"Können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten": Oliver Bierhof sieht Kritik der Politiker nach Trikotdeal als "Eigentor"

SID
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© getty

Der frühere DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat in den Diskussionen um den Ausrüsterwechsel der Nationalmannschaft Position bezogen und die Kommentare aus der Politik als "Eigentore" kritisiert. "Natürlich sind Tradition und langfristige Partnerschaften wichtig", schrieb Bierhoff am Freitag bei LinkedIn, "die Zeiten, aus Patriotismus bei einem Sponsoringpartner zu bleiben, sind allerdings vorbei. Das können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten."

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Nach mehr als 70 Jahren wird der deutsche Sportartikel-Hersteller adidas ab 2027 nicht mehr das DFB-Team ausrüsten, das US-Unternehmen Nike bekam stattdessen den Zuschlag. Dies wurde auch und gerade aus der Politik vielfach kritisiert, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck etwa bemängelte fehlenden "Standortpatriotismus".

Politiker allerdings "sollten sich aus der Diskussion raushalten", schrieb Bierhoff: "Sie kennen die Hintergründe und Fakten nicht." Sie seien auf diesem Feld zudem angreifbar: "Wo ist der Standortpatriotismus der deutschen Wirtschaftspolitik? Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr zum Standortpatriotismus beiträgt. Stattdessen verlassen uns Unternehmen wegen hoher Energiekosten, hoher Steuern und zu viel Bürokratie. Solche Politiker-Kommentare werte ich als Eigentore."

Nike wird alle deutschen Nationalteams über acht Jahre ausstatten, die Amerikaner sollen adidas laut Handelsblatt mit einem Angebot im dreistelligen Millionen-Bereich pro Jahr ausgestochen haben. "Wir sollten uns vor Augen halten, was der Nike-Deal mit dem DFB bedeutet", schrieb Bierhoff. Er zeige, "wie hoch international die Bedeutung des deutschen Fußballs noch eingeschätzt wird. Die Nationalmannschaft bleibt attraktiv. Trotz der aktuellen Formschwäche setzen Sponsoren wie Nike auf die Zukunft des DFB."

Der DFB sei zudem "seinen Mitgliedern verpflichtet. Und dazu gehören auch und vor allem die Vereine. Der Jugendfußball und Amateurbereich brauchen dringend Geld - und das Geld aus einem solchen Trikotdeal kommt auch dem Breitensport zugute." Als US-Unternehmen sei Nike zudem stark an der Entwicklung des Frauen-Fußballs interessiert: "Ich erwarte hier neue Impulse auch für den deutschen Frauen-Fußball."

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