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Fussball

BVB-Kapitän Marco Reus in der Formkrise: Die Außenwirkung macht die Musik

Marco Reus spielt seine bislang wohl schwächste Saison beim BVB.

Marco Reus spielt bei Borussia Dortmund seine bislang wohl schwächste Saison. Bei seiner Auswechslung gegen Eintracht Frankfurt legte Reus ein Verhalten an den Tag, das von einem BVB-Kapitän nicht zu akzeptieren ist.

Marco Reus musste in der jüngeren Vergangenheit einiges über sich ergehen lassen. Zunächst war da der fiese Tritt von Herthas Vladimir Darida vor drei Wochen, der ihm eine Prellung am Fußgelenk bescherte und die drei letzten Länderpflichtspiele vor der Europameisterschaft kostete.

Da der Kapitän von Borussia Dortmund daher zu Hause bleiben musste, schoben ihn die Vereinsmedien vor die Kamera. Dort lieferte er sich mit der Sängerin Sarah Lombardi ein Spiele-Duell für einen BVB-Sponsor und Dialoge aus der Hölle.

Welche Außenwirkung eine solche "Show" für den Verein, gewissermaßen aber für alle Wirtschaftsunternehmen im Profifußball hat, mag jeder für sich beurteilen. Weniger zweideutig ist da schon die Außenwirkung, die mit einer Auswechslung von Reus verbunden ist.

Der 31-Jährige ist als Spielführer und gebürtiger Dortmunder das Aushängeschild des BVB. Auf ihn wird geschaut, ihm wird zugehört, intern wie extern. Es ist daher schon deutlich mehr als "kein großes Thema", wie Interimscoach Edin Terzic am Samstag Glauben machen wollte, wenn Reus bei seiner bereits 20. Auswechslung im 38. Pflichtspiel lustlos vom Platz schleicht.

BVB-Kapitän Reus: Ein Verhalten, das nicht zu akzeptieren ist

Der Kontext macht hier ja die Musik: Dortmund befand sich mit Eintracht Frankfurt im "Endspiel" um die Qualifikation zur Champions League, die für den Klub herausragende Bedeutung hat. Es stand 1:1, zehn Minuten vor dem Ende, die Partie wogte hin und her. Und Reus beeilte sich nicht. Er stellte vielmehr seinen Frust zur Schau.

Das ist ein Verhalten, das von einem derart erfahrenen Kapitän schlicht nicht zu akzeptieren ist. Terzic hat natürlich vollkommen Recht, wenn er betont, dass Reus' Unzufriedenheit in diesem Moment "menschlich" ist. Doch sowohl ihm als auch Reus ist gewiss bewusst, welche Symbolhaftigkeit hinter solchen Bildern steckt - und auf welch wohlwollende Resonanz ein Marco Reus gestoßen wäre, der beim Gang zur Seitenlinie die Teamkollegen noch einmal anfeuert und motiviert hätte.

Es stand Reus und seinem Klub auch nicht gut zu Gesicht, als er nach der späten, aber keineswegs unverdienten Niederlage beim FC Bayern vor einem Monat recht populistische Kritik am Schiedsrichter äußerte. Auch bei der 2:4-Pleite gegen Gladbach im Januar in Mönchengladbach feuerte Reus erst den Ball und dann seine Schuhe weg, als er nach 71 Minuten runter musste - einen Schiedsrichter-Assistenten verfehlte er damals nur knapp.

Marco Reus spielt seine bislang wohl schwächste BVB-Saison

Dass Reus in dieser Saison lediglich acht Pflichtspiele über 90 Minuten bestritt, hat auch mit den Verletzungen zu tun, die bereits in den vergangenen Jahren seinen Karriereverlauf negativ beeinflussten. Sechs Monate war er vor Saisonbeginn mal wieder ausgefallen und da das Jahr enorm intensiv war und ist, versuchte man seine Belastungen so gut es geht zu verteilen. Vorzeitige Auswechslungen kamen deshalb nicht von ungefähr.

Sie waren aber oft auch mit Reus' Leistungen zu begründen, denn der 44-malige Nationalkicker spielt seine bislang wohl schwächste Saison. Nach 25 Bundesligaspielen stehen nur drei Tore zu Buche, so wenige wie noch nie in seiner Laufbahn. In den beiden vergangenen Spielzeiten kam er auf 28. Auch in der Königsklasse gab es seit 16 Partien keinen Reus-Treffer mehr zu bestaunen, der letzte datiert von Anfang Oktober 2018 gegen Monaco. Hinzu kommt ein altes Manko: Er lässt regelmäßig Großchancen liegen - aktuell liegt seine Verwertungsquote bei nur 25 Prozent.

Es ist nicht so, dass Reus in diesem Jahr keine guten Spiele abgeliefert hätte. Gewinnt der BVB überzeugend, hat meist auch er einen Anteil, unabhängig von der persönlichen Ausbeute. Zu oft jedoch liefen die Begegnungen an ihm vorbei, sein Einfluss besonders in den vielen kritischen Phasen war gering, es fehlten ihm Tempo und Spritzigkeit. Man erwartet einfach mehr von ihm, diese exponierte Stellung hat er sich in all den Jahren erarbeitet und verdient.

Marco Reus muss um Platz im Nationalteam bangen

Dass er aktuell weit hinter dem eigenen Anspruch her hinkt, weiß der als ziemlich selbstkritisch bekannte Reus natürlich auch - eine weitere Erklärung für die nicht wenigen Frust-Momente in einer für ganz Dortmund sehr holprigen Saison. Beide, der Spielführer und sein Team, werden sich im Saisonendspurt nun mächtig strecken müssen, um noch größere Ernüchterung abzuwenden.

Und auch, damit Reus sicher auf den Zug zur Europameisterschaft aufspringt. "Wir werden seine Entwicklung weiter genau beobachten und hoffen, dass er den positiven Trend weiter fortsetzen kann", sagte Joachim Löw vor zwei Monaten. In der zurückliegenden Länderspielpause betonte der Bundestrainer, Reus benötige "eine unbedingte Fitness", um Teil des DFB-Teams zu werden.

Es würde dennoch sehr überraschen, sollte Löw den Dortmunder nicht mit zur EM nehmen. Nach 125 Einsatzminuten bei der Europameisterschaft 2012 sowie 210 bei der WM 2018 ist das Turnier für Reus eine der letzten Möglichkeiten, um auf diesem Level etwas in seiner Karriere zu erreichen.

Die Konkurrenz im Kampf um die Plätze im offensiven Mittelfeld ist jedoch groß. Reus kann sich weder seiner Nominierung noch möglicher Startelfchancen sicher sein. Ein Reus als Bankdrücker bei der EM, auch das würde wieder für eine spezielle Außenwirkung sorgen.

BVB - Marco Reus: Leistungsdaten in der Saison 2020/21

WettbewerbSpieleToreVorlagenMinuten
Bundesliga25371.730
Champions League8-2515
DFB-Pokal412154
DFL-Supercup1--72
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