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Fussball

Belgien - Italien 1:2: Azzurri nach Pressing-Lehrstunde im Halbfinale

Italien steht im EM-Halbfinale.
© getty

Italiens Traum vom ersten EM-Titel seit 1968 lebt. In einem packenden Viertelfinale in München setzte sich die Squadra Azzurra dank einer couragierten, von viel Offensivfreude geprägten Leistung mit 2:1 (2:1) gegen Belgien durch.

Im Halbfinale am 6. Juli trifft die Mannschaft von Roberto Mancini auf Spanien, das sich im Elfmeterschießen gegen die Schweiz behauptet hatte.

"Das war grandios. Wir haben diesen Sieg voll verdient. Meine Spieler waren außerordentlich. Kompliment an sie. Wir haben in den letzten zehn Minuten gelitten, weil wir wirklich müde waren. Vielleicht hätten wir sogar mehr Tore erzielen können", sagte Mancini dem italienischen Rundfunksender RAI. "Unser Weg ist noch weit, uns stehen noch zwei Spiele bevor." Torwart Gianluigi Donnarumma sagte: "Wir sind eine tolle Gruppe, geben nie auf. Wir haben uns dieses Halbfinale verdient und nähern uns unserem Ziel."

Abwehrspieler Leonardo Bonucci versuchte sich in Pathos: "Wir haben bewiesen, wie groß das Herz der Italiener ist". Torschütze Lorenzo Insigne hob die Leistung des Trainers hervor: "Mancini hat diesen Geist geschaffen."

Allerdings müssen die Azzurri die schwere Verletzung von Leonardo Spinazzola verkraften. Der Linksverteidiger, bisher einer der besten Spieler des gesamten Turniers, zog sich Mitte der zweiten Halbzeit einen Achillessehnenriss zu, die Diagnose bestätigte sich am Samstag. "Das ist ein schwerer Verlust für uns. Wir versuchen jetzt, ganz weit zu kommen - für ihn. Er war so wichtig für diese Mannschaft", sagte Torschütze Lorenzo Insigne. Trainer Roberto Mancini ergänzte: "Das hat er nicht verdient. Er hat super und brillant gespielt, er ist einer der besten Spieler der EM."

Belgien - Italien: Die Analyse

Die Italiener boten in der Münchner Arena alles, was mit angezogener Handbremse agierende Top-Nationen wie Frankreich oder Deutschland bei dieser EM selten bis gar nicht geboten hatten: Spielwitz und Tempo im letzten Drittel sowie sehr hohes und energisches Pressing. Im Gegensatz zum nervösen Achtelfinalsieg gegen Österreich präsentierte sich die Mannschaft um Torwart Gianluigi Donnarumma über weite Strecken souverän und sehr selbstsicher.

Mancinis Spieler stellten die im 3-4-2-1 agierenden Belgier bereits an deren Strafraumkante konsequent zu, wodurch diesen praktisch keine andere Wahl blieb, als Courtois anzuspielen. Der Torwart von Real Madrid drosch den Ball in den meisten Fällen auf gut Glück nach vorne in Richtung Stoßstürmer Lukaku, der sich ein Privatduell mit Italiens Abwehrkanten Chiellini und Bonucci lieferte - und meist das Nachsehen hatte.

Wenn bei den Belgiern etwas ging, dann über de Bruyne, der praktisch als einziger Mittelfeldspieler in Rot imstande war, sich unter Gegnerdruck zu behaupten und den Weg nach vorne zu suchen. Daraus ergaben sich zwei Großchancen nach Konter - erst durch de Bruyne (22.) selbst, dann durch Lukaku (26.). Einziger weiterer Lichtblick bei den Belgiern war Jeremy Doku, der 19-Jährige ersetzte den verletzten Eden Hazard und schloss acht Dribblings ab - so viele wie noch kein Teeanager vor ihm bei einer EM oder WM seit Beginn der Datenerfassung. Doch die Italiener entfachten insgesamt mehr Druck und belohnten sich zunächst durch Barella (26.), der nach einer starken Gegenpressingaktion der Italiener unwiderstehlich im Strafraum dribbelte und abschloss. Insigne erhöhte kurz vor der Pause per Traumschlenzer auf 2:0 (44.).

Ein strittiger Elfmeter in der Nachspielzeit der ersten Hälfte brachte die Roten Teufel zwar zurück, dem Tor von Lukaku folgte nach dem Seitenwechsel jedoch kein weiteres mehr. Einerseits, weil die Italiener in ihrem sehr kompakten 4-3-3 auch nach Ballverlust stark zurückarbeiteten und im Mittelfeld dank der überragenden Barella, Jorginho und Verratti stets die Kontrolle behielten. Andererseits, weil Donnarumma sowie der Hintern von Spinazzola (Rettungstat gegen Lukaku in der 61. Minute) zur Stelle waren, wenn sie zur Stelle sein mussten. Es war ein grandioser Schlagabtausch - mit dem besseren Ende für die Azzurri, die nach Spinazzolas Verletzung in uralte Tugenden zurückfielen, um Zeit von der Uhr zu nehmen.

Belgien - Italien: Die Aufstellungen

Belgien: Courtois - Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen - Meunier (70. Chadli, 74. Praet), Witsel, Tielemans (69. Mertens), T. Hazard - De Bruyne, Doku - Lukaku

Italien: Donnarumma - Di Lorenzo, Bonucci, Chiellini, Spinazzola (79. Emerson) - Barella, Jorginho, Verratti (74. Cristante) - Chiesa (90.+1 Toloi), Immobile (74. Belotti), Insigne (79. Berardi)

Belgien - Italien: Die Daten des Spiels

Tore: 0:1 Barella (31.), 0:2 Insigne (44.), 1:2 Lukaku (45.+2)

  • In Form: Lukaku erzielte in seinen letzten 23 Partien für Belgien 24 Treffer.
  • Die Italiener haben schon zehn Turnier-Tore auf ihrem Konto - so viele wie noch nie zuvor bei einer EM.
  • In seinem 27. Länderspiel für Italien gelang es Barella erstmals, zusätzlich zu einem eigenen Torerfolg auch noch einen Treffer vorzubereiten.

Der Star des Spiels: Leonardo Spinazzola (Italien)

Erneut mit enormer Laufleistung und ordentlich Dampf nach vorne. Kreierte allein in der ersten Halbzeit drei Chancen und brachte 96 Prozent seiner Pässe an den Mann. Gab den menschlichen Pfosten gegen Lukaku und holte sich dafür Küsschen seiner Teamkollegen ab. Bester Linksverteidiger des Turniers - und an diesem Abend noch ein kleines Stückchen besser als Traumtorschütze Insigne. Musste nach 79 Minuten aber mit einem Achillessehnenriss bitterlich weinend vom Platz getragen werden.

Der Flop des Spiels: Jan Vertonghen (Belgien)

Wurde wie schon im Achtelfinale gegen Portugal auf der linken Seite enorm in den Spielaufbau einbezogen, tat sich damit aber schwer. Produzierte den folgenschweren Ballverlust vor dem 0:1.

Der Schiedsrichter: Slavko Vincic (Slowenien)

Erkannte den frühen italienischen Treffer von Bonucci nach Rücksprache mit seinem Videoassistenten zu Recht wegen Abseits ab (13.). Der umstrittene Strafstoß für Belgien in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs war ein Kann-Elfmeter und somit keine klare Fehlentscheidung des Slowenen. Insgesamt ein solider Auftritt von Vincic, der Immobile nach seiner Schauspiel-Einlage bei Italiens 1:0 durch Barella durchaus mit Gelb hätte bestrafen können.

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