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Fussball

BVB - "Ochse" Marin Pongracic und der Hang zum Leichtsinn: Talent schlägt Disziplin

Von Stanislav Schupp

Kurz vor Transferschluss verpflichtete der BVB Marin Pongracic vom VfL Wolfsburg - und der Neuzugang überzeugte direkt. Dass sich der Innenverteidiger einmal auf höchster Ebene beweisen darf, torpedierte er einst fast selbst.

"Absoluter Ochse", entgegnet Unterhachings Patrick Hasenhüttl (24) im Gespräch mit SPOX und Goal auf die Frage nach seiner Erinnerung an den gleichaltrigen BVB-Neuzugang Marin Pongracic, den er aus gemeinsamer Zeit in der U19 des FC Ingolstadt kennt.

Pongracic bringe laut Hasenhüttl alles mit, was man benötige, um sich in der Bundesliga zu etablieren. "Er ist körperlich extrem robust, schnell, groß, strahlt Ruhe am Ball aus und kann den Spielaufbau gestalten", schwärmt der Sohn von Southampton-Trainer Ralph Hasenhüttl: "Zudem verfügt er über eine großartige Technik, die fast an die eines Zehners erinnert." Mit diesen Fähigkeiten müsse man "schon viel falsch machen, um nicht ganz nach oben zu kommen."

Doch zu Beginn seiner Karriere war Pongracic drauf und dran, genau das zu tun. Denn es lief nicht immer alles rund.

Groß wurde der gebürtige Landshuter unter anderem in der Jugend des FC Bayern München. Dort lief er zunächst in vorderster Front als Stürmer auf, später folgte die Umschulung zum Sechser und schließlich zum Innenverteidiger.

BVB - Pongracics Karriereanfänge: "Falscher" Halt in München

Wirklich Fuß fassen konnte Pongracic beim deutschen Rekordmeister allerdings nicht. Das lag unter anderem auch an Folgen von Wachstumsproblemen. Der heute 1,93 Meter große Abwehrspieler wuchs innerhalb von zwei Jahren um 20 Zentimeter und erlitt dadurch zahlreiche kleine Verletzungen.

Ohnehin war der FC Bayern nicht sein Wunschziel, vielmehr hielt es Pongracic mit dessen Stadtrivalen. "Ich wollte immer schon für 1860 spielen, die "Sechzger" fand ich von klein auf cool", erinnerte sich Pongracic zu Beginn des Jahres im Magazin des VfL Wolfsburg Unter Wölfen: "Damals in der U14 hatte ich bereits die Option, zu ihnen oder zu den Bayern zu wechseln. Ich habe zu meinem Papa gesagt: 'Ich will zu 60', aber er hat geantwortet: 'Nein, du gehst zu den Bayern'."

Bei den Löwen sollte der Deutsch-Kroate später sein Profidebüt feiern, zunächst ging es aber in den Ingolstädter Nachwuchs. Dort fiel er allerdings nicht nur aufgrund seiner außerordentlichen Fähigkeiten auf.

Dortmunds Pongracic und der Hang zur Disziplinlosigkeit

"Er ist schon ein kleiner Chaot. In Ingolstadt war er nicht immer der disziplinierteste Spieler", blickt Hasenhüttl zurück: "Er kam öfter zu spät, war etwas verpeilt. Marin war jetzt nicht derjenige, der eine Stunde vor dem Training da war und sich aktiviert hat."

Auch auf dem Rasen hatte Pongracic einen Hang zur Extravaganz. "Marin hat in der U19-Bundesliga alles auseinander genommen. Er wusste, wie gut er ist. Dadurch verfiel er auch hin und wieder dem spielerischen Leichtsinn", erklärt Hasenhüttl: "Er hat gerne mal den Stürmer als letzter Mann zehnmal ausgedribbelt und anschließend den Ball verloren. Da herrschte oft Hang zum Besonderen."

Die Anhäufung besagter Ereignisse führte letztlich dazu, dass Pongracic 2016 beim FCI aussortiert wurde.

"Zum Glück war das Talent größer als die Disziplinlosigkeit"

Über 1860, wo er auf sieben Profieinsätze kam, ging es für Pongracic 2017 nach Österreich zu Red Bull Salzburg. Dort feierte unter dem heutigen BVB-Trainer Marco Rose und an der Seite von Torjäger Erling Haaland den Gewinn der Meisterschaft, ehe er drei Jahre später für zehn Millionen Euro nach Wolfsburg wechselte. Dort wurde er laut Bild im März aufgrund eines Verstoßes gegen die Corona-Regeln sanktioniert. Vor seiner Unterschrift in der Autostadt soll nach kicker-Informationen auch der FC Bayern an eine Rückholaktion seines einstigen Jugendspielers nachgedacht haben.

Nun also die Leihe zu den Schwarz-Gelben, die Pongracic dem Vernehmen nach am Ende der Saison für knapp 13 Millionen Euro fest verpflichten können. In seinen ersten Einsätzen gegen Bayer Leverkusen und in der Champions League bei Besiktas Istanbul deutete Pongracic bereits sein Können an, nahm vor allem gegen die Werkself den Spielaufbau in die Hand und erinnerte mit seinen öffnenden und cleveren Bällen stark an Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels.

Dass es der kroatische Nationalspieler (ein Länderspiel) trotz wiederholten Fehlverhaltens doch noch auf die höchste Stufe geschafft hat, überrascht Hasenhüttl nur bedingt. "Kurzzeitig habe ich daran gezweifelt, als er in Ingolstadt aussortiert wurde. Aber ich war mir dennoch sicher, dass er es bis ganz nach oben schafft", sagt er: "Zum Glück war das Talent größer als die Disziplinlosigkeit."

BVB für Marin Pongracic nur der Anfang?

Seinem ehemaligen Teamkollegen traut Hasenhüttl derweil zu, sich trotz der namhaften Konkurrenz bei den Westfalen zu behaupten - und sieht den Aufenthalt in Dortmund nur als Anfang: "Ich traue ihm auf jeden Fall zu, dass er sich in Dortmund durchsetzt und der BVB ihn fest verpflichtet. Wenn man mit 24, 25 Jahren Stammspieler bei Borussia Dortmund ist und Leistung bringt, ist es beispielsweise in die Premier League oder zu einem anderen Spitzenklub kein weiter Weg mehr."

Mit seiner Spielweise passe Pongracic, der laut eigener Aussage oft mit Ex-Bayern-Star Lucio verglichen wird, grundsätzlich gut nach England. "Wenn er seine Leistung abruft, würde mir generell kein Verein der Welt einfallen, bei dem er sich nicht durchsetzen könnte", ergänzt Hasenhüttl: "Bei Marin würde ich keine Grenzen setzen."

Einen weiteren Beweis dafür könnte Pongracic bereits am kommenden Sonntag gegen Union Berlin erbringen (17.30 Uhr im LIVETICKER).

BVB: Der Fahrplan für die kommenden Wochen

TerminBegegnung
DI, 28.09., 21.00 UhrBVB - Sporting Lissabon
DI, 19.10., 21.00 UhrAjax Amsterdam - BVB
MI, 03.11., 21.00 UhrBVB - Ajax Amsterdam
MI, 24.11., 21.00 UhrSporting Lissabon - BVB
DI, 07.12., 21.00 UhrBVB - Besiktas Istanbul
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