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FC Bayern - Last-Minute-Transfers im Check: Wieso läuft es nicht für Sarr, Costa und Co.?

Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting und Douglas Costa: Drei der fünf Bayern-Last-Minute-Zugängen im Sommer.
© getty

Der FC Bayern München wird diesen Winter nicht mehr tätig werden auf dem Transfermarkt. Das bestätigte Trainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz vor dem Spiel des Rekordmeisters bei Borussia Mönchengladbach am Freitag (20.30 Uhr live auf DAZN und im Liveticker). Im Herbst kamen auf den letzten Drücker dagegen fünf Spieler - durchsetzen konnte sich bisher keiner. Warum das so ist? Die Spieler im Check.

Hansi Flick hatte da was klarzustellen. "Ich bin überhaupt keiner, der sagt, ich möchte neue Spieler haben. Ich weiß um die Situation des FC Bayern und dass die Situation sehr schwierig ist und schon im Sommer schwierig war", sagte er mit Blick auf die finanzielle Situation der Profiklubs in Zeiten von Corona.

"Deshalb", fuhr Flick fort, "werden wir den Kader jetzt bis zum Ende der Saison haben." Für ihn auch kein großes Problem, denn: "Ich sehe nicht groß, dass unsere Ziele gefährdet wären."

Noch im vergangenen Winter und auch nach dem Champions-League-Sieg hatte er freilich noch anders geklungen. Im Herbst 2020 verpflichtete Bayern auch auf seinen ausdrücklichen Wunsch auf den letzten Drücker noch fünf Spieler. Durchsetzen konnten sich bisher aber weder Bouna Sarr, noch Douglas Costa, Eric Maxim Choupo-Moting, Marc Roca oder Tiago Dantas (der freilich nicht spielberechtigt war bis Januar).

"Anlaufschwierigkeiten sind ganz normal. Man kommt in eine Mannschaft, die von der Philosophie sehr mutig und selbstbewusst agiert, mit hoher Intensität und der Bereitschaft, sich ins Spiel einzubinden. Das kann ich keinem Neuzugang absprechen, sie sind professionell alle top. Aber jeder hat seine kleine Geschichte", sagte Flick.

Sarr, Costa und Co. bei Bayern: Die Last-Minute-Transfers im Check

Bouna Sarr

  • Gekommen von: Olympique Marseille für 8 Millionen Euro
  • Vertrag bis: 30.6.2024
  • Leistungsbilanz: 8 Spiele, 545 Minuten, 0 Tore, 3 Assists

"Bouna - wer?", dürften sich die Allermeisten gefragt haben, als Bayern kurz vor Ende der Transferperiode den 28-Jährigen als Neuzugang von Olympique Marseille präsentierten. Sehr viel schlauer ist man seitdem nicht geworden. Auch in Frankreich wurde Sarrs fester Wechsel zum Champions-League-Sieger für acht Millionen Euro eher verwundert zur Kenntnis genommen worden.

Sarr war erst Anfang 2020 vom Flügelstürmer zum Rechtsverteidiger umgeschult worden, einen Einsatz in der Nationalmannschaft hatte er nicht vorzuweisen. Eigentlich hatte Bayern Sergino Dest (20) verpflichten wollen, der in den Niederlanden geborene US-Nationalspieler soll im September sogar schon einige Tage in München gewesen sein, am Ende entschied er sich aber doch für einen Wechsel von Ajax zum FC Barcelona.

"Es gibt Transfers, die an den Punkt kommen, an dem man sagen muss: Wir sind ab sofort draußen. Umso wichtiger ist es, dass man Alternativen beziehungsweise alternative Wege von Anfang an mitdenkt", sagte Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic bei der Vorstellung Sarrs zum geplatzten Transfer von Dest. Der heute 20-Jährige wurde bei Barca auf Anhieb Stammspieler.

Sarr bei Bayern: Der Inbegriff des Panik-Fehlkaufs?

Ganz anders Sarr beim FC Bayern, der sich zum Inbegriff des Panikkauf-Fehlgriffs zu entwicken droht. Auch nach seinen ersten drei Monaten in München fragt man sich, Salihamidzics Beteuerungen bei der Vorstellung zum Trotz, ob der Spieler überhaupt gescoutet worden ist - oder ob Sarr den Münchnern womöglich erst beim Vorbereitungsspiel des FCB gegen Olympique Marseille Ende Juli zum ersten Mal aufgefallen war. Zugegeben, da spielte er gut.

Doch wegen eines Spiels gleich acht Millionen Euro ausgeben für einen Spieler, der zwar über einen ordentlichen Vorwärtsdrang verfügt, aber dessen Flanken arg unpräzise kommen und der mehr als die Hälfte seiner Zweikämpfe verliert (18 von 35 in der Bundesliga)? Der Franzose interpretiere seine Rolle offensiver als Stamm-Rechtsverteidiger Benjamin Pavard und sei daher eine gute Ergänzung, erklärte Salihamidzic noch vor ein paar Wochen.

Zuletzt musste aber der eigentlich fest als Sechser eingeplante Joshua Kimmich den beiden Franzosen beim 5:2 der Bayern gegen Mainz zeigen, wie man die Rolle des Rechtsverteidigers beim FC Bayern nicht nur nach den Vorstellungen von Trainer Hansi Flick interpretieren muss. Sarr stand bei dem Spiel nicht mal im Kader, wettbewerbsübergreifend zum fünften Mal seit Ende November.

Douglas Costa

  • Gekommen von: Ausgeliehen von Juventus Turin

  • Vertrag bis: 30.6.2021
  • Leistungsbilanz: 15 Spiele, 500 Minuten, 1 Tor, 3 Assists

Auch der Brasilianer war ein überraschender Plan B von Salihamidzic. Der Sportvorstand hatte sein Glück zunächst erneut wieder bei Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea versucht. Doch diesmal scheiterte die Leihe des Flügelspielers, in den sich Salihamidzic bereits 2019 "ein bisschen verliebte" (Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge) kurz vor knapp dem Vernehmen nach an von Chelsea geforderten Klauseln, auf die sich Bayern nicht einlassen wollte.

Also holte Bayern Douglas Costa (30) von Juventus zurück, dem der damalige Präsident Uli Hoeneß einst nach seinem Abgang zu Juventus 2017 hinterhergerufen hatte, ein "Söldner" zu sein und charakterliche Defizite zu haben. Doch in der Not frisst der Teufel auch beim FC Bayern Fliegen.

Bei Juventus war man dem Vernehmen nach froh, einen Abnehmer gefunden zu haben, der bereit war, für eine Saison das fürstliche Gehalt des Brasilianers (elf Millionen Euro brutto pro Jahr) zu übernehmen. Eine Leihgebühr wurde nicht fällig, eine Kaufoption hat Bayern auch nicht.

Douglas Costa bei Bayern: Der Glanzloseste auf den Flügeln

In der Vorsaison war Costa bei Juve auf 29 Spiele gekommen, war jedoch auch aufgrund verschiedener Muskelverletzungen nie richtig fit gewesen und war mit Trainingsrückstand nach München gekommen. Den scheint er bis heute nicht aufgeholt zu haben.

Costa, in seiner ersten Münchner Periode (2015 bis 2017) als bisweilen arg eigensinniger, aber durchaus genialer Dribbler aufgefallen, spielt seit Oktober allenfalls unauffällig. Er wirkt nicht mehr so explosiv wie früher, seine Dribblings verpuffen oftmals. Bisher der glanzloseste der vier Flügelstürmer des FC Bayern - von denen bislang ohnehin nur Kingsley Coman uneingeschränkt überzeugen konnte.

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