"Der talentierteste Spieler, den ich je gesehen habe": Wie Phil Foden von Manchester City zum "besten Spieler der Premier League" wurde

Von Falko Blöding und Richard Martin
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Phil Foden von Manchester City hat sich für einen anderen Weg als Jadon Sancho entschieden. Geschadet hat ihm das offensichtlich nicht.

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Pep Guardiola gab 2019 in Japan eine Pressekonferenz. Der Teammanager von Manchester City stand den Journalisten ausführlich Rede und Antwort und eine Aussage des Startrainers sorgte sofort für Aufsehen. Citys Youngster Phil Foden, so Guardiola, sei "der talentierteste Spieler, den ich je gesehen haben".

Ein bemerkenswertes Lob für einen Coach, der unter anderem mit Lionel Messi, Kevin De Bruyne, Andrés Iniesta oder Arjen Robben zusammengearbeitet hat. Und noch bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Foden damals 19 Jahre alt war und ganze drei Spiele in der Premier League bestritten hatte.

Guardiolas These mag immer noch gewagt sein, allerdings wissen auch die größten Skeptiker nach den letzten Monaten und Wochen, warum der Spanier solch große Stücke auf Foden hält. Der Flügelstürmer nahm den Lokalrivalen Manchester United am Wochenende im Derby (3:1) mit einer Galavorstellung samt zweier Traumtore auseinander und dominierte anschließend die Schlagzeilen.

Wieder gab es einen Superlativ seines Trainers, der Foden nun den "im Moment besten Spieler der Premier League" nannte: "Bei allem Respekt für die großartigen Spieler hier, aber niemand war so entscheidend wie er für uns in dieser Saison."

Es fällt nun schwer, Guardiola in diesem Punkt zu widersprechen.

Phil Foden und Jadon Sancho waren Manchester Citys Überflieger

Foden galt schon immer als Überflieger - gemeinsam mit einem gewissen Jadon Sancho. Die beiden mischten von 2015 bis 2017 in Citys Nachwuchs die Gegner regelmäßig auf. Nachdem Sancho für insgesamt rund 700.000 Euro aus der Jugend des FC Watford zu den Skyblues gewechselt war, entwickelten die beiden eine ganz besondere Chemie. Für Citys U18 schoss jeder der beiden Dribbelkünstler in der ersten Saison 15 Tore.

2016 gab es ein Lob von höchster Stelle, als Citys Vorstandsboss Khaldoon Al-Mubarak in einem Interview von Foden, Sancho und Brahim Díaz (heute Real Madrid) schwärmte und ihnen in Aussicht stellte, mittelfristig zu Guardiolas Profikader zu gehören.

Al-Mubarak sagte: "Das sind Spieler, die extrem talentiert sind. Sie haben eine sehr gute Chance, es in die erste Mannschaft zu schaffen. Und wenn Sie Pep heute fragen, wird er Ihnen sagen, dass sie bei Manchester City in der ersten Mannschaft spielen können und werden."

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Jadon Sancho hatte keine Geduld

Sancho hatte allerdings weniger Geduld als Foden. Während der Verhandlungen wegen eines neuen Vertrags im Jahr 2017 forderte er die Zusicherung, dass er zum Kader der ersten Mannschaft gehört. City sträubte sich dagegen. Guardiola erfuhr von den stockenden Gesprächen, nahm Sancho nicht mit zur Vorbereitungstour in die USA, sondern lud stattdessen Foden ein.

Sancho war stinksauer und wechselte wenige Wochen später zum BVB. "Wir haben alles versucht, um ihm zu helfen. Aber er wollte in der ersten Mannschaft spielen", konstatierte Guardiola. Dann meinte er: "Ich kann nicht einmal den besten Spielern, die wir haben, wie Sergio [Agüero] und anderen, versichern, dass sie spielen werden. Ich werde ihnen nicht sagen: 'Ich versichere dir, dass du alle Spiele der Saison spielen wirst', nur damit sie neue Verträge unterschreibe. Ich wäre ein Lügner, das ist nicht wahr."

Jadon Sancho entwickelte sich beim BVB zunächst schneller als Phil Foden bei ManCity

Für Sancho ging der Plan zunächst auf. Er machte sich in Dortmund prächtig und entwickelte sich zu einem der aufregendsten Offensivspieler Europas, schon 2018 war er englischer Nationalspieler.

Foden dagegen tat sich in Citys Starensemble zunächst schwer, auf regelmäßige Spielpraxis zu kommen. Er kam in jener Saison auf zehn Einsätze in der Premier League, von denen er nur dreimal in der Startelf stand. Immerhin: Der Erfolg war enorm, Foden gewann mit City alle drei nationalen Titel.

Fodens Bedeutung in der Mannschaft wuchs mit jeder Saison, mittlerweile hat er im Alter von 23 Jahren schon rund 250 Begegnungen absolviert. Er hatte den unbedingten Willen, es bei seinem Herzensklub zu schaffen. Foden wurde in Stockport, einer 140.000-Einwohner-Stadt im Speckgürtel Manchesters geboren und wechselte schon im Alter von neun Jahren in die City-Akademie. Seine Verbindung zum Verein ist riesig und seine Motivation, sich dort durchzubeißen, war es ebenso.

Im Dezember sagte er Citys Klubmedien, dass er den Klub nie verlassen wolle: "Um ehrlich zu sein, ich sehe mich selbst nur als City-Spieler. Ich habe mir immer gedacht: Wenn ich hart genug arbeite und meine Fähigkeiten richtig einschätze, dann kann ich dieses Team pushen. Mit der Zeit bekam ich immer mehr Minuten und im Moment kriege ich so viele wie nie zuvor."

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Pep Guardiola adelt Phil Foden

Kyle Walker zum Beispiel ist begeistert von Fodens Einstellung. Der Kapitän schwärmte unlängst: "Phil ist absolut klasse. Er war geduldig, hat seine Zeit abgewartet und erntet jetzt die Früchte." Der Rechtsverteidiger führte aus: "Er hatte viele Topspieler vor sich in den letzten Jahren. Spieler wie Leroy Sané, Raheem Sterling, Bernardo, wenn der auf der rechten Seite gespielt hat, und Riyad Mahrez. Er wird bald 24 und ist jetzt kein junger Spieler mehr. Es geht jetzt auch für ihn darum, etwas mehr Verantwortung zu übernehmen, und das macht er sehr gut. Hoffentlich geht es so weiter."

Die Vorzeichen stehen gut. Längst ist Foden unumstrittener Stammspieler in Citys Offensive. In 40 Partien dieser Saison sammelte der Angreifer mit der ungewöhnlichen Rückennummer 47 28 Scorerpunkte (18 Tore, 10 Assists). Rechtzeitig zur wichtigsten Phase der Saison ist der 31-malige Nationalspieler in Spitzenform und das lässt auch die englischen Fans mit Blick auf die EM im Sommer hoffen. Foden besticht dabei durch ein fast schon unverschämtes Paket aus Geschwindigkeit, Zielstrebigkeit und Technik. Seine Dribblings sind herausragend, er verfügt über große Qualität als Vorbereiter und mittlerweile auch im Abschluss. Dazu ist er mit seinen Nebenleuten De Bruyne, Erling Haaland und Bernardo perfekt eingespielt.

Pep Guardiola jedenfalls attestierte seinem Schützling bei Sky Sports bereits, in die Kategorie "Weltklasse" vorgerückt zu sein: "Wenn du deiner Mannschaft Spiele gewinnst, bist du ein Weltklassespieler. Jeder kann gut Fußball spielen, aber du musst Spiele gewinnen - er tut das."

Foden werde "ein legendärer Spieler. Schon in jungem Alter hat er viele Spiele, Minuten, Tore und Titel gesammelt. Deswegen ist seine Beziehung zu unseren Fans auch so besonders."

Zwischenzeitlich sah es so aus, als hätte Sancho seinen alten Spezi auf dem Karriereweg stehen gelassen. Mittlerweile aber sieht es so aus, als hätte Foden die Stabilität gut getan, während Sancho nach dem missratenen 80-Millionen-Euro-Schritt zum Lokalrivalen Manchester United gerade auf Leihbasis beim BVB darum kämpft, seine Karriere wieder ins Rollen zu bringen.