NBA

Dennis Schröder im Interview: "Solange die Verträge gut sind, würde ich natürlich noch bleiben"

Von Julius Ostendorf
Dennis Schröder
© getty

Dennis Schröder ist in seine elfte NBA-Saison gestartet. Bei seinem neuen Team, den Toronto Raptors, nimmt der Point Guard eine Schlüsselrolle ein - und erfüllt diese aktuell in bester Manier.

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Im exklusiven Interview mit SPOX spricht Schröder über seinen Saisonstart mit den Toronto Raptors, die Unterschiede zwischen Kanada und den USA, die Olympischen Spiele 2024 in Paris und die Möglichkeit, dass Maxi Kleber zur deutschen Nationalmannschaft zurückkehrt.

Der Braunschweiger äußert sich außerdem zu seiner Zukunft in der NBA und einem möglichen Comeback in der BBL.

Herr Schröder, knapp acht Wochen wohnen Sie mittlerweile in Toronto. Wie haben Sie sich bisher eingelebt?

Dennis Schröder: Toronto ist eine schöne Stadt. Wir leben ein bisschen außerhalb. Unsere Nachbarn und die Leute hier in der Umgebung sind sehr, sehr höflich. Die Kinder haben am Wasser viel Spaß, es gibt jede Menge Spielplätze und man kann viel unternehmen. Auch meine Frau Ellen findet es sehr gut. Es ist sehr europäisch. Dazu sind die Raptors eine Top-Franchise, die mich ein wenig an die Zeiten in OKC erinnert. Spielerisch versuchen wir als Team noch ein bisschen mehr zusammenfinden, aber da machen wir Fortschritte. Soweit ist alles sehr, sehr cool für mich.

Haben Sie bereits Unterschiede zwischen den USA und Kanada oder auch speziell zwischen Toronto und anderen NBA-Städten feststellen können?

Schröder: Ja, das Essen. Ich habe hier zwar auch einen Koch, der Essen zubereitet, aber wenn man hier zum Beispiel bestellt, ist schon ein großer Unterschied bei der Qualität im Vergleich zum amerikanischen Essen erkennbar. Auch die Menschen sind hier anders. Bis jetzt fühlt es sich so an, als wären sie wirklich sehr loyal, sehr freundlich. In den USA finde ich das manchmal ein bisschen oberflächlich. Die Häuser sehen eigentlich genauso aus wie in den USA, aber manche Straßen, da denke ich mir, 'das ist vielleicht Berlin'. Aber für mich ist es so oder so egal, wo ich bin. Im Endeffekt bin ich eh nur in der Halle oder zu Hause. Aber natürlich machen wir manchmal auch ein paar Ausflüge mit der Familie.

Aus Braunschweig in die NBA: Nur zwei Positionen nach Giannis wurde Dennis Schröder 2013 von den Atlanta Hawks ausgewählt.
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Dennis Schröder: Immer auf der Suche nach "Teamchemie wie bei der Nationalmannschaft"

Kommen wir zum Sportlichen. Das ist jetzt Ihre sechste Station in der Liga, Sie spielen Ihr elftes Jahr. Wenn man Ihnen 2013 gesagt hätte, dass Sie in zehn Jahren immer noch in der Liga spielen, hätten Sie das geglaubt?

Schröder: Nicht wirklich. Es heißt, dass ein Spieler sich durchschnittlich drei, vier Jahre in der Liga hält. Dass ich hier als Braunschweiger in mein elftes, und dann hoffentlich in mein zwölftes Jahr gehe, das ist crazy. Meine ganze Geschichte, wie ich das von Braunschweig aus geschafft habe und immer noch hier bin, ist unglaublich. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich das jeden Tag so erleben kann. Und meine Familie natürlich auch. Mein Sohn, der immer bei den Spielen ist, kann allen Spielern 'Hallo' sagen und Bilder mit dem gegnerischen Team machen. Das ist schon Wahnsinn, dass man mit seinen Kindern und der Familie solche Einblicke teilen kann.

Von all den Mannschaften und Saisons in Ihrer Karriere, an welche erinnern Sie sich am liebsten zurück?

Schröder: Ich hatte schon ein paar Stationen, wo ich gesagt habe: 'Boah, hätte ich das genauso, dann würde ich mich freuen'. Diese Teamchemie, wie bei der Nationalmannschaft, das ist immer das, wonach ich suche. Dass es wirklich immer Spaß macht, zum Training zu kommen, dass die Leute sich freuen. Das war vor allem in meinem zweiten Jahr in Atlanta der Fall. Das hat in meinem Rookie-Jahr angefangen, aber im zweiten Jahr hat es noch mehr Spaß gemacht, weil ich dann auch gespielt habe. Die Teamchemie, die wir dort hatten, war unschlagbar - ähnlich wie bei der Nationalmannschaft diesen Sommer. Obwohl es da sogar nochmal einen Tick besser war. Dass man sowas aber auch in der NBA haben kann, war schon echt verrückt.

In Atlanta haben Sie auch die meiste Zeit in ihrer Karriere verbracht ...

Ich muss aber auch sagen, dass meine Jahre in OKC sehr viel Spaß gemacht haben. Und dann auch in Los Angeles, weil du mit LeBron James, mit dem besten Spieler auf der Welt spielst, und viel mit ihm unternommen hast. Diese Franchise hat diese Siegermentalität, das ist sehr cool gewesen. Letztlich war es bei keinem Team so, dass ich mir dachte 'Ich muss jetzt wieder zurück nach Deutschland.' Dennoch sind mir diese drei Stationen im Kopf hängengeblieben und ich denke darüber natürlich noch nach. Auch Toronto ist bisher sehr, sehr positiv. Ich hoffe, dass ich hier auch länger bleiben kann.

Dennis Schröder hat einen Zweijahresvertrag bei den Toronto Raptors unterschrieben.
© twitter.com/raptors

Dennis Schröder mit den Toronto Raptors: "Dann ist es wirklich schwer uns zu stoppen!"

Von welchen Mitspielern haben Sie am meisten mitgenommen? Wer war Ihr liebster Mitspieler?

Schröder: Jared Dudley. Er war [bei den Lakers] der, der die Mannschaft zusammengebracht und die Kommunikation an sich gerissen hat, ein toller Mitspieler. Auf jeden Fall auch Kyle Korver, Al Horford, Paul Millsap, Jeff Teague, eigentlich das ganze Atlanta-Team. Die haben mich positiv beeinflusst. Gleiches gilt für Lou Williams, der aus Atlanta kommt. Ich war damals 18, 19 Jahre alt und der hat mir dann die Stadt gezeigt, sodass ich mich dort wohlfühle. Jeff Teague hat mir beim Spielerischen sehr viel geholfen und sagte schon damals: 'Du wirst eine sehr, sehr lange Karriere haben!' Er war immer ein Supporter. Deswegen bin ich genauso ein Supporter für alle anderen, die jetzt neu reinkommen. Ich hatte einen guten Veteranen, der mir gezeigt hat, was man tun muss und dass man das natürlich auch genießen soll und muss. Das versuche ich den jungen Spielern jetzt beizubringen.

Sind in den all den Jahren Ihrer NBA-Karriere auch Freundschaften abseits des Feldes entstanden?

Schröder: Nicht sehr viele. Aber einer meiner besten Freunde ist John Jenkins. Der ist leider nicht mehr in der Liga. Der spielt jetzt bei Ignite, dem G-League-Team in Las Vegas. Außerdem würde ich noch Mike Muscala nennen, der jetzt in Washington spielt. Mit ihm wurde ich zusammen gedraftet. Wir sind weiter gut befreundet und er war auch bei meiner Hochzeit vor vier Jahren.

Kommen wir zu Ihrem aktuellen Team zurück. Hinsichtlich des Kaders ranken sich ja zahlreiche Gerüchte. Pascal Siakam und O.G. Anunoby werden nächste Saison Free Agents. Glauben Sie, dass die Raptors jetzt in dem Zustand eine relevante Rolle in den Playoffs spielen können, dass alle Teile dafür zusammen sind?

Schröder: Wir haben acht Verträge, die auslaufen. Das ist natürlich immer eine schwierige Situation. Aber ich glaube, dass wenn man alles zusammen als Team macht, die Chemie stimmt. Wenn wir zum Beispiel so spielen, wie wir das beim Sieg in Indiana gezeigt haben, dann ist es wirklich schwer, uns zu stoppen. Der Coach, Darko [Rajakovic], macht einen sehr guten Job, uns alle zusammenzuschweißen. Er hat mich dafür geholt, dass wir das Ganze zusammenbringen. Du willst deinen besten Basketball im März/Anfang April spielen und eine Chance haben, in die Playoffs zu kommen. Das ist unser Ziel. Wir sind noch in der Findungsphase, um zu verstehen, was wir bringen müssen, um in jedem Spiel erfolgreich zu sein. Wenn wir das gefunden haben, dann ist alles möglich. Das habe ich diesen Sommer gemerkt. Wenn man wirklich Teamchemie hat, das wirklich als Team genießt und jeder Spieler sich auch wirklich in die Rolle versetzt, in der er sein will beziehungsweise der Coach will, dass er in der Rolle ist, dann kann man wirklich alles schaffen. Deswegen bin ich guter Dinge. Ich glaube, dass wir einfach Tag für Tag unseren Job machen müssen, jeder in den Spiegel gucken und sagen muss 'Okay, was kann ich bringen, um erfolgreich zu sein?' Dann funktioniert das auch.

Toronto Raptors: Diese Verträge laufen im Sommer aus

SpielerAlterGehalt 23/24Anmerkung
Pascal Siakam2937,9 Mio.Unrestricted Free Agent
O.G. Anunoby2618,6 Mio.Spieler-Option (19,9 Mio.)
Gary Trent Jr.2518,6 Mio.Unrestricted Free Agent
Thaddeus Young358,0 Mio.Unrestricted Free Agent
Otto Porter Jr.306,3 MioUnrestricted Free Agent
Precious Achiuwa244,4 Mio.Restricted Free Agent
Malachi Flynn253,9 Mio.Restricted Free Agent
Garrett Temple372,0 Mio.Unrestricted Free Agent

Glauben Sie, dass Ihr Kader im März/April, immer noch genauso aussehen wird wie in diesem Moment? Ende Februar ist die Trade Deadline.

Schröder: In den letzten zehn Jahren habe ich neun Mal gehört, dass Leute sagen, 'Dennis wird jetzt weggeschickt' und ich wurde einmal getradet. Es ist immer Gerüchteküche. Jeder schreibt, jeder will relevant sein, aber es ändert nichts. Wir in der Kabine finden uns sehr stark und ich glaube, dass wir mit dem Team viel erreichen können. Aber nichtsdestotrotz ist das auch ein Business. Und das habe ich nach zehn Jahren verstanden. Wenn sich etwas ändert, muss man nach vorne schauen und weitermachen. Im Endeffekt werden sich die Verträge nicht verändern. Das bleibt gleich. Du spielst am Ende immer noch in der NBA. Du bist immer noch einer von 400 Leuten auf der Welt, die in der NBA spielen. Natürlich ist es eine Umstellung, die du machen musst. Aber du spielst in der besten Liga der Welt und in einem Trade gehst du dann zu einem anderen Team, welches dich haben möchte. Das ist vielleicht auch nochmal eine bessere Situation für denjenigen, der getradet wird. Ich hoffe, dass das Team zusammenbleibt, aber garantiert ist nichts.

Dennis Schröder
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Dennis Schröder: Fairness bei Trades? Gibt es in der NBA nicht immer

Wie geht man denn als Spieler damit um, vom einen zum anderen Tag möglicherweise von der einen Seite des Kontinents zum anderen umziehen zu müssen?

Schröder: Man muss professionell damit umgehen. Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich habe auch mein eigenes Team in Braunschweig und wenn du ein Teambesitzer und General Manager bist, dann willst du, dass alle Sachen für dich sprechen und du günstig dabei wegkommst, die Spieler zu holen und zu verhandeln. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass man fair mit den Leuten umgehen muss und sagt 'Hör mal zu, das ist das, was wir von dir erwarten, was wir von dir brauchen' beziehungsweise 'Hör mal zu, dieses Jahr wird es schwierig für dich. Vielleicht bist du auf dem Trade-Block und wir werden dich zu einem Team traden, wo dich jemand auch brauchen würde, wo du dann spielen kannst.' Diese Fairness gibt es in der NBA nicht immer, wenn man glaubt, was alles geschrieben wird.

Mussten Sie selbst diese Erfahrung auch schon machen? Man hört ja immer wieder davon, dass Spieler im Fernsehen oder Internet vom Trade erfahren und erst im Anschluss vom Franchise informiert werden.

Schröder: Es ist schon echt verrückt. Es gab auch schon Spieler, die ein Spiel gespielt haben, dann wurden sie nicht mehr eingesetzt und in der Halbzeit bekommen sie gesagt, dass sie getradet wurden. Eigentlich braucht es da ein bisschen Respekt, indem man sagt: 'Hör mal zu, wir arbeiten gerade an einem Deal, setz mal dieses Spiel aus.' Diese Kommunikation ist sehr wichtig. Weil wenn du als Spieler sagst, ich will nicht bei dem Team unterschreiben, sagen auf einmal die Medien 'Dennis will nicht.' Es darf keine Einbahnstraße sein und muss doch irgendwie fair über die Bühne gehen.

Kommen wir nochmal auf die aktuelle Saison zu sprechen. Das Rennen um den Championship ist ausgewogen wie selten. Wer holt am Ende den Titel?

Schröder: Ich hoffe wir. Es gibt aber viele brutal starke Mannschaften. Boston ist ein sehr starkes Team. Dass sie Jrue Holiday geholt haben, war ein guter Move. Golden State ist immer mit dabei. Milwaukee, Phoenix, Philly spielt auch sehr gut. Die Denver Nuggets werden für die nächsten drei, vier Jahre sehr stark sein. Wenn dein Superstar so hart spielt und auch den richtigen Basketball spielt, dann ist es sehr schwer, so ein Team zu schlagen. Ich glaube, da sind schon echt sehr viele Teams, die gefährlich sind. Aber auch wir. Wenn wir wirklich richtig spielen, wie zuletzt gegen Boston, - da waren wir -16 zur Halbzeit und haben nur mit drei verloren - haben wir eine Chance wirklich jeden zu schlagen. In der NBA ist es schwierig zu gewinnen. Egal gegen wen du spielst, da können beide Teams gewinnen. Am Ende kommt es darauf an, wer die meisten Stops bekommt und wer den Ball mehr reinschmeißt.

Sie sagten, hier in Toronto eine Führungsrolle ähnlich wie bei der Nationalmannschaft übernehmen zu können, war für Sie ein Anreiz, das Team zu wechseln. Wie versuchen Sie diesem Anspruch gerecht zu werden? Auch in Bezug darauf, dass Sie anders als beim DBB-Team neu dabei sind.

Schröder: Jeder kennt mich oder kannte mich schon, vor allem, weil wir auch die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Die wertschätzen es, dass du aus Europa kommst. Das ist nochmal so eine Sache in Kanada. Die Leute kennen mich schon seit zehn Jahren in der NBA, was ich bringe und was ich tue. Und dann habe ich noch einen Coach auf meiner Seite, der mir wirklich vertraut und will, dass ich dieses Team nach vorne bringe. Das dauert natürlich. Bei der Nationalmannschaft hat es auch wirklich sehr lange gedauert. Letztes Jahr und dieses Jahr Medaillen mitzunehmen, dafür haben wir acht, neun Jahre gekämpft und ich glaube, dass wir das Gleiche hier auch machen können. Natürlich müssen wir das hier ein bisschen schneller hinkriegen. (lacht) Ich versuche proaktiv zu sein, wenn es sein muss und wir nicht den richtigen Basketball spielen oder zu ruhig sind. Ich glaube, dass das schon sehr wichtig ist, dass ich und die Veteranen versuchen, das Ganze jeden Tag Stück für Stück zusammenzubringen.

Dennis Schröder ist der Kapitän des DBB-Teams.
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Dennis Schröder: Bei Olympia "muss man auch realistisch sein"

Thema Nationalmannschaft: Was bedeutet es Ihnen persönlich, nach den Erfolgen bei EM und WM im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen auflaufen zu können?

Schröder: Das ist im Basketball wirklich das größte Turnier und Deutschland da repräsentieren zu können - ich kann es eigentlich mit Worten nicht beschreiben. Es wird auf jeden Fall geil werden. Es ist eines der besten Gefühle, die es gibt, zu relativ normalen Zeiten spielen zu können, wo die Leute wirklich supporten und das sehen können. Wie bei der WM, dass alle dabei sind, alle mitfiebern und sagen 'Hey, kommt, ihr gewinnt das Ganze', dafür spiele ich Basketball. Ich glaube, dass die Olympischen Spiele, weil ich es auch noch nie gemacht habe, nochmal so eine krasse Erfahrung sein werden. Für mich und alle anderen.

Was ist denn in Paris jetzt der Schlüssel, an den WM-Erfolg anknüpfen zu können? Und wie schätzt du auch die Chancen mit Blick zum Beispiel auf dieses prominente Team der USA ein?

Schröder: Teamchemie. Das ist das, was ich immer sage. Das Commitment, das, was wir uns vor zwei Jahren vor der Heim-EM gegeben haben. Jeder Einzelne weiß, dass wir so erfolgreich waren, weil wir eine verschworene Einheit waren und weil wir es genossen haben, zusammen zu sein. Wir wussten, egal wer spielt, egal, wer drauf ist, egal gegen wen wir spielen, wir können hier gewinnen, weil wir zusammenhalten und weil wir als Team spielen. Das hat mich so fasziniert an dieser Gruppe, dass ich gesagt habe: 'Hier wird keiner sein, der uns rausschlagen kann.' Nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen muss man realistisch sein. Wenn die ganzen NBA-Stars aus den USA kommen sollten, dann wird es natürlich sehr, sehr schwierig. Aber, hoffen wir, dass wir die dann erst im Finale, wenn es so weit geht, kriegen (lacht). Im Basketball kannst du das bessere Team sein, aber wenn jemand am Ende den Ball rein schmeißt, dann kann er trotzdem das Spiel noch irgendwie umdrehen. Deswegen muss man da auf jeden Fall zusehen, bei jedem Spiel mit breiter Brust rauszugehen und zu sagen, wir können dieses Spiel gewinnen. Das haben wir in diesem Sommer gezeigt. Und das wollen wir natürlich weiterführen.

Reunion bei Olympia? Maxi Kleber und Dennis Schröder könnten im kommenden Jahr erneut zusammen im DBB-Dress auflaufen.
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Dennis Schröder: "Einen Maxi Kleber braucht jedes Team"

Sie haben gerade schon das große Wort Commitment angesprochen. Ein Spieler, der jetzt bei der WM nicht dabei war, war Maxi Kleber. Ist eine Teilnahme von ihm nächstes Jahr denkbar?

Schröder: Er hat mir beim Spiel in Dallas gratuliert. Es war das erste Mal, dass ich mit ihm gesprochen habe. Er hat mir in die Augen geguckt und gesagt: 'Hey, Glückwunsch zum Sieg, auch zum MVP. Ich bin stolz auf dich.' Da sage ich, er hat sich mit uns gefreut. Ich dachte damals nur, dass ich die Leute beschütze, die letztes Jahr bei der EM dabei waren. Das war mein einziger Anhaltspunkt, dieses Team vielleicht wieder zusammenzubringen. Einen Maxi Kleber braucht jedes Team. Er spielt Defense, macht das Feld breit, holt Rebounds und kann Alley Oops verwerten. Er ist sich auch nicht für die Drecksarbeit zu schade. Ich habe mich beim letzten Mal nicht richtig ausgedrückt, wo die Leute in den Medien dann natürlich durchgedreht sind. Es ist die Entscheidung vom Coach. Aber wir haben nichtsdestotrotz Gold geholt und wir müssen natürlich aufpassen, wen wir mitnehmen und was wir machen. Aber ich werde nicht dafür bezahlt, die Entscheidung zu treffen, das macht der Coach.

Kommen wir zu einem anderen Spieler, auf den Sie in dieser Saison getroffen sind: Victor Wembanyama. Was waren Ihre Gedanken nach dem ersten Duell mit ihm und was trauen Sie ihm in seiner Karriere noch zu?

Schröder: Er ist so verdammt groß und athletisch und kann trotzdem dribbeln. So etwas habe ich noch nie gesehen. Er scheint auch ein guter Typ zu sein. Ich meine, er kommt aus Europa. Das ist halt immer noch mal so ein Anhaltspunkt. Er hat Mentoren wie Tony Parker, Boris Diaw, jetzt auch Tim Duncan. 'Sky is the limit' für ihn und noch sogar weiter als das. Ich glaube, dass er eine sehr gute Karriere haben wird. Und wünsche ihm natürlich alles Gute. Der kann echt etwas ganz Besonderes werden.

Neu ist nicht nur Wembanyama, sondern auch das In-Season Tournament. Viele sehen das Turnier zunächst kritisch. Was ist Ihre Meinung dazu?

Schröder: Ich finde es geil, weil ich Fußballfan und mit Pokalwettbewerben wie dem DFB-Pokal oder dem FA-Cup aufgewachsen bin. Ich glaube, dass die NBA da etwas Geiles aufbaut. Natürlich braucht das etwas Zeit, aber ich finde den Modus mit den sechs Gruppen á fünf Teams richtig gut. Dass das Final Four in Las Vegas ist, ist auch cool. Wir sind für dieses Jahr raus, aber das ist schon ein geiles Gefühl. Ich bin aber immer dafür, dass es Wettbewerbe gibt, wo jeder eine Chance hat. K.o.-Spiele sind immer etwas Besonderes und das wird in Las Vegas sicher richtig viel Spaß machen.

Dennis Schröder lief bereits von 2010 bis 2013 für die Braunschweiger Löwen auf. Mittlerweile ist er der Hauptgesellschafter seines Jugendvereins..
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Dennis Schröder über BBL-Comeback: "Möchte deutsche Meisterschaft angreifen"

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie sich vorstellen können, am Ende Ihrer Karriere nochmal für Ihre Braunschweiger Löwen aufzulaufen. Wann erreichen Sie diese Phase?

Schröder: Ich will keine Zahl dranhängen. Ich habe immer gesagt 35, ich bin jetzt 30. Ich will mich wirklich gut fühlen, wenn ich in Braunschweig spiele und will natürlich auch oben mit angreifen. Solange die Verträge immer noch gut sind und ich eine gute Rolle in der NBA habe, werde ich natürlich noch bleiben. Wie schon gesagt, ich genieße jeden Tag, den ich hier bin. Es ist ein Segen hier zu sein. Aber natürlich werde ich am Ende meiner Karriere in Braunschweig spielen und Braunschweig auch repräsentieren. Ich versuche natürlich so gut wie möglich und so lange wie möglich in der NBA zu spielen. Aber wenn ich zurück gehe, möchte ich auf jeden Fall noch einmal um die deutsche Meisterschaft spielen.

Dennis Schröder: Seine Stationen in der NBA

SaisonTeamMinutenPunkteFG%3P%AssistsRebounds
13/14Hawks13,13,738,323,81,91,2
14/15Hawks19,710,042,735,14,12,1
15/16Hawks20,311,042,132,24,42,6
16/17Hawks31,517,945,134,06,33,1
17/18Hawks31,019,443,629,06,23,1
18/19Thunder29,315,541,434,14,13,6
19/20Thunder30,818,946,938,54,03,6
20/21Lakers32,115,343,733,55,83,5
21/22Celtics/Rockets28,713,543,134,44,63,3
22/23Lakers30,112,641,532,94,52,5
23/24Raptors31,615,943,535,37,03,0
GESAMT6 Teams27,014,143,433,74,72,9