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NBA

NBA-Legendenserie - John Havlicek: Der vergessene Superstar

John Havlicek gewann mit den Boston Celtics insgesamt acht Meisterschaften
© getty

Beispiellose Pferdelunge

Es war vor allem diese Ausdauer, die ihn von jedem anderen Spieler abhob. Havlicek war in dieser Hinsicht ein Wunder der Natur. Er wurde einfach nicht müde. In jedem Fastbreak war er als erster vorne, im Setplay standen seine Füße nie still, defensiv war er schnell und gleichzeitig kräftig genug, um drei Positionen zu verteidigen.

Hondos Pferdelunge ist in der Liga-Geschichte nahezu beispiellos, am ehesten würde vielleicht noch Allen Iverson einem Vergleich gerecht werden. Tatsächlich kam er schon mit einem anomal großen Lungenvolumen auf die Welt, ein "Nein" in der Kindheit war ebenfalls hilfreich: Später sagte er einmal, er habe als Kind immer neben seinen Kumpels herrennen müssen, weil die Eltern ihm kein Fahrrad kaufen wollten.

Die unfassbare Ausdauer sowie die starken athletischen Voraussetzungen ermöglichten es Havlicek, an der High School nicht eine, nicht zwei, sondern drei Sportarten auf All-State-Niveau zu betreiben. Obwohl er dann am College nur noch Basketball spielte, drafteten ihn die Cleveland Browns 1962 mit dem Ziel, ihn zum Wide Receiver zu machen.

"Ich wollte beide Sportarten betreiben", blickte Hondo später zurück. Er schaffte es nach einigen Einsätzen in der Preseason jedoch nicht in den endgültigen Kader. "Gott hat mir klar gemacht, dass ich für Basketball und nicht für Football bestimmt war." Dort war seine Ausdauer - neben vielen anderen Qualitäten - in der Tat Gold wert.

John Havlicek: Assistent von Russell

Sie ermöglichte es ihm, als Ü-30-Spieler zwei Saisons in Folge die NBA bei den Minuten anzuführen. Oder '69 und '72 jeweils mehr als 47 Minuten pro Spiel in den Playoffs auf dem Parkett zu stehen. Sie ermöglichte es Havlicek auch, in den 1974er Finals unmenschliche 289 von 291 möglichen Minuten zu spielen und Finals-MVP zu werden. Noch 1976, damals war er 35, spielte er in Spiel 5 der Finals 58 Minuten, obwohl ihm die Ärzte eigentlich nicht mehr als 25 erlaubt hatten.

Sein Spielverständnis und seine Vielseitigkeit standen der Ausdauer derweil in Nichts nach. Als Auerbach General Manager wurde und Russell als Spielertrainer übernahm, wurde Hondo de facto zu seinem Haupt-Assistenten, der sich im Wesentlichen um die Offense kümmerte.

Er selbst war dabei vielleicht der größte Luxus, den der Trainer Russell hatte. "Da Havlicek das ganze Spiel über mit Höchstgeschwindigkeit agieren und problemlos mehrere Positionen übernehmen kann, erlaubt er es Russell, jeden müden oder kalten Spieler mit dem besten Bankspieler zu ersetzen, unabhängig von dessen Position", erklärte Frank Deford von der Sports Illustrated Hondos Rolle bei den Celtics der 60er-Jahre.

Der legendäre Knicks-Coach Red Holzman gab sich einmal konsterniert: "Allein schon mit seiner Ausdauer wäre er einer der besten Spieler aller Zeiten gewesen. Es wäre denen, die gegen ihn spielen oder coachen müssten, gegenüber fair gewesen, wenn er nur diese unmenschliche Ausdauer gehabt hätte. Stattdessen musste Gott noch einen draufsetzen, indem er aus ihm einen guten Scorer, cleveren Ballhandler und intelligenten Verteidiger machte, der zudem auch noch schnellen Verstand, schnelle Hände und schnelle Füße hatte."

John Havlicek: Vom Schüler zum Lehrer

Nachdem Russell 1969 als größter Gewinner in der Geschichte des amerikanischen Sports aufhörte, änderte sich auch für Havlicek einiges. "In meinen ersten sieben Saisons war ich sowas wie das Kind im Team. Auf einmal wurde ich dann zum 'alten Typen', auf den die ganzen Youngster hören sollten. Das war nicht einfach für mich", blickte Hondo 2009 in einem großen Interview mit Celtic Nation zurück.

Diese kurze Rebuild-Phase dauerte allerdings nicht lange. Ebenso wie es Russell, Cousy, Tom Heinsohn und Sam Jones für ihn getan hatten, zeigte Hondo den Neulingen wie Dave Cowens, Jo Jo White oder Don Chaney nun, was "Celtic Pride" bedeutete und wie man sich in der erfolgsverwöhnten Franchise zu verhalten hatte. Mit dem unangefochtenen Leader Havlicek stellte sich schon bald wieder Erfolg ein.

Schon '72 und '73 hatte es für die beste Bilanz im Osten sowie die Conference Finals gereicht, '74 und '76 gewann Hondo dann seine Titel sieben und acht. Nur Russell und Jones haben mehr. Er hinterlässt ein Vermächtnis, das für sich spricht - sollte man meinen.

Jerry West: "Ein echter Superstar"

Wenn nach den besten Swingmen der Geschichte gefragt wird, würden den meisten Leuten wahrscheinlich trotzdem zehn Spieler eher einfallen, bevor sie auf den Mann verweisen, der nach John Wayne benannt war.

Jeder hat seine Favoriten, und das ist auch richtig so. Aber man sollte bei jeder Bestenliste nicht vergessen, dass in den 60ern und 70ern einer spielte, der jede Definition eines Superstars erfüllte und der unter den Spielern mehr Respekt genoss als fast jeder andere.

"Superstar ist ein schlechtes Wort", sagte Jerry West einmal, als er nach seinem langjährigen Rivalen gefragt wurde. "In unserer Liga sieht man Jungs, die durch die Beine dribbeln und spektakulär spielen, und sagt: 'Das ist ein Superstar'. Ich sage euch: Havlicek ist ein echter Superstar. Die meisten anderen sind den Gedanken irgendwelcher Schreiberlinge entsprungen."

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