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Fussball

DFB-Team - Kommentar zum Aus von Oliver Bierhoff: Ein trauriges Vermächtnis

Nach 18 Jahren gehen Geschäftsführer Oliver Bierhoff und der DFB getrennte Wege. Sein Vermächtnis ist traurig, die Trennung längst überfällig - aber womöglich muss ihm sein Nachfolger noch danken. Ein Kommentar.

Ähnlich traurig wie die sportliche Talfahrt der deutschen Nationalmannschaft in den vergangenen Jahren ist ihre Entfremdung von der eigenen Bevölkerung, ihre Entkopplung von der Basis, der Verlust jeglicher Emotionalität bei Millionen Fans. Das liegt natürlich einerseits an den Ergebnissen an sich, unabhängig davon aber auch an der Kommerzialisierung und Vermarktung der Nationalmannschaft.

Als Gesicht dieser bedenklichen Entwicklung gilt Oliver Bierhoff, gerne ist in diesem Zusammenhang von einer Bierhoffisierung der Nationalmannschaft die Rede. Seltsame Hashtags wie #ZSMMN oder #BestNeVerRest sorgten für Belustigung, der analog zu anderen großen Fußball-Nationen künstlich kreierte Spitzname "Die Mannschaft" setzte sich nie durch.

Sieben Jahre nach der Einführung schaffte der DFB den Spitznamen offiziell wieder ab, in Katar prangte "Die Mannschaft" letztmals auf den Trikots. Diese Entscheidung war genau so überfällig und richtig wie die Trennung zwischen Verband und dem langjährigen Manager und Geschäftsführer Bierhoff nach dem dritten völlig missratenen Turnier in Folge.

Oliver Bierhoffs erfolgreiche Zeit beim DFB

Dabei fing alles so gut an: Nach der desolaten Europameisterschaft 2004 waren Manager Bierhoff und Bundestrainer Jürgen Klinsmann die dringend benötigten Reformer im DFB. Das neue, junge Duo sorgte für eine Aufbruchstimmung. Klinsmann modernisierte die sportliche Arbeit, Bierhoff Reiselogistik, Medienarbeit und Marketing.

Bei der Heim-WM 2006 feierte Deutschland ein Sommermärchen, das eigentlich acht Jahre lang anhielt. Zwischen 2006 und 2014 bestand eine enge emotionale Bindung zwischen der mittlerweile von Joachim Löw trainierten Nationalmannschaft und großen Teilen der Bevölkerung. Es war eine wunderbare Fußballzeit für Deutschland, die mit dem WM-Titel in Brasilien ihren Höhepunkt fand.

Bierhoff hatte daran einen genauso entscheidenden Anteil wie an der darauffolgenden Talfahrt. Als die Erfolge ausblieben und sich die öffentliche Stimmung drehte, verharrte er gemeinsam mit dem von ihm stets protegierten Bundestrainer Löw zu lange auf seinem bequemen Posten. Löw kam mit seinem Rücktritt 2021 wohl einer Entlassung zuvor. Bierhoff ein Jahr später, indem er seinen Job zur Verfügung stellte.

Oliver Bierhoffs Anteil an der WM-Blamage 2022

Wie schon die WM 2018 in Russland wurde auch das Turnier in Katar aus DFB-Sicht von politischen Themen überlagert, die der Verband erstaunlich dilettantisch managte. 2018 war es das Foto von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Herrscher Recep Tayyip Erdogan, 2022 die letztlich verbotene One-Love-Binde.

Völlig unvorbereitet ließen sich Bierhoff und DFB-Präsident Bernd Neuendorf von der FIFA vorführen und brachten die Spieler somit in eine undankbare Situation. Mit der Mund-zu-Geste beim Mannschaftsfoto vor dem Japan-Spiel setzten sie letztlich ein eigenes Zeichen, das aber für Ablenkung und mutmaßlich eine Spaltung des Teams sorgte.

Auch die - sicherlich mit Hansi Flick abgestimmte - Organisation des Turniers wirft Fragen auf. Das fing mit der Vorbereitungsreise in den Oman an, wo sich die Nationalmannschaft an die Klima- und auch Zeitzone in Katar anpassen sollte. Das WM-Austragungsland liegt jedoch nur zwei Stunden vor Deutschland (der Oman drei). Mit einem direkten Flug nach Katar hätten sich die Nationalspieler im ohnehin engen Terminkalender einen Reisetag gespart und mehr Zeit zum Trainieren gehabt.

Unglücklich gewählt war darüber hinaus das WM-Quartier im äußersten Norden Katars. Anders als die übrigen Nationen ließ sich der DFB-Tross nicht im Umkreis von Doha nieder, was zu Problemen bei den in der Hauptstadt abgehaltenen Pressekonferenzen führte. Weil Flick vor dem Spanien-Spiel keinem Spieler die lange Autofahrt antun wollte, wurde der DFB von der FIFA mit einer Geldstrafe bedacht.

Oliver Bierhoff hinterlässt den neu eröffneten DFB-Campus

Während der erst seit eineinhalb Jahren amtierende Flick nach der missratenen WM durchaus eine zweite Chance verdient hat, wäre ein weiterer Neustart mit Bierhoff nicht vermittelbar gewesen. Im Vorfeld der großen DFB-Analyse-Sitzung am Mittwoch hat das schließlich auch der Geschäftsführer selbst eingesehen.

Eineinhalb Jahre vor der Heim-EM braucht der DFB nun ein neues Gesicht. Gehandelt werden bereits renommierte Kandidaten wie Matthias Sammer, der über beste Beziehungen zu DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke verfügt, der aktuelle österreichische Nationaltrainer Ralf Rangnick oder Fredi Bobic von Hertha BSC.

Womöglich muss sich sein Nachfolger irgendwann aber noch bei Bierhoff bedanken. Mit dem von ihm federführend geplanten DFB-Campus könnte Bierhoff die Grundlage für eine erfolgreiche sportliche Zukunft gelegt haben. Die riesige Anlage in Frankfurt wurde nach jahrelanger Vorbereitung (samt Kostenexplosion) im vergangenen Sommer eröffnet, dient künftig allen DFB-Teams als Heimat und soll die Nachwuchsarbeit optimieren.

Ehe mögliche Früchte dieser Anlage geerntet werden können, hat der neue Geschäftsführer aber eine andere Aufgabe: Die unter Bierhoffs Ägide Millionen verprellten Fans der Nationalmannschaft wieder zu emotionalisieren.

WM 2022: Duelle im Achtelfinale

RundeTerminBegegnung
Achtelfinale03.12., 16 UhrNiederlande 3:1 USA
Achtelfinale03.12., 20 UhrArgentinien 2:1 Australien
Achtelfinale04.12., 16 UhrFrankreich 3:1 Polen
Achtelfinale04.12., 20 UhrEngland 3:0 Senegal
Achtelfinale05.12., 16 UhrJapan 1:3 n.E. Kroatien
Achtelfinale05.12., 20 UhrBrasilien 4:1 Südkorea
Achtelfinale06.12., 16 UhrMarokko - Spanien
Achtelfinale06.12., 20 UhrPortugal - Schweiz
Viertelfinale09.12., 16 UhrKroatien - Brasilien
Viertelfinale09.12., 20 UhrNiederlande - Argentinien
Viertelfinale10.12., 16 UhrMarokko / Spanien - Portugal / Schweiz
Viertelfinale10.12., 20 UhrFrankreich - England
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