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Fussball

DFB-Team: Mut zur Lücke in der Startelf? Drei prominente Namen wackeln

Von SPOX

Das DFB-Team steht bei der WM 2022 in Katar vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Costa Rica. Bundestrainer Hansi Flick braucht gegen einen tiefstehenden Gegner viel Offensivpower auf dem Platz. Drei Spieler, die gegen Spanien noch in der Startelf standen, wackeln. So könnte Deutschland spielen.

Weil Costa Rica gegen Japan gewann, darf Deutschland noch auf das Achtelfinale der WM 2022 in Katar hoffen. Obwohl das DFB-Team von Hansi Flick auf dem letzten Platz steht und erst einen Punkt einfuhr, ist ein Weiterkommen durchaus wahrscheinlich. Dafür muss aber ein Sieg gegen Costa Rica her. Im besten Falle ein deutlicher.

Doch mit welcher Formation kann das dem Bundestrainer am ehesten gelingen? SPOX und GOAL schauen auf die voraussichtliche Aufstellung des DFB-Teams.

TOR: Manuel Neuer

Nicht nur wegen seiner Verletzung vor dem Turnier stand und steht der mehrfache Welttorhüter in der Kritik. Es scheint fast, als würden sich viele einen Wechsel herbeisehnen. Und tatsächlich hatte eine Umfrage des Bundesliga-Barometers ergeben, dass immerhin ein Drittel der Befragten Marc-André ter Stegen oder Kevin Trapp als Nummer eins sehen.

Das zweite Tor Japans war haltbar und auch gegen Spanien wackelte Neuer vor allem im Spielaufbau ungewöhnlich oft. Trotzdem: In beiden Partien zeigte er in weiteren Situationen seine ganze Klasse. Hansi Flick wird weiter auf den Torhüter des FC Bayern vertrauen. Und wenn alles normal läuft, sollte Neuer gegen Costa Rica auch keine entscheidende Rolle einnehmen müssen.

ABWEHR: Lukas Klostermann

In der Abwehr sucht der Bundestrainer schon eher nach seiner Optimalbesetzung. Einiges deutet darauf hin, dass er im dritten WM-Spiel die dritte Defensivvariante aufbietet. In der Schlussphase gegen Spanien brachte Flick etwas überraschend Lukas Klostermann. Auf der jüngsten Pressekonferenz wollte er nicht verraten, ob der Leipziger nun gegen Costa Rica startet.

"Lukas ist immer eine gute Option", sagte Flick: "Er hat sehr hart daran gearbeitet, dass er hier dabei sein kann. Er hat das gegen Spanien sehr gut gemacht." Thilo Kehrer hingegen konnte seine Chance nicht wirklich nutzen (SPOX-Note 5). Im Passspiel fehlten die Impulse und gegen den Ball das Timing. Er war zudem Teil der Fehlerkette vor dem 0:1 durch Álvaro Morata, weil er Jordi Alba nicht rechtzeitig störte - beziehungsweise wegen schwachen Stellungsspiels gar nicht erst stören konnte. Die Chance für Klostermann also?

Niklas Süle

Der Dortmunder bekam beim besagten Gegentor viel Häme und Kritik ab. Fakt ist aber, dass solche Situationen häufig vorkommen. Auch auf dem höchsten Niveau verlieren Weltklasse-Innenverteidiger regelmäßig einzelne Duelle gegen sehr gute Stürmer. Kann Süle das besser? Bestimmt. Denn abseits von dieser Szene zeigte der Ex-Bayern-Profi eine hervorragende Leistung.

Süle gewann viele Zweikämpfe und zeigte sich meist vom spanischen Pressing unbeeindruckt. Seine Robustheit und auch seine Qualitäten im Aufbauspiel könnten gegen Costa Rica wichtig werden. Kein Grund für Flick, ihn auszutauschen - zumal die Alternativen nicht überzeugen.

Antonio Rüdiger

Abwehrchef und aktuell der beste Innenverteidiger des DFB-Teams. Rüdiger wird auch gegen Costa Rica wieder die Verantwortung für den Defensivverbund übernehmen und muss gemeinsam mit Süle den Laden absichern, wenn seine Mitspieler weit aufgerückt sind. Gegen Spanien zeigte er zudem, dass er auch torgefährlich ist - auch wenn sein Treffer aberkannt wurde.

Rüdigers Aggressivität und sein Tempo sind essenziell für das deutsche Team. Schon beim Test gegen den Oman konnte Flick sehen, wie wackelig die Defensive ohne den Profi von Real Madrid ist. "Ich erwarte eine andere Zweikampfhärte, eine andere Art, wie wir die Zweikämpfe angehen", sagte der Bundestrainer damals.

David Raum

Spanien ließ gegen Deutschland nur einen Raum offen - und das war David. Luis Enrique hatte offenbar erwartet, dass dieser nicht viel mit seinen Freiheiten anzufangen weiß. Und um fair zu sein: Genau so kam es auch. Raum spulte zwar ein riesiges Pensum ab und gab alles, um seinen Platz nach Verlagerungen zu nutzen, aber viel Brauchbares fiel ihm dabei nicht ein.

Und doch arbeitete sich der Leipziger in die Partie und steigerte seine Leistung so vor allem im zweiten Durchgang. Es ist unwahrscheinlich, dass Flick auf dieser Position nochmal umbaut. David ist zwar keine (T)Raum-Lösung, aber er kann sich im Turnierverlauf weiter steigern und so eine solide Rolle für das DFB-Team spielen. Wenn es denn einen weiteren Turnierverlauf gibt.

DEFENSIVES MITTELFELD: Joshua Kimmich

Rechtsverteidiger? Oder doch Mittelfeldspieler? Gegen Spanien zeigte Kimmich eine beherzte Leistung, eroberte einige Bälle zurück und behauptete sich oftmals gegen ein sehr stark organisiertes Pressing des Gegners.

Gegen Costa Rica wird es den 27-Jährigen auch wegen seiner gefährlichen Tiefenbälle aus dem Mittelfeld heraus im Zentrum benötigen.

Ilkay Gündogan

Wer neben Kimmich spielt, ist vielleicht das größte Fragezeichen. Das wird auch davon abhängen, wie Flick seine Offensive gestaltet. Auf Ilkay Gündogan wird der Bundestrainer aber wohl kaum verzichten wollen.

Bei Manchester City lernt der 32-Jährige tagtäglich von Pep Guardiola, wie man tiefstehende Gegner aus eigenem Ballbesitz heraus knackt. Mit seinen Tiefenläufen und seiner technischen Qualität könnte er den Unterschied für Deutschland machen. Schwer vorstellbar, dass Flick darauf verzichtet. Aber setzt er Leon Goretzka dafür auf die Bank?

OFFENSIVES MITTELFELD: Serge Gnabry

Serge Gnabry wäre sicher ein Wackelkandidat, hat er sich in den ersten beiden Spielen doch eher nicht aufdrängen können. Andererseits zählt der Bayern-Profi zu den abschlussstärksten Spielern im DFB-Team und gerade weil er über die rechte Seite so viel Druck machen kann, ist er auch im dritten Gruppenspiel mehr als nur eine Option. Auch wenn Gnabry seine Form aus den letzten Partien vor der WM noch sucht.

Costa Rica wird das Zentrum verdichten, dort kompakt verteidigen wollen. Da Flick insbesondere auf dem rechten Flügel keinen offensivstarken Außenverteidiger dabei hat, braucht er einen Spieler, der die Fünferkette des Gegners in die Breite ziehen kann. Gnabry eignet sich dafür sehr gut, während Musiala oder Sané noch stärker ins Zentrum tendieren.

Jamal Musiala

Und sind wir mal ehrlich: Je häufiger Jamal Musiala im Zentrum auftaucht, desto besser für sein Team. Er ist jetzt schon einer der besten Spieler der Welt, wenn es darauf ankommt, sich aus engen Situationen zu befreien. Dass er spielt, steht dementsprechend nicht zur Diskussion. Die große Frage ist: Wo?

Läuft er auf dem linken Flügel auf, hat er durch die Offensivpower von Raum immerhin die Möglichkeit, sich in die Mitte zu bewegen. Auch auf seine Abschlussstärke kann es letztendlich ankommen, sollte Deutschland nicht früh in Führung gehen.

Leroy Sané

Mit Leroy Sané hat der Bundestrainer nun eine weitere Option, die in die Startelf drängt. Gegen Spanien war er einer der drei Unterschiedspieler - neben Musiala und Füllkrug. Nun wird es gegen Costa Rica darauf ankommen, eine tiefe Abwehr zu knacken.

Tempo, Überraschungsmomente, Abschlussstärke - all das kann Sané an einem guten Tag einbringen. Flick wird nicht allzu viel an seiner Startelf aus dem Spanien-Spiel verändern, aber der 26-Jährige ist ein heißer Kandidat.

STURM: Niclas Füllkrug

Niclas Füllkrug war der Torschütze zum so wichtigen Ausgleich gegen starke Spanier. Deutschland feierte seinen echten Neuner, der der Welt gezeigt hat, dass ein System ohne Mittelstürmer nicht funktioniert. Aber ist es so einfach? Womöglich nicht.

Ein bisschen Wahrheit steckt aber in jedem Hype und in jeder Euphorie. Füllkrug ist mit seiner Physis und mit seinem Torinstinkt eine Überlegung wert - gerade weil Costa Rica das Tor mit allen Beinen im eigenen Strafraum verteidigen wird, die sie auffinden können. Der Bremer kann als Anspielstation und Fixpunkt womöglich wertvoller für das Team sein, als es Thomas Müller als Neuner wäre.

DIE ALTERNATIVEN: Thilo Kehrer, Leon Goretzka, Thomas Müller

Auf maximal drei Positionen wird Flick seine Startelf vom Spanien-Spiel verändern. Vielleicht aber auch nicht? Argumente gibt es auch für die drei Spieler, die dafür auf die Bank müssten. Für Thilo Kehrer spricht, dass er jetzt angefangen hat, Rhythmus aufzunehmen. Gegen Costa Rica könnte er weitere Schritte zu seiner Normalform machen.

Dass Leon Goretzka in einem entscheidenden Gruppenspiel eine Waffe sein kann, zeigte er bei der Europameisterschaft gegen Ungarn. Seine Tiefenläufe sorgen für Verwirrung beim Gegner und für Überraschung. Auch die Kombination mit Kimmich ist eingespielt. Späte Läufe des Ex-Bochumers in den gegnerischen Strafraum, die mit präzisen Chipbällen von Kimmich belohnt werden? Oft genug gesehen. Auch oft genug von Hansi Flick gesehen - bei Bayern und beim DFB.

Müller ließ auf einer Pressekonferenz hingegen schon durchklingen, dass es für ihn eng werden könnte. "Wenn wir nicht so viele gute Offensivspieler im Kader hätten, wäre das eine einfache Schlussfolgerung: Lücke vorn, ich dahinter", erklärte der Offensivmann, der genau darum weiß, dass seine Stärken nicht auf der Neunerposition liegen: "Aber Hansi hat die Qual der Wahl."

Und die führt letztendlich zugunsten einer sehr offensiven Ausrichtung vielleicht zu diesen drei Veränderungen.

DFB-Team: Taktische Formation

Taktisch wird Flick auf dem Papier wieder auf ein 4-2-3-1 setzen. Wobei klar ist, dass Deutschland je nach Spielstand Risiko eingehen muss. Der zweite Sechser neben Kimmich wird häufig im Angriffsdrittel auftauchen, die Außenverteidiger werden hoch agieren - insbesondere Raum. Es wird dementsprechend Situationen geben, in denen Rüdiger und Süle die einzige Konterabsicherung des DFB-Teams bilden. Deutschland braucht Tore. Idealerweise viele davon.

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