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NBA Mailbag: Die größten Win-Win-Trades der Geschichte und was bei den Detroit Pistons schiefläuft

Von Robert Arndt
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Unser NBA Mailbag ist zurück und dabei beschäftigen wir uns mit Trades, die für beide Teams ein Volltreffer waren. Zudem blicken wir auf die Detroit Pistons, die schon wieder im Keller der Eastern Conference feststecken.

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Und: Wie bewerten wir das neu eingeführte In-Season-Tournament und wo wir noch Luft nach oben sehen.

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NBA - Anthony Davis für Kyrie Irving - wer sagt Nein?

MandMs: Anthony Davis für Kyrie Irving. Wer sagt Nein? War der Sabonis-Haliburton-Trade einer der wenigen Trades der NBA-Geschichte, den beide Seiten gewonnen haben?

Zu Teil eins der Frage: Die Lakers würden das ablehnen, Davis ist schlichtweg der bessere Spieler. Natürlich würde Irvings Shot Creation das Leben für LeBron James deutlich leichter machen, allerdings müsste man sich dann fragen, wer in diesem Team eigentlich verteidigen soll.

Davis war in den vergangenen Playoffs der mit Abstand beste Verteidiger und ist so nicht zu ersetzen, auch wenn seine offensive Produktion häufiger schwankt. Und wer nun sagt, dass Davis zu oft verletzt ist, dem sei gesagt: Seit 2019 hat Davis 210 Partien für die Lakers absolviert, Kyrie kommt auf lediglich 176.

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NBA - Haliburton für Sabonis als Win-Win-Trade

Der zweite Teil der Frage ist etwas komplexer. Fakt ist, dass viele die Kings für den Trade an den Pranger stellten (auch ich). Dennoch bleibe ich bei der Meinung, dass die Pacers auf lange Sicht der Gewinner dieses Deals sind. Es gibt dennoch gute Argumente dafür, dass dies ein Win-Win-Trade ist.

Hier haben wir noch einmal die Details des Trades aus dem Februar 2022:

Der Trade zwischen Sacramento und Indiana in der Übersicht

Kings erhaltenPacers erhalten
Domantas SabonisTyrese Haliburton
Jeremy LambBuddy Hield
Justin HolidayTristan Thompson
Zweitrundenpick 2027-
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NBA - Win-Win-Trades der Geschichte

Und hier habe ich mal noch drei Trades, bei denen beide Teams profitiert haben, das Ganze ohne Reihenfolge. Es gibt sicherlich mehr, vor allem kleinere Transaktionen, aber das würde dann auch den Rahmen sprengen.

Kevin Johnson für Larry Nance (1988)

  • Suns erhalten: Kevin Johnson, Mark West, Tyrone Corbin, Erstrundenpick (Dan Majerle)
  • Cavs erhalten: Larry Nance, Mike Sanders, Erstrundenpick 1988 (Randolph Keys)

Bei Cleveland war Mark Price auf der Eins gesetzt, stattdessen entwickelte sich der damalige Rookie Johnson in Phoenix zu einem All-Star und half mit, dass die Suns 1992 erstmals die Finals erreichten.

Cleveland füllte dagegen mit Sanders und vor allem Nance die Lücke auf dem Flügel und galt neben den Bulls als das aufstrebende Team im Osten. Und wer weiß: Wären die Bulls nicht gewesen, hätte Cleveland in den folgenden Jahren mal einen Run starten können. Zwischen 1988 und 1994 scheiterten die Cavs gleich fünfmal an Michael Jordan und Co.

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Paul George für Victor Oladipo und Domantas Sabonis (2017)

  • Thunder erhalten: Paul George
  • Pacers erhalten: Victor Oladipo, Domantas Sabonis

Der zweite Deal, in den Sabonis involviert war, war ebenso eine gute Sache für beide Teams. Sabonis war in OKC eine Stretch Four und damit völlig fehl am Platz, erst in Indiana blühte der Litauer zunächst als Backup-Center und dann als Starter auf. Ähnlich war es mit Oladipo, der bis zu seiner schweren Verletzung auf All-NBA-Niveau agierte. Die Pacers mussten nicht in den Rebuild und zwangen unter anderem LeBrons Cavs in ein Spiel sieben.

Die Thunder bekamen dagegen mit George Westbrooks neuen Co-Star, wenig später kam auch Carmelo Anthony hinzu. Man kann OKC hier wenig vorwerfen, der George-Trade war sinnvoll und leitete ungewollt auch den Rebuild ein, da PG-13 zwei Jahre später für ein Monsterpaket (u.a. Shai Gilgeous-Alexander und jede Menge Picks) zu den Clippers weitergereicht wurde.

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Alonzo Mourning für Glen Rice (1995)

  • Hornets erhalten: Glen Rice, Matt Geiger, Khalid Reaves, Erstrundenpick 1996
  • Heat erhalten: Alonzo Mourning, LeRon Ellis, Pete Myers

Mourning wollte seinen Vertrag in Charlotte nicht verlängern, der Konflikt mit Larry Johnson war am Kochen (später flogen zwischen beiden die Fäuste) und so mussten sich die Hornets vom Star-Center trennen, um noch einen Gegenwert zu erhalten. Das war damals Glen Rice, einer der besten Schützen seiner Zeit, der in Charlotte dreimal in Folge All-Star wurde.

Miami entwickelte sich mit Mourning zu einem starken Team im Osten, aber auch die Hornets gewannen mit Rice in zwei von drei Jahren mehr als 50 Spiele. Mourning wurde übrigens im Jahr darauf mit Vlade Divac ersetzt, als man die Draft-Rechte an Kobe Bryant abgab.

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NBA - Das In-Season-Tournament darf als Erfolg gewertet werden

Hoax7: Seht ihr (bzw. die NBA-Öffentlichkeit) den beabsichtigten positiven Einfluss des IST auf die RS?

Ich finde schon und das klingt auch bei den meisten Spielern durch. Von den 52 absolvierten Spielen wurden satte 32 nur einstellig gewonnen. Man kann also festhalten, dass die Partien umkämpft waren und gewissermaßen auch die Saison ein bisschen auflockern. Dennoch gibt es hier noch viel Luft nach oben, ich liste mal ein paar Dinge auf:

  • Die Courts dürfen gerne weniger grell sein, vor allem bei Teams mit Rot im Logo
  • Wer auch immer glaubte, dass In-Season-Tournament ein griffiger Name ist, dem muss geholfen werden. Ich schätze, dass man hier auf einen Namensgeber wartet. Warum nicht einfach "NBA Cup" (so heißt jetzt die Trophäe) und den Pokal "David Stern Cup" nennen?
  • Man hätte hier die Divisionen wieder ein bisschen aufwerten können. Das Seeding-System mit Töpfen braucht bei all den Transaktionen im Sommer eigentlich niemand, stattdessen hätte man die Gruppen auch einfach mit den sechs Divisionen bilden können. Stärkere und schwächere Gruppen bekommt man auch mit dem Seeding-System. Warum also nicht Rivalitäten stärken?
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Klar dürfte aber auch sein, dass die NBA nicht davor zurückschrecken wird, Dinge zu verändern. Für den Moment stehen die Indiana Pacers und die Los Angeles Lakers als Viertelfinalisten fest, sie repräsentieren genau die Intention dieser Veranstaltung. Die großen Lakers und die kleinen Pacers, die eher nicht im Titelrennen zu verorten sind und trotzdem die Chance auf einen Titel haben.

So würden übrigens Stand jetzt die Viertelfinals aussehen:

  • Pacers vs. Knicks
  • Bucks vs. Magic
  • Lakers vs. Suns
  • Kings vs. Pelicans

Es gibt natürlich keine Garantie, dass es so kommt, aber auf den ersten Blick sind das doch vielversprechende Matchups. Es ist schön zu sehen, dass Teams am Ende nicht nur die Uhr herunterlaufen lassen, weil sie wissen, dass die Punktedifferenz entscheidend sein kann. Da es mit der Regular Season verwoben ist, entstehen auch keine echten Nachteile. Man kann sicher weiter argumentieren, dass man dieses Turnier nicht braucht, aber solange die Spieler und Teams Interesse daran haben, diesen Cup zu gewinnen, hat er seine Berechtigung.

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Kukiki: Haben Wemby, Chet und Co. Zion bereits den Rang abgelaufen als 'the Next Big Thing'? Medial hört man wenig über Zion. Er spielt auch gut (und regelmäßig), aber dominant ist gefühlt auch anders.

Das ist natürlich immer sehr subjektiv, aber wie sagte Barney Stinson stets? "New is always better." Natürlich spielt auch eine Rolle, dass Williamson noch nicht den Sprung zu einem echten Superstar geschafft hat. Die Ansätze waren immer da, allerdings waren es oft nur Ansätze. Ich würde auch damit argumentieren, dass wir Peak Zion noch nicht in der NBA erleben durften. Wie Williamson bei Duke offensiv wie defensiv das Spiel diktierte, war schon einzigartig.

Gewissermaßen sind auch die Medien hier ein Faktor. Zion wurde enorm gehypt, konnte diese Erwartungen wegen seiner Verletzung nie wirklich erfüllen. Nun hat Williamson langfristig in New Orleans verlängert und produziert konstant (wie in der Frage angerissen) ohne echte Ausreißer nach oben oder unten. Dennoch dürfte es wieder für ein All-Star-Team reichen, das dritte in fünf Jahren. Das schaffen auch nicht viele, doch bei Zion wurde einfach mehr erwartet.

Das ist mal eine hohe Latte, die es zu überspringen gilt. Wir wollen nicht unken, aber auch Holmgren und Wembanyama könnten sich verletzten, ersterer verpasste deswegen seine Rookie-Saison. Wir können schlichtweg nicht in die Zukunft schauen und das Ungewisse ist immer spannender als das, was wir bereits kennen. Und wer weiß: Vielleicht dominieren alle drei in fünf Jahren die NBA, auch das ist möglich. Aber weil wir Holmgren, der übrigens nicht einmal zwei Jahre jünger als Zion (23) ist, oder Wembanyama eben erst jetzt in einem NBA-Umfeld sehen, generiert das für den Moment mehr Hype, mehr Aufmerksamkeit.

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NBA - Der Rebuild der Detroit Pistons stockt

DonArco: Was läuft falsch in Detroit? Klar sind ne Menge Verletzungen da, aber warum steht man schon wieder am Ende der EC, obwohl vielversprechende Talente da sind?

Die Niederlagenserie steht bei 14 Partien und konnte nicht einmal im Kellerduell gegen die Wizards gestoppt werden. Viele hatten gehofft, dass Detroit unter Neu-Coach Monty Williams endlich den nächsten Schritt macht, davon sind die Pistons aber weit entfernt. "Wir sind einfach schlecht", bilanzierte Cade Cunningham nach der elften Pleite in Serie völlig richtig.

Verletzungen spielen wie angesprochen eine Rolle, hier mal die Ausfallliste:

  • Bojan Bogdanovic: noch kein Spiel absolviert
  • Monté Morris: noch kein Spiel absolviert
  • Jalen Duren: fehlte 7 Spiele mit einer Knöchelverletzung
  • Joe Harris: fehlte 9 Spiele mit einer Knöchelverletzung
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Vor allem der Ausfall von Bogdanovic schmerzt, er löst viele Probleme der Pistons, weil er einer der wenigen Scorer im Kader ist. Morris sollte Stabilität im Backcourt bringen, Harris Shooting (allerdings: bislang nur 6/19 von draußen).

Detroit hat mit Cunningham (Nr. 1-Pick 2021), Jaden Ivey (Nr. 5-Pick 2022), Ausar Thompson (Nr. 5-Pick 2023), Isaiah Stewart oder Jalen Duren (Nr. 13-Pick 2022) viel Talent angehäuft, welches so aber nicht zusammenpasst. Außer Stewart trifft keiner mehr als ein Drittel seiner Distanzwürfe und der Big Man spielt für den Moment auf der Vier, obwohl er als Center besser aufgehoben wäre.

Vieles ist noch nicht ausgegoren, Williams sucht noch die passenden Rotationen. In einer idealen Welt baut Detroit um Cunningham und Center Duren sein Team auf, sie haben in diesem Rebuild am meisten gezeigt, das ist aber nicht passiert (Beweisstück A). Das ist auch keine Kritik. Im Zweifel nimmt man im Draft immer den besten verfügbaren Spieler und kümmert sich dann später um den Fit. Dass Detroit aber Back-to-Back mit Ivey und Thompson zwei schwache Schützen auswählte, hilft der Sache nicht. Und wenn wir auf den Draft blicken, dann waren die Optionen für Detroit an 5 auch nicht sonderlich besser:

Pick20222023
5Jaden IveyAusar Thompson
6Bennedict MathurinAnthony Black
7Shaedon SharpeBilal Coulibaly
8Dyson DanielsJarace Walker
9Jeremy SochanTaylor Hendricks
10Johnny DavisCason Wallace
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So hat Detroit weite Baustellen auf allen Positionen. Da wäre die Frage, wer neben Cunningham starten soll? Williams wählte mit Killian Hayes zunächst die defensive Variante, der Franzose ist aber offensiv kaum tragbar. Nun darf sich Jaden Ivey, der Nr. 5-Pick von 2022 versuchen, der aber ebenfalls ein wackeliger Schütze und defensiv ein Loch ist.

Thompson ist ein toller Flügelverteidiger, hat aber auch einen fürchterlichen Wurf. Alternativen sind rar gesät, Harris und Isaiah Livers wären, wenn fit, Alternativen. Und dann ist da noch das Big-Man-Bingo der Ex-Top-2-Picks. Sowohl Marvin Bagley III als auch James Wiseman haben weiterhin nicht gezeigt, dass sie gute Rotationsspieler sein können. Warum Bagley über drei Jahre je 12,5 Millionen Dollar jährlich bekommt, bleibt das Geheimnis von GM Troy Weaver. Das Wiseman-Experiment dürfte dagegen spätestens im Sommer enden.

Das alles sorgt dafür, dass die Pistons gefühlt auf der Stelle treten. Cunningham hat keine ideale Voraussetzungen, um zu glänzen, allerdings ist er auch im dritten Jahr bisher den Beweis schuldig geblieben, dass er der beste Spieler eines Playoff-Teams sein kann. Ich war eigentlich immer ein Cade-Believer, aber Cunningham fehlt bisweilen die Leichtigkeit in seinem Spiel, ein Go-to-Move, auf den er sich verlassen kann.

Detroit steuert so womöglich auf ein Dilemma zu, welches Kings-Fans bestens kennen. Einerseits sind die Pistons besser als die klaren Tanking-Teams, aber auch nicht gut genug für einen Playoff-Push. Das ist ein kleiner Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.