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NBA

NBA - Isaiah Thomas startet Comebackversuch: Wie sich der Ex-MVP-Kandidat vom "schlimmsten Jahr" seines Lebens zurückkämpfen will

Von Lino Wilczewski
Isaiah Thomas avancierte in der Saison 2016/17 bei den Boston Celtics zum MVP-Kandidaten.
© getty

Bei einem missglückten Korbleger-Versuch landete Timberwolves-Center Karl-Anthony Towns im März 2017 mit vollem Gewicht auf Isaiahs Hüfte. Im ersten Moment erschien die Blessur für IT und den medizinischen Stab nicht gravierend genug, um den ambitionierten Star inmitten des Rennens um den Conference-Thron auf Eis zu legen. Als die Playoffs vor der Tür standen, war ihm aber eigentlich klar, dass die Schmerzen nicht verschwinden würden: "Kein Zweifel, ich hätte die Playoffs aussitzen sollen", gab Thomas später gegenüber Sports Illustrated zu.

Dass er sich stattdessen eine weitere Kortisonspritze in die Hüfte setzen ließ, hatte nicht nur mit sportlichem Ehrgeiz zu tun. Nur einen Tag bevor die Celtics ihre Postseason gegen die Chicago Bulls eröffneten, kam Isaiahs jüngere Schwester Chyna bei einem Autounfall ums Leben - der Basketballcourt wurde sein Rückzugsort.

"Basketball war das Einzige, was es mir erlaubte, für zwei bis drei Stunden einen klaren Kopf zu bekommen," sagte Thomas: "Zuhause hätte ich nur rumgesessen und an meine Schwester gedacht, was nur geschmerzt hätte."

Während IT zwischen den Playoff-Spielen immer wieder quer durchs Land flog, um gemeinsam mit seiner Familie in Seattle zu trauern, führte er sein Team in den gelegentlichen Stunden der Ablenkung mit 23,3 Punkten und 6,7 Assists bis in die Conference-Finals gegen Cleveland - mit seiner 53-Punkte-Performance in Runde 2 gegen Washington als sportlichem Höhepunkt. Erst gegen die Cavs wurde ihm ein Riegel vorgeschoben, die Verletzung war zu schwer, um weiterzuspielen.

So klischeehaft es auch klingen mag, Thomas hatte in diesen Playoffs sein ganzes Herz auf dem Spielfeld gelassen. Der Dank dafür: Nur ein paar Wochen später verschiffte Boston den eigentlichen Publikumsliebling eiskalt im Tausch für Kyrie Irving nach Cleveland. Das Business Basketball in seiner hässlichsten Fratze.

Isaiah Thomas: Das beste und das schlimmste Jahr

"Nichts davon hat irgendeinen Sinn ergeben. Auch heute nicht", sagte Thomas rückblickend. Seine Saison, die so stark begonnen hatte, endete in einem Strudel voller Schmerz: "Das war das beste Jahr meiner Karriere. Und das schlimmste Jahr meines Lebens."

In Cleveland angekommen, stand IT vor der Wahl: Operieren oder nicht operieren? Mit einem lukrativen Maximalvertrag im darauffolgenden Sommer in Aussicht entschied er sich dagegen - zu hoch war das Risiko, durch eine OP die 177 Millionen Dollar zu gefährden. "Es gibt einfach nicht viele 1,75 Meter großen Typen, die es in die NBA schaffen", sagte Thomas. "Ich hatte Angst, Teams würden sagen: 'Okay, wir finden einfach jemand anderen."

Von diesem Punkt ist leider relativ schnell erzählt, wie IT vom All-Star zum Dauer-Free-Agent wurde. Seine Hüfte verschliss immer stärker, Cleveland tradete ihn noch in derselben Saison zu den Lakers, die mehr an seinem auslaufenden Vertrag als an seinen basketballerischen Fähigkeiten interessiert waren, und aus dem erhofften Zahltag wurde nichts.

Stattdessen heuerte er in den kommenden beiden Jahren für jeweils eine Saison und wenig Geld in Denver und Washington an, bis er schließlich Anfang 2020 zu den Clippers getradet wurde, die seinen Vertrag nach nur drei Tagen auflösten.

Isaiah Thomas: "Ich kann wieder dunken"

Eine lange Auszeit, eine längst überfällige Operation und ein Zehntagesvertrag bei den Pelicans später versucht IT in diesem Sommer, Teams durch Workouts und seine Pro-Am-Auftritte davon zu überzeugen, dass er näher am All-Star-Isaiah dran ist als am Isaiah der Denver- und Washington-Jahre - ob man ihm das abkauft, hängt wohl ganz von der Betrachtungsweise ab.

So könnte man etwa bemängeln, dass Thomas mit seinen 81 Punkten in der von Jamal Crawford organisierten Amateurliga nicht unbedingt Verteidigern wie Jrue Holiday oder Kawhi Leonard gegenüberstand, sondern Noah Williams und Jaylyn Richardson - zwar gute College-Basketballer, aber weit entfernt vom NBA-Niveau. Darüber hinaus ist die Liste der kleinen Spieler, die von einer so schweren Verletzung erfolgreich zurückkehrten, nicht allzu lang.

Auf der anderen Seite hat sich die Medizin in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, laut des zuständigen Chirurgen stehe es um ITs Gesundheit so gut wie lange nicht mehr. Mechanisch sei er wieder auf dem gleichen Stand wie vor seiner Verletzung oder wie Thomas selbst es ausdrückte: "Ich kann wieder dunken. Ich habe seit drei oder vier Jahren nicht mehr gedunkt."

Dazu kommt, dass wohl keine Franchise vom 32-Jährigen erwarten wird, seine Teamkollegen Huckepack zu nehmen und wie zu besten Celtics-Zeiten in die Conference Finals zu schleppen. Die Lakers beispielsweise, für die er bereits ein Workout absolviert haben soll, dürften sich über ein paar Körbe von der Bank sicherlich freuen. Dafür war er selbst bei seiner letzten richtigen Station in Washington noch gut.

Egal ob am Ende des Sommers mehr als ein Workout herausspringt oder nicht - wieder dauerhaft in der NBA Fuß zu fassen, wird nicht leicht für Thomas. Aber es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass er eine hohe Hürde überwunden hätte. Und jetzt kann er immerhin wieder springen.

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