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Fussball

Daniel Thioune im "kicker meets DAZN"-Podcast: "Klopp sagte: 'Weißt du, wo man richtig gut feiern kann?'"

Von SPOX
Daniel Thioune spricht im "kicker meets DAZN"-Podcast über eine Begegnung mit Jürgen Klopp.

HSV-Trainer Daniel Thioune blickt immer noch gern auf eine Begegnung mit Jürgen Klopp zurück, die bei seinem Sohn für große Augen sorgte. Darüber hinaus sprach er im "kicker meets DAZN"-Podcast über seine Philosophie als Trainer, seine Vorbilder und ein Meeting mit Rudi Assauer.

Daniel Thioune über...

... seine Amtsübernahme beim HSV:

"HSV-Trainer zu werden ist ein Privileg. Es war die Herausforderung, auf die ich mich gefreut habe, auch die Möglichkeit daran zu wachsen. Es gibt ja nicht viel Größeres als den HSV, wenn man oben ankommen möchte. Manche meinten, es wäre zu groß für mich, aber ich lasse mir von niemandem sagen, dass ich etwas nicht kann. Mir war von vornherein klar, dass der Hamburger SV anders funktionieren muss als in den letzten beiden Jahren, in denen er sich ausschließlich auf die Qualität des Einzelnen verlassen hat."

... seine Philosophie als Trainer:

"Alle meine Spieler müssen sich anpassen können, aber dazu muss auch ich als Trainer in der Lage sein. Nur ein guter Plan A reicht nicht. Das habe ich bei meinem ersten Spiel als Cheftrainer gemerkt. Es geht darum sich immer weiterzuentwickeln. Das zeigt auch mein Werdegang. Dafür braucht es die Bereitschaft lernen zu wollen. Wenn etwas nicht funktioniert, habe ich Lösungen und keine Probleme. Diese Adaptationen findet man häufig in meiner Spielphilosophie. Davon bin ich überzeugt."

... seine Arbeit als Trainer:

"Ganz trivial fange ich mit Dingen an, die jeder können müsste: das Verteidigen. Dafür brauche ich keine Qualität, dafür muss ich nicht besonders gut Fußball spielen können. Ich brauche eine Balleroberungsmentalität und den Willen und die Bereitschaft dafür. Erst im zweiten Schritt geht es dann um das Wie und in welchen Räumen. Erst wenn wir den Ball haben, können wir das machen, was uns am meisten Spaß macht. Und dafür gibt es dann Handlungsalternativen und Prinzipien - offensiv, wie defensiv. Offensiv habe ich das plakativ so formuliert, dass der gegnerische Torhüter niemals deine Rückennummer sehen darf. Das heißt, der Spieler soll schon, bevor er den Ball bekommt, den spielfähigen Raum erkennen, um dann vertikal spielen zu können. Wir spielen keinen Pass, um einen Pass gespielt zu haben."

... das Trainerwesen:

"Du kannst eher als Mensch deine Mannschaft verlieren denn als Trainer. Als Trainer definiert sich vieles über das Ergebnis. Es gibt gute Trainer, die sind verantwortlich für Erfolg, es gibt schlechte Trainer, die können auch den Erfolg nicht verhindern, wenn die Mannschaft auf dem Platz funktioniert. Am Ende geht es um Führungsqualitäten, Sozialkompetenzen, Respekt und Authentizität. Wenn das fehlt, ist es schwer für den Trainer durchs Feuer zu gehen. Erst verliert man seine Mannschaft, dann verliert man Spiele und dann auch irgendwann seinen Job."

Daniel Thioune: "Ich will kein Kumpel-Typ sein"

... Fehler und den Umgang damit:

"Ich kann von meinen Jungs ja nur das verlangen, was ich ihnen beigebracht habe. Wenn ich etwas nicht trainiert habe, dann halte ich gerne meinen Kopf dafür hin. Wenn ich falsche Entscheidungen getroffen habe, bin ich gerne bereit zuzugeben, dass es mein Fehler ist. Die Spieler machen Fehler, jeder macht Fehler. Es tut auch einem Spieler einfach gut, nach einem Fehler in den Arm genommen zu werden. Das ist besser, als wenn ich ihm den Fehler permanent vorhalte."

... seine Wirkung auf die Mannschaft:

"Ich will kein Kumpel-Typ sein, aber ich will auch nicht der Autoritäre sein. Ich bin mit den Jungs per Du. Das fällt den jungen Spieler unheimlich schwer, die immer noch Sie sagen. Denen sag ich dann: Komm nochmal rein und versuch's mit Du."

... über Adaptationen von anderen Klubs und anderen Sportarten:

"Man kann immer etwas modifizieren und adaptieren. Dafür muss man offen sein. Ich schau mir auch beim Handball an, wie die zum Beispiel das Umschaltspiel aufziehen. Daraus kann man auch was mitnehmen und adaptieren. Wenn das in diesem Sport möglich ist, dann ist das auch in meinem Sport möglich."

... Aaron Hunt:

"Aaron Hunt mit seinen 300 Bundesligaspielen brauche ich nicht erklären, wie Fußball funktioniert. Er war der erste Spieler, mit dem ich gesprochen habe. Von ihm habe ich nur erwartet, dass er das Ganze mitträgt und wenn nötig hinterfragt."

Daniel Thioune: Lucien Favre eher "Verbesserer" als "Verwalter"

... seine Trainer-Vorbilder:

"Pep Guardiola finde ich unfassbar spannend. In der Doku habe ich gesehen, dass er extra Leute eingestellt hat, die im Training seine Spieler bei den Pässen schubsen. Ich nehme jetzt meinen Physiotherapeuten und Athletiktrainer, die die Jungs bei den Passformen schubsen. Bei anderen Trainern kann man sich immer etwas abschauen. Lucien Favre würde ich auch in die Trainerkategorie des Verbesserers einteilen und nicht in die des Verwalters."

... sein erstes Trikot und Horst Hrubesch:

"Mein erstes Trikot war ein HSV-Trikot, aber das war Zufall. Natürlich ist das am Ende jetzt eine runde Geschichte. Zu meiner Zeit gab es halt auch nur die Sportschau, den HSV und Horst Hrubesch. Wenn er neben mir auf dem Trainingsplatz steht und von früher erzählt, bekomme ich große Augen. Das sind Kindheitserinnerungen."

... Jürgen Klopp:

"Ich war mal beim Training vom BVB, um mich fit zu halten. Mein Sohn - damals sieben Jahre alt - war dabei und auf dem Gang begegnete uns Jürgen Klopp. Mein Junge hat riesige Augen gemacht als ihm Klopp gesagt hat, dass es das Größte ist, dass er heute hier sei. Und daran sieht man, was ein paar Worte auslösen können. Diese Empathie von Klopp ist eine Benchmark, aber weil es eben spontan und authentisch ist."

... Angebote von Jürgen Klopp:

"Ich hatte gerade in Osnabrück meinen Vertrag verlängert, da rief mich Klopp an. Wir waren gerade auf Mallorca auf Abschlussfahrt. Klopp beginnt das Telefonat mit: 'Mensch Daniel, ich habe gehört du hast mit meinen Jungs auf Mallorca gefeiert. Weißt du, wo man richtig gut feiern kann? Hier bei uns im Rhein-Hessen-Gebiet.' Das ist natürlich ein überragendes Entree, das sofort das Eis gebrochen hat. Ein paar Jahre später wollte er mich aus Lübeck holen und bot mir an, nach einer schweren Verletzung dort zu trainieren. So etwas vergisst man nicht. Das ist echt geil."

Daniel Thioune: Post vom DFB nach Montagsspiel-Kritik

... authentische Interviews:

"Ich denke eigentlich sehr häufig nach über das, was ich sage. Das habe ich früher nicht. Gott sei Dank habe ich es in diesem Interview auch nicht getan (später zum Fußball-Spruch des Jahres gewählt, Anm. d. Red.). Heute wird alles gefiltert, was man sagt. Man muss aufpassen. Ich habe mich einmal in ein Fan-Herz versetzt und rausgebrüllt, dass Montagsspiele scheiße sind. Relativ schnell kam dann eine E-Mail vom DFB mit dem einen oder anderen Hinweis, dass man es sein lassen sollte."

... sein Sportstudium:

"Im Sportstudium saß ich auf einem Pferd, bin im Trampolin eine Kür gesprungen. Nur den Fußballkurs habe ich nicht besucht. Da braucht mir keiner mehr was erzählen."

... Rudi Assauer:

"Wir saßen bei Rudi Assauer im Büro, er rauchte Zigarre und pustete mir ins Gesicht. Ich musste mich räuspern und er sagte nur: 'Ja ich weiß, schlechte Angewohnheit' und zündete sich direkt die nächste an. Es war genau das Bild, das man von ihm hat."

... seine Karriere als Spieler:

"Ich wollte der König von Osnabrück werden - von der Fankurve bis zum Mannschaftsführer und Profi. Aber als junger Spieler habe ich nicht immer die Balance und den Fokus gefunden. Bei den vielen Schulterklopfern hält man sich schnell für den Größten und dann bin ich von meinem Weg abgekommen. Als die Türen zur Bundesliga offenstanden, habe ich die Chance nicht genutzt."

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