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NBA: Was wäre, wenn? Das vergessene Blazers-Superteam mit LaMarcus Aldridge, das nicht sein durfte

Brandon Roy und LaMarcus Aldridge waren gemeinsam Rookies bei den Portland Trail Blazers.

LaMarcus Aldridge hat seine Karriere aufgrund von gesundheitlichen Problemen beendet. Die Laufbahn des 35-Jährigen hinterlässt vor allem jede Menge Fragezeichen - womit es gleich zu Beginn bei den Portland Trail Blazers anfing.

Die Karriere von LaMarcus Aldridge, die am Donnerstag abrupt aufgrund von Herzproblemen beendet wurde, ist eine Geschichte von verpassten Chancen. Sie ist in allererster Linie vom schlechten Timing geprägt: Dass er mit den Brooklyn Nets eine exzellente Chance auf seine erste Finals-Teilnahme gehabt hätte, ist da nur ein Beispiel.

Auch die 2016/17er Saison, als die Spurs 61 Spiele gewannen und in den Conference Finals Spiel 1 dominierten, bevor Kawhi Leonard auf dem Fuß von Zaza Pachulia landete und im Anschluss ausfiel, gehört in jede Karriere-Retrospektive des wurfstarken Bigs. Hätte dieses Team als einziges 2017 die Durant-Warriors vor echte Probleme gestellt? Man wird es nie erfahren.

Das größte What If, die größte verpasste Chance spielte sich jedoch weder in Brooklyn noch in San Antonio ab - noch nicht einmal im vergangenen Jahrzehnt. Ganz zu Beginn seiner Karriere spielte Aldridge für ein Team, das eine Ära hätte prägen können. Er war Teil einer Dynastie, die nie zustande kam.

Roy und Aldridge belebten die Blazers wieder

Im Jahr 2006 erreichten die Blazers ihren Tiefpunkt. Das Team, das zu Beginn des Jahrtausends noch um die Finals mitgespielt hatte, vergraulte wenig später in seiner "JailBlazers"-Ära Scharen von Fans und verlor seine Relevanz. Nur 21 Siege gab es in der Spielzeit für ein Team, in dem der damals noch junge Zach Randolph mit 18 Punkten Topscorer war. Doch der Draft sollte Abhilfe schaffen.

Portland verfügte über insgesamt drei Picks und fädelte am Draft-Abend mehrere Trades ein, die unterm Strich dafür sorgten, dass sowohl der Nr.2-Pick aus Chicago (Aldridge, für den unter anderem Nr.4 Tyrus Thomas abgegeben wurde) sowie der Nr.6-Pick aus Minnesota (Brandon Roy, für Randy Foye getradet) nach Oregon kamen. Es waren exzellente Deals, wie sich bald herausstellen sollte.

Portland Trail Blazers: Die Lottery bringt "Glück"

Aldridge brauchte seine Zeit, zumal er hinter Randolph zumeist auf der Bank Platz nehmen musste, Roy hingegen entpuppte sich von Beginn an als Hauptgewinn. Aufgrund von Knieproblemen war er im Draft etwas gefallen, doch der Shooting Guard war mit 16,8 Punkten der beste Rookie seines Jahrgangs. Portland gewann 32 Spiele, es ging bergauf. Zumal dann auch noch das große Glück hinzukam - vermeintlich.

Die Lotterie-Bälle meinten es 2007 gut mit den Blazers. Obwohl Portland nicht tankte und obwohl es fünf Teams mit einer schlechteren Bilanz gab, erhielten sie den Nr.1-Pick in einem Draft, der als potenziell transformativ galt. Es war ein Zwei-Spieler-Rennen zwischen Greg Oden, einem elitären Center-Prospect, und Kevin Durant, zu dem man heute nicht mehr viel sagen muss.

Portland wählte Oden, den sie trotz seiner medizinischen Vorgeschichte, die bereits am College bestand, als unverzichtbar ansahen. Randolph wurde weggeschickt - nun sollte es nur noch um die junge, aufregende Big Three gehen. Roy, Aldridge und Oden sollten das Fundament für die zweite Meisterschaft der Blazers-Geschichte nach 1977 bilden. Doch dazu kam es nie.

Die Dynastie, die nicht sein sollte

"Ich, Brandon und Greg", sagte Aldridge später einmal. "Ich erinnere mich an eine Vision von uns Dreien, und das war etwas Besonderes. Wir waren so jung, wir hatten so viel Zeit, um Chemie aufzubauen, so viel Zeit, um zu wachsen und besser zu werden. Ich habe uns drei mit mehreren Ringen gesehen. Mindestens einem. Aber es lief einfach nie zusammen."

An Aldridge selbst lag das nicht: Als er zum Starter wurde, avancierte er prompt zum Dauerbrenner in Portland, der von 2007 bis 2012 kaum Spiele verpasste und mit der Zeit zum 20-Punkte-Scorer und All-Star reifte. Zu Beginn seiner Karriere hatte er viel zu lernen, doch schon bald gehörte er zu den dominanteren Lowpost-Optionen der NBA - sein Turnaround-Jumper wurde zur legitimen Waffe, gerade mit dem charakteristisch hohen Release.

Die Teamkollegen jedoch wurden schnell vom Verletzungspech einge- und überholt. Oden verpasste sein Rookie-Jahr komplett, insgesamt stand der Center über sechs Jahre lediglich 82mal - also eine Regular Season - für die Franchise auf dem Court, die ihn zum Heilsbringer erkoren hatte. Sein Potenzial blitzte ansatzweise auf, doch es reichte nur für insgesamt 105 NBA-Spiele.

Roy konnte mehr zeigen, wurde dreimal All-Star und erreichte zwei All-NBA-Teams. 2010 bekam er von Kobe Bryant das ultimative Kobe-Lob: "Er hat keine Schwächen in seinem Spiel. Ich habe ihm gesagt, dass er außer mir selbst der einzige Spieler ist, den ich kenne, der keine Schwächen hat." Doch auch seine Karriere war schnell vorbei.

Nur LaMarcus Aldridge bleibt bei den Trail Blazers übrig

Die Knieprobleme, die ihn schon am College beschäftigt hatten, meldeten sich zurück: Nach mehreren Operationen wurden die 2011er Playoffs, in denen er gegen Dallas in der ersten Runde für ein Spiel die Uhr zurückdrehen konnte, bereits seine Abschiedstournee. 2011 beendete Roy nach fünf Jahren seine Karriere (ein späteres Comeback dauerte fünf Spiele) und hinterließ Fragezeichen.

Und eben Aldridge. Zum Start der 2011/12er Saison war der L-Train auf einmal das Aushängeschild des Teams, nachdem er zuvor nach innen und außen höchstens als Nummer zwei gegolten hatte. Aldridge hat das angeblich sauer aufgestoßen, wie auch der Fakt, dass der ein Jahr später auftauchende Damian Lillard ihm das Rampenlicht prompt wieder abnahm.

All das hat wohl mit dazu geführt, dass er als Free Agent 2015 nach San Antonio wechselte. Wie auch der Misserfolg: Aldridge gewann in insgesamt neun Jahren bei den Blazers nur eine Playoff-Serie (2013/14 gegen die Rockets). Auch 2015, als Portland vielleicht das stärkste Team seiner Ära versammelt hatte, wurde die Saison durch einen Achillessehnenriss von Wesley Matthews torpediert.

Was wäre, wenn?

Es passte zu einer Zeit, in der sich Aldridge als einer der besten Spieler der NBA etablierte und dennoch eher unter dem Radar lief. Es lässt sich nur darüber spekulieren, ob das anders gelaufen wäre, wenn Roy, Oden und er gemeinsam hätten wachsen können. Das Potenzial war da - von den 62 Spielen, die alle drei zusammen auf dem Court standen, gewann Portland 50. Und der Löwenanteil davon kam in Odens Rookie-Saison.

"Wenn die drei alle noch da und gesund wären", sagte Nate McMillan, der frühere Blazers-Coach, als er 2018 auf die verlorene Dynastie angesprochen wurde, "... wenn wir bis jetzt keinen Titel hätten, wäre das ... die Verletzungen von Brandon und Greg haben diese Organisation beinahe verkrüppelt."

Aldridge tritt nun, etliche Jahre nach seinen beiden ehemaligen Co-Stars, als siebenmaliger All-Star und fünfmaliger All-NBA-Spieler ab - es ist recht wahrscheinlich, dass ihn seine Karriere, sein unheimlich konstanter Output von 2007 bis 2020 in die Hall of Fame bringen wird. Wobei das für den Moment nicht entscheidend ist.

Seine gesundheitlichen Probleme wurden offensichtlich zu einem Zeitpunkt entdeckt, an dem der 35-Jährige selbst eine schwierige, aber sicherlich richtige Entscheidung treffen konnte. Für jemanden, der im Lauf seiner Karriere so oft Pech mit dem Timing hatte, wird das am Ende wichtiger sein als alles andere.

NBA: Die Karrierestatistiken von LaMarcus Aldridge

TeamSaisonsSpiele / MinutenPunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Trail Blazers9648 / 35,519,48,41,948,527,6
Spurs6376 / 32,219,58,02,050,233,8
Nets15 / 26,012,84,82,652,180,0
Karriere151029 / 34,219,48,22,049,132,1
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