schwaches Spiel von Maodo heute.' Das hätte einen Beigeschmack für mich. Trotzdem will ich niemandem zuhören, der bewusst Dinge weglässt. Wenn es ein Scheiß-Turnier ist, einer der Spieler weit von seinem eigentlichen Niveau entfernt ist oder sich nicht entsprechend verhält, dann will ich als Fan das hören. Und wenn der Experte das nicht sagt, will ich ihm nicht zuhören. Man muss das abdecken, was für den Zuschauer interessant ist und da gehören negative Dinge dazu.

Davon gab es in der DBB-Vorbereitung auch wieder einige Dinge. Verletzungen, Absagen, es war mal wieder etwas chaotisch, wenn auch mit einem positiven Abschluss durch den Sieg gegen Slowenien. Wo steht das Team Ihrer Meinung nach vor dem Auftakt?

Günther: Chaotisch trifft es ganz gut, wobei man feststellen kann, dass der DBB in diesem Jahr einen etwas anderen Ansatz gewählt hat. 'Commitment' war vermutlich das Wort des Sommers und wenn die Spieler nicht frühzeitig kommuniziert haben, ob sie dabei sein wollen oder nicht, selbst wenn es kleinere Verletzungen gab, dann waren sie keine Option mehr. Der Verband hat Abstand davon genommen, dass die besten Spieler kommen und gehen, wenn es ihnen passt. Ich halte das für den richtigen Ansatz, da es die Nationalmannschaft aufwertet. Es ist ein schwieriges Machtgefüge, schließlich bezahlt der Verband die Spieler nicht. Gleichzeitig ist der DBB auf die Spieler angewiesen, weil sie Tickets verkaufen und Spiele gewinnen wollen. Das ist im Verein anders. Da spielst du einfach nicht und kriegst eine Geldstrafe. Der Verband kann die Spieler nicht kontrollieren. Und wenn der DBB nun sagt, dass die Spieler von Anfang an dabei sein und die Dinge, die vielleicht nicht so viel Spaß machen, mitmachen müssen, finde ich das nicht schlecht. Das mag unglücklich aussehen, weil der Kader auf den großen Positionen nun so dünn ist, weil man dachte, dass es dort sieben, acht starke Optionen gibt. Jetzt sind es nur noch zwei oder drei und mit Jonas Wohlfarth-Bottermann ist einer dabei, den kaum einer auf der Rechnung hatte. Das ist schade.

Und wie sehen Sie es von der sportlichen Seite?

Günther: Von den Ergebnissen hat man sich in der Öffentlichkeit zu sehr mitreißen lassen. Die Wahrheit liegt da in der Mitte. Gegen die Niederlande, Schweden und Belgien war das nicht toll, aber zwei dieser Teams sind bei dieser EuroBasket dabei und trotzdem wurde gewonnen. Dazu die Niederlage gegen Serbien, bei der sowohl Schröder als auch Theis gefehlt haben und Nick Weiler-Babb sein erstes Länderspiel gemacht hat. Da darf man nicht überreagieren. Gleiches gilt für das Spiel gegen Slowenien, wenn der Europameister mit 20 Punkten geschlagen wird. Deutschland hat eine gute Mannschaft und wahnsinning viel Qualität, auch wenn der eine oder andere fehlt.

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