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NBA - Uwe Blab im Interview: "Es war mir gar nicht bewusst, dass Jordan weniger Punkte hatte als ich"

Uwe Blab spielte vier Jahre für die Dallas Mavericks.

Zusammen mit Detlef Schrempf war Uwe Blab der erste Deutsche, der in der NBA zum Einsatz kam. Im Interview mit SPOX spricht der heute 60-Jährige über seinen Zugang zum Basketball, den Weg in die NBA, einen Korb für den legendären Coach Mike Krzyzewski sowie über Trainingseinheiten mit David Robinson.

1985 wurde Detlef Schrempf von den Dallas Mavericks an Position acht als erster Deutscher der NBA-Geschichte gedraftet. Wenige Minuten und neun Picks später zogen die Dallas Mavericks mit Uwe Blab aber noch einen weiteren Deutschen.

Der heute 60-Jährige, der aufgrund seiner Größe von 2,16 Meter und der roten Haare auf dem College den Spitznamen "Burning Skyscraper" bekam, machte insgesamt 235 Spiele in der NBA und spielte nach seiner Zeit in Dallas auch noch für die Golden State Warriors und die San Antonio Spurs. Heute lebt Blab in der Nähe von Austin, Texas und ist als Programmierer tätig.

Für SPOX ließ der ehemalige Center des DBB seine Karriere Revue passieren und erinnerte sich an legendäre College-Duelle mit Michael Jordan, Trainingseinheiten mit David Robinson, den jungen Gregg Popovich und wie ein Biergarten-Besuch seine Karriere überhaupt erst ins Rollen brachte.

Herr Blab, 1993 haben Sie für ALBA Berlin ihr letztes Spiel gemacht. Was machen Sie inzwischen, wo erreichen wir Sie?

Uwe Blab: Direkt nach der Karriere bin ich mit meiner Familie umgesiedelt. Wir wohnen jetzt in Austin, Texas, und haben uns dort ein Haus gebaut. Es gefällt mir hier weiter ganz gut, wenn man mal von der Politik absieht. Aber das ist eine andere Sache.

Wie kommt es, dass Sie zurück in die Staaten gegangen sind, obwohl Sie Ihre Karriere in Deutschland ausklingen haben lassen? Sie sind auch nicht der einzige deutsche Ex-NBA-Spieler, der in Texas sesshaft geworden ist.

Blab: Ich bin nicht der Einzige? Ach ja, der Dirk wohnt hier auch?

Der wohnt auch in Texas ...

Blab: Ah ok. Ich habe mich für Texas entschieden, weil ich die amerikanische Größe mag. Ein weites Land, weniger Leute pro Quadratmeter. Ich wollte schon immer mein eigenes Stück Land haben und ein bisschen außerhalb wohnen. In Deutschland ist das etwas schwieriger. Außerdem hatte ich in den USA bessere berufliche Chancen. Ich bin sofort nach der Karriere in die Software-Entwicklung eingestiegen, da hatte Austin viel zu bieten.

Sie sind gebürtiger Münchner. Wie sah denn damals die Basketball-Szene in Bayern in den 70ern aus? Wie sind Sie überhaupt zu dem Sport gekommen?

Blab: Es ist recht simpel, ich war sehr groß - genau wie meine Schwester. Die hat zuerst gespielt, da war ich ungefähr 13 Jahre alt. Zwei Jahre später habe ich dann für mich entschieden, auch anzufangen und bin einem Verein beigetreten. Ich hatte den Vorteil, viel mit meiner Größe zu arbeiten, weil ansonsten konnte ich kaum etwas. Zwei Jahre später bin ich dann schon in die USA, aber richtige Skills hatte ich da noch nicht entwickelt.

Wie wurden Sie denn überhaupt entdeckt?

Blab: Das war reiner Zufall. Ich war eigentlich verletzt, aber trotzdem in der Halle, als meine Mannschaft gegen eine amerikanische High School gespielt hat. Nach dem Spiel waren wir alle im Biergarten und haben uns ein wenig kennengelernt. Irgendwann kam ein Mann auf mich zu - das war der Vater einer der Spieler - und fragte mich frech: "Hey, willst du für ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika kommen?" So hat das Ganze anfangen. Ich habe später auch bei ihm gewohnt, er war mein amerikanischer Gastvater.

Ihre Gastfamilie wohnte in Effingham, Illinois. Ich war noch nie da, aber das klingt eine Stufe kleiner als München.

Blab: Effingham hatte damals glaube ich 3.000 Einwohner, der Unterschied war gewaltig. Um Effingham herum war auch keine große Stadt oder ähnliches. Es war ein Ort im Nichts, aber ich habe das nicht als Kulturschock wahrgenommen. Sprachlich war das etwas schwieriger, aber auch da habe ich schnell gelernt.

Sie blieben letztlich aber nicht nur ein Jahr ...

Blab: Ich bin nach dem Austauschjahr trotzdem geblieben. Das war eine schwere Entscheidung, hatte aber folgenden Hintergrund: Ich hätte dann zwei Jahre auf dem Gymnasium verpasst und nicht mehr dorthin gedurft. Es war also eine Entscheidung über fünf Jahre, für High School und College. Ich wusste, dass ich mit einem Stipendium kostenlos studieren könnte, da bereits einige College-Coaches an mir interessiert waren. Und dann habe ich mich einfach dort wohler gefühlt, schulisch und auch persönlich.

Sie haben sich schließlich für Indiana entschieden, obwohl Sie eigentlich einer anderen Uni eine Zusage gemacht hatten.

Blab: Das stimmt, ich wollte eigentlich zu Duke, weil die vor allem akademisch so hoch angesehen waren. Mike Krzyzewski war damals gerade erst Coach geworden - ich glaube, es war sein zweites Jahr. Duke galt noch nicht als so ein großes College wie heute und mein Gastvater hat mir das ausgeredet. Für ihn war der Coach zu unbekannt und er wollte, dass ich stattdessen auf ein College gehe, das näher an Effingham war. So wurde es dann eben Indiana.

So wurde nicht Coach K, sondern Bobby Knight Ihr Coach, der ja nicht weniger bekannt ist. Erzählen Sie doch mal: War er wirklich so ein harter Hund, wie ihn die Medien immer skizzierten? Sein Stuhlwurf ist auch heute noch legendär.

Blab: Ich kann über Coach Knight keine schlechten Dinge sagen. Dass er ein harter Coach war und dass man bei ihm hart arbeiten musste, ist klar. Wenn man das nicht tat, dann musste man sich eben was anhören. Ich sehe es aber so, dass er uns aufs Leben vorbereiten wollte - wie ein Feldwebel beim Militär. Er ist verantwortlich, dass seine Soldaten überleben und deswegen wurden wir so hart behandelt.

Gibt es für Sie die eine klassische Knight-Geschichte, die ihn am besten beschreibt?

Blab: Da gibt es jede Menge, aber nehmen wir doch mal die Stuhl-Geschichte. Da war ich auch auf dem Feld. Wir haben damals Freiwürfe auf der anderen Seite geworfen, als Knight das machte. Das Video dazu ist sehr interessant. Knight war sehr klug und war in seinem Verhalten sehr berechnend. Diesen Stuhl hat er vermutlich bewusst geschmissen, weil er ihn kaum geworfen und eher geschoben hat. Wichtig ist auch der Kontext. Sportlich waren wir in dieser Zeit sehr schlecht. Wir hatten viel verloren und in der Presse wurde viel diskutiert, wer spielt und wer nicht spielt. Durch den Stuhlwurf lenkte er über ein, zwei Wochen das Medieninteresse komplett auf sich und nahm uns aus der Schusslinie.

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