"Jeder hat Schiss": Zweitliga-Trainer in Rage wegen eskalierender Fanproteste - DFL bleibt hart

SID
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Fast-Spielabbruch in Hannover, rollender Protest in Köln: Im Investorenstreit haben die Fans am Freitagabend die Situation weiter eskaliert. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

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Spielzeug-Autos auf dem Rasen, Harry Potter im Fadenkreuz und eine wütende Brandrede des zornigen Alexander Zornigers gegen meuternde Fans: Im Investoren-Streit taumeln die großen deutschen Fußball-Ligen weiter am Rande des ersten Spielabbruchs entlang. Während die zunehmend besorgte DFL-Spitze Deeskalation predigte, brachten die Freitagsspiele das genaue Gegenteil - und Zorniger auf die Palme.

"Das geht so nicht weiter, es hat sich ja auch nichts getan", sagte der Trainer des Zweitligisten Greuther Fürth bei Sky nach der Partie bei Hannover 96 (1:2): "Wenn der Schiedsrichter und die Vereine so am Nasenring durch die Arena gezogen werden - was ist denn dann, wenn wir wirklich mal abbrechen? Jeder hat Schiss, kein Schiedsrichter will natürlich der erste sein, der das macht. Aber man muss doch gewährleisten, dass das Spiel unter regulären Bedingungen stattfindet."

Referee Patrick Ittrich bestätigte, dass das Spiel nach zwei Unterbrechungen "sehr nah" vor dem Abbruch stand. Wieder waren die obligatorischen Tennisbälle geflogen, wieder hatte es ein Banner mit einem Fadenkreuz gegeben.

In dieses hatten die Hannover-Fans anders als zuletzt nicht Profi-Geschäftsführer Martin Kind gerückt, dessen in der Wahrnehmung vieler Beobachter skandalöses Abstimmungsverhalten beim DFL-Votum einen der größten Streitpunkte darstellt. Diesmal war Zauberlehrling Harry Potter Zielobjekt. "Angst, Potter?" war auf einem Banner zu lesen - eine popkulturelle Anspielung, gezielt auf Matt Potter, den Chef des einzig verbliebenen potenziellen DFL-Investor Matt Potter.

Alexander Zorniger , Greuther Fürth, 2. Bundesliga
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Alexander Zorniger wütet: "Sie werden als Herz des Spiels bezeichnet, das sind sie nicht"

Auch das Zweitliga-Duell zwischen Hertha BSC und Magdeburg (3:2) war aufgrund von Protesten unterbrochen. Und während am späteren Abend die Fans des 1. FC Köln im Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen (0:1) die nächste kreative Eskalationsstufe zündeten und Funkautos über den Rasen brausen ließen, legte sich in Hannover Gäste-Trainer Zorniger gewohnt nonchalant mit den aufbegehrenden Anhängern an.

"Sie werden als Herz des Spiels bezeichnet, das sind sie nicht, das sind die Spieler. Ohne die kann kein Fußball stattfinden", sagte Zorniger in einigermaßen diskutabler Dialektik: "Die Fans sind vielleicht die Seele des Spiels, aber das Herz sind die Spieler." Zornigers Zorn war vielleicht verständlich angesichts der Fürther Niederlage ("Es ist vollkommen unmöglich, da den Fokus aufrechtzuerhalten") - zur Deeskalation trug dies aber sicherlich nicht bei.

Dabei sehnen genau diese die DFL-Geschäftsführer herbei. "Natürlich haben wir das größte Interesse daran, dass es nicht zu Spielabbrüchen kommt", sagte Steffen Merkel im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zwar seien die DFL-Bosse an Dialog interessiert. "Das Gesprächsangebot des Präsidiums und der Geschäftsführung steht", sagte Merkel.

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DFL-Bosse melden sich wegen Fanprotesten zu Wort

In der Sache wollen sie sich aber offenbar keinen Millimeter bewegen - eine erneute Abstimmung über den Investoren-Deal, wie von Fans, aber auch von Vereinsvertretern gefordert, scheint für sie trotz der halbwegs offensichtlichen Kind-Posse - er soll gegen den Vereinsauftrag mit einem "Ja" gestimmt haben - keine Option.

"Können wir nachvollziehen, dass darüber diskutiert wird? Ja. Sind wir an das bestehende Ergebnis rechtlich gebunden? Ebenfalls ja", sagte Merkel. Dass nach dem Ausstieg von Blackstone in CVC nur noch ein möglicher Investor verblieben ist, sei kein Nachteil. Und überhaupt müssten die Fans ihren Alleinvertretungs-Anspruch überdenken.

Sie sollten, beschied Merkel, "anerkennen, dass der Fußball nicht nur den Fans gehört, sondern auch den Spielern, den Trainern, den Mitarbeitenden in den Vereinen." Nicht nur ihnen - aber auch und vor allem. Auf diesem Standpunkt werden hingegen die Fans vermutlich beharren. Und weiter eskalieren.

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