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NBA

NBA-Legendenserie - Manute Bol: Löwentöter, Mysterium, Blockmaschine - und so viel mehr

Manute Bol blockte in seiner Rookie-Saison fünf Würfe im Schnitt.
© getty

Manute Bol: Ein elitärer Ringbeschützer

Derweil kreierte Bol in den USA einen kleinen Hype um seine Person. In der Preseason blockte er alle drei (!) Minuten einen Wurf und auch in den ersten echten Spielen fand kein Team eine Lösung gegen diese Anomalie. "Wenn er noch kräftiger wird, kann ihn keiner mehr stoppen", prophezeite Knicks-Center Patrick Ewing und auch Celtics-Coach K.C. Jones sah in Bol einen Franchise Player: "Ich sage euch, dass sie mit diesem Jungen einen Titel gewinnen können."

Was sie alle übersahen: Bol konnte lediglich eine Sache richtig gut, und das waren eben Blocks beziehungsweise Ringschutz. In Bridgeport spielte Bol stets in einer Zonen-Verteidigung, welche in der NBA damals verboten war. So kassierten die Bullets wegen Bol tonnenweise "Illegal Defense"-Pfiffe, darüber hinaus konnte Bol nicht Mann-gegen-Mann verteidigen, weil sein Körperschwerpunkt so hoch war und er kaum Kraft in den Beinen (welche über 1,20 Meter lang waren) hatte.

Seine Rebound-Zahlen waren für einen Center unterirdisch. Bol galt als "Projekt", weil er offensiv ebenfalls sehr roh war und außer einem kleinen Hakenwurf keinerlei Moves anbieten konnte. So wurde er gewissermaßen auch zu einem Ziel. Die Celtics sammelten untereinander 10.000 Dollar, die derjenige bekommen sollte, welche als Erster über Bol dunken würde. Es gelang allerdings niemanden.

Manute Bol: Mehr Blocks als Punkte

Und Bol war selbst kein Kind von Traurigkeit, sondern auch ein gewandter Trash-Talker. "Hast du kein Kabelfernsehen? Hat es dir niemand gesagt? Niemand dunkt über Manute B-O-L!", sagte Bol seinen Gegenspielern, wenn er mal wieder einen Wurf geblockt hatte.

397 Blocks (5,0 im Schnitt!) waren es in seiner Rookie-Saison, nur Jazz-Center Mark Eaton gelangen in einer NBA-Saison offiziell mehr (456, 1984/85; zu Zeiten von Bill Russell und Wilt Chamberlain wurden Blocks nicht gezählt). Die Bullets erreichten in ihren drei Jahren mit Bol immer die Playoffs, allerdings war auch immer in der ersten Runde Schluss. Bols Spielzeit sank dabei Jahr für Jahr, zumal die Franchise ihm Hall of Famer Moses Malone vor die Nase setzte.

Doch aufgrund seiner Rookie-Saison hatte Bol weiter Fans in der Liga und so landete der Big Man 1988 bei den Golden State Warriors von Coach Don Nelson, wo er zu einer netten Randnotiz der sich anbahnenden Run-TMC-Ära wurde. Nelson ermutigte den Hünen, der in seinen drei Jahren in der Hauptstadt gerade einmal drei Dreier genommen hatte, Distanzwürfe zu versuchen.

Fast einen pro Spiel nahm Bol und traf immerhin 22 Prozent. "Nellie sagte mir, dass ich werfen solle, wenn ich es für einen guten Wurf halten würde." Es wurde ein Gimmick, die Fans forderten Bol nun vermehrt auf zu werfen, oft spielte er aber nur in der Garbage Time.

Manute Bol: Mehr als nur Basketball

Die Sixers investierten 1990 trotzdem einen Erstrundenpick, um den längsten NBA-Spieler in den Kader zu holen. "Er kommt auf das Feld und verändert alles. Jeder muss seine Offense anpassen, bei keinem anderen Spieler muss man das machen", frohlockte Sixers-Coach Jimmy Lynam.

Dort traf Bol auf einen anderen Paradiesvogel, nämlich Charles Barkley, welcher stets mit großem Respekt über Bol sprach: "Viele Leute bemitleiden ihn, weil er so groß ist und merkwürdig läuft. Aber ich sage euch eins: Wenn jeder so wie Manute Bol wäre, wäre das eine Welt, in der ich leben möchte."

So war Bol vermutlich nach seiner Karriere beschäftigter, als es noch während seine NBA-Zeit war. Er besuchte so oft es ging sudanesische Flüchtlingscamps, er gründete eine eigene Stiftung. 2002 unterschrieb Bol sogar einen Vertrag bei einem Eishockey-Team, obwohl er überhaupt nicht skaten konnte. Stattdessen nutzte er die gesteigerte Aufmerksamkeit, um Geld für Kinder zu sammeln.

Apropos Kinder: Bol eiferte gewissermaßen auch seinem Großvater nach (zur Erinnerung: 30 Frauen, 80 Kinder) und zeugte mit zwei Frauen insgesamt zehn Kinder, darunter auch Bol Bol, der 2019 ein Zweitrundenpick war und inzwischen im Kader der Denver Nuggets steht.

Manute Bol: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamMinutenPunkteFG%ReboundsBlocks
85/86Bullets26,13,746,06,05,0
86/87Bullets18,93,144,64,43,7
87/88Bullets14,82,345,53,62,7
88/89Warriors22,13,936,95,84,3
89/90Warriors17,51,933,13,73,2
90/91Sixers18,61,939,64,33,0
91/92Sixers17,81,538,33,12,9
92/93Sixers14,72,240,93,32,1
93/94Heat/Sixers/Bullets8,30,621,11,31,1
94/95Warriors16,23,060,02,41,8

Manute Bol: Sein Vermächtnis bleibt

Im Spätherbst seiner Karriere sah Bol kaum noch Spielzeit. Nach seiner Entlassung 1993 bei den Sixers absolvierte er in zwei Jahren nur noch 19 Partien für Miami, Washington, wieder Philadelphia und erneut Golden State. Danach spielte Bol noch in einigen kleineren Ligen und widmete sich anderen Dingen.

Seine rund sieben Millionen Dollar, die er über seine Karriere erspielte, gab er komplett für seine humanitären Projekte aus, was ihm 2004 beinahe zum Verhängnis wurde. Bei einer Taxifahrt war Bol in einen Unfall verwickelt, das Auto überschlug sich und der alkoholisierte Fahrer starb. Bol hatte Glück und überlebte nach einigen Tagen im Koma, obwohl er kein Geld für eine Krankenversicherung hatte.

Sechs Jahre später verstarb Bol aufgrund eines Nierenversagens, seine Leiche wird inzwischen im Süd-Sudan aufbewahrt. Seine Geschichte wird für immer weiterleben. Bol entkam der Armut im Sudan, verlor aber nie seine Werte. Als er seine erste Frau heiratete, schenkte er ihrer Familie 80 Kühe. Politisch blieb er engagiert und protestierte mehrfach in Washington gegen die radikale Regierung in seiner Heimat.

Bol war mit sich im Reinen, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, die nur aufgrund ihrer Größe zum Basketball kamen: "Meine Größe hat mich nie gestört. Es ist ein Geschenk Gottes und man muss damit leben, was man bekommt", wischte der Center jegliches Selbstmitleid weg. "Ich hatte eine gute Zeit. Ich hoffe, sie werden mich als guten Jungen in Erinnerung behalten, der hart gespielt hat. Ich war nicht Michael Jordan, aber ich war jemand, den sie Manute Bol nannten."

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