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Olympia

Slalom-Kanutin Funk gewinnt erstes deutsches Olympia-Gold

SID
Ricarda Funk hat die erste Goldmedaille für Deutschland geholt.

Mit vollem Risiko ins pure Glück: Slalom-Kanutin Ricarda Funk hat mit einem wilden Tanz durch den Stangenwald den Bann gebrochen und dem deutschen Olympia-Team am vierten Wettkampftag die lang ersehnte erste Goldmedaille beschert.

Im Kajak-Einer gelang der Sportsoldatin im Kasai Canoe Slalom Centre ein nahezu perfekter Finallauf, mit über einer Sekunde Vorsprung vor Rio-Siegerin Maialen Chourraut (Spanien) und ihrer Dauerrivalin Jessica Fox (Australien) feierte Funk den größten Erfolg ihrer Karriere.

Als ihr Triumph feststand, schlug die ursprünglich aus der vom Hochwasser schwer getroffenen Region Bad Neuenahr stammende Kanutin im Zielraum die Hände vor dem Kopf zusammen. Es flossen Tränen. "Es ist unglaublich, das ist der Wahnsinn", sagte Funk sichtlich aufgewühlt: "Ich kann es nicht glauben. Es war mein Traum und jetzt ist mein Traum Realität geworden. Es ist einfach fantastisch. Mega!"

Die deutschen Slalom-Kanuten bleiben damit nach dem Traumstart mit der Bronzemedaille von Sideris Tasiadis weiter auf der Erfolgswelle. Funk profitierte bei ihrem Erfolg auch von zwei Stangenberührungen von Topfavoritin Fox.

"Es war eine Mischung aus technischen Möglichkeiten und Nervenstärke. Großes Lob an Ricarda", sagte Thomas Konietzko, Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV): "Ich hoffe, das gibt dem gesamten Team Deutschland Auftrieb und Mut."

Funk mit emotionalem Gruß an Flutopfer

Funk, die in Bad Neuenahr-Ahrweiler geboren wurde, dachte im Moment ihres Triumphs auch an die so schwer von der Flutkatastrophe betroffene Heimat: "Ich habe auch einige Male Tränen vergossen. Es ist einfach unfassbar, was da passiert ist. Ich schicke ganz viel Liebe nach Hause. Der Kreis Ahrweiler ist stark, gemeinsam schaffen wir das."

Ihre Eltern leben noch heute im nur wenige Kilometer entfernten Bad Breisig, helfen bei den Aufräumarbeiten mit. "In den letzten Wochen waren meine Gedanken schon sehr oft zu Hause. Ich fand es einfach nur schrecklich, all die Bilder zu sehen, die mich stündlich erreicht haben", so Funk.

Obendrein dachte sie an ihren verstorbenen Trainer Stefan Henze, der bei den Olympischen Spielen in Rio an den Folgen eines Autounfalls ums Leben gekommen ist. "Er ist tief in meinem Herzen. Er ist immer mitgefahren. Bei jedem Training. Bei jedem Wettkampf. Und er gibt mir immer noch meine Tipps", so Funk.

 

Funk: "Wie Tanzen auf dem Wasser"

Die Wahl-Augsburgerin hatte sich vor dem Rennen mit konkreten Medaillenambitionen zurückgehalten. "Ich träume davon, bei den Olympischen Spielen an der Startlinie zu sitzen und dann DEN Lauf zu haben", sagte sie 29-Jährige.

Schon in den Vorläufen unterstrich die Europameisterin von 2018 dann mit Rang zwei ihre Topform. Im Halbfinale behielt sie nach zwei Stangenberührungen im oberen Teil der kniffligen Strecke die Nerven, qualifizierte sich letztlich trotz vier Strafsekunden als Dritte souverän für den Endlauf.

Funk vereint Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft wie kaum eine andere Slalom-Kanutin, dazu kommt eine ganz besonderes Körpergefühl. Denn neben dem Kanu-Sport war das Tanzen bis zu ihrem 14. Lebensjahr ihr großes Hobby, vom Training mit ihrer Karnevalsgruppe profitiert sie bis heute.

Die Slalom-Läufe mit dem Kajak empfindet sie "wie Tanzen auf dem Wasser", sagte die Athletin des KSV Bad Kreuznach einst.

Funk hatte mit Olympia eine Rechnung offen

Mit Olympia hatte die Perfektionistin noch eine Rechnung offen. Denn 2016 in Rio musste Funk zuschauen, obwohl sie im selben Jahr Gesamtweltcupsiegerin wurde. Daraus zog sie den Ansporn noch besser zu werden - und blickte dafür auch viel über den Tellerrand hinaus. Sie schloss ihr Bachelorstudium in Medien und Kommunikation ab, las viele Biografien wie zuletzt die von Michelle Obama. "Sie sind Inspirationsquellen für mich", erklärte Funk.

Und auch dank dieser Inspiration fand sie in Tokio die Erfolgsspur und veredelte den Traumstart der deutschen Slalom-Kanuten. Mit Hannes Aigner (Augsburg) im Kajak und Canadier-Weltmeisterin Andrea Herzog (Meißen) schickt der DKV in den ausstehenden Wettbewerben noch zwei weitere Medaillenkandidaten ins Rennen.

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