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Fussball

Edson Braafheid im Interview: "Für die meisten war ich der Spieler von Louis van Gaal, nicht vom FC Bayern"

Edson Braafheid scherzt mit Bayern-Kollege Franck Ribery.
© imago images/Ulmer

Wie fühlte es sich dann im Januar 2011 für Sie an, diese von Topspielern nur so wimmelnde Mannschaft zu verlassen und bei der TSG Hoffenheim anzuheuern?

Braafheid: Es war schon ein Unterschied, verglichen mit Bayern war Hoffenheim ein Dorfverein. Die Menschen dort haben mich aber sehr herzlich empfangen. Und ich war voller positiver Energie, weil ich mich endlich in der Bundesliga beweisen wollte.

Was nur teilweise funktionierte. Sie endeten im Sommer 2013 in der legendären "Trainingsgruppe 2".

Braafheid: Ich werde nie vergessen, wie ich nach der Sommerpause die sportliche Leitung kontaktieren musste, weil ich nicht über die Rückkehr in den Trainingsbetrieb informiert worden war. "Okay, die haben wahrscheinlich vergessen, sich zu melden", dachte ich. Dann wurde mir an einem Samstag gesagt, dass ich zwei Tage später doch mal vorbeikommen solle. Dort traf ich dann nur eine kleine Gruppe von Spieler an und uns wurde gesagt: "Hey Leute, der Trainer will etwas ausprobieren und ihr seid erst mal raus. Trainiert hier und sucht euch möglichst bald einen anderen Verein."

Wie reagierten Sie?

Braafheid: Ich dachte, die wollen mich verarschen. Es war ja auch nicht so, dass ich vorher irgendwelche Probleme verursacht oder unprofessionell trainiert hatte. Aber die meinten es tatsächlich ernst. Also sollte ich jeden Tag dort antanzen und abgeschirmt von der restlichen Mannschaft trainieren. Als wäre ich ein Verbrecher.

Besonders Ihr Verhältnis zu Ex-TSG-Coach Markus Babbel soll schwierig gewesen sein. Vor seinem Abschied im Sommer 2012 ileß er Sie zeitweise auch mit den Amateuren trainieren. Gab es nie ein offenes Gespräch zwischen Ihnen?

Braafheid: Doch, doch. Aber es hat mich zwei Monate gekostet, diese Gespräch mit ihm zu vereinbaren. "Was soll dieser Zirkus? Was habe ich falsch gemacht?", fragte ich ihn. Er antwortete: "Alles ist gut, Edson, du hast nichts falsch gemacht, aber wir sind der Meinung, dass du nicht mehr in die Mannschaft passt." Ich hakte nach: "Warum darf ich dann nicht einmal mit der Mannschaft trainieren? Ist es mein Lächeln, das dich stört oder was ist hier eigentlich das Problem?" Er meinte: "Nein, es gibt kein persönliches Problem. Diese Entscheidung basiert nur auf sportlichen Gründen." Ich ließ nicht nach und bat ihn darum, mit der kompletten Mannschaft zu trainieren. "Und wenn ich nur dritte Wahl auf einer Position bin: Ich reiße mir den Arsch auf." Dann lächelte er und sagte: "Mir gefällt deine Einstellung. Ich schaue, was ich machen kann und melde mich in ein paar Tagen bei dir." Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Was er da abgezogen hat, war ein Witz.

Braafheid: Hoffenheim? "Die schlimmste Erfahrung"

Später gab es in Hoffenheim die "Trainingsgruppe 2" , der Sie neben unter anderem Tim Wiese auch angehörten. Wissen Sie, wer die Entscheidung traf, diese ins Leben zu rufen?

Braafheid: Nein. Ich war auch nie in Kontakt mit den Verantwortlichen. Mit Dietmar Hopp habe ich in meinen drei Jahren dort kein einziges Wort geredet.

Wie schwer traf Sie dieser Rückschlag?

Braafheid: Ich wollte auf der Stelle weg, aber daraus wurde nichts. Die Sache ging ja auch sofort durch die Medien. Es wurde teilweise geschrieben, dass wir Problemprofis seien. An mir haftete auf einmal das Image des Bad-Boys, weshalb andere Vereine dann auch zögerten, Gespräche mit mir zu führen, obwohl sie mich nicht einmal persönlich kannten. Sie dachten sich wohl: Wenn diese Jungs schon abgeschirmt in einer gesonderten Gruppe trainieren, muss mit ihnen ja irgendetwas nicht stimmen. Es war die schlimmste Erfahrung meiner Karriere, weil ich so machtlos war. Ich hatte das Gefühl, in einem tiefen Loch zu stecken.

Dachten Sie zu jener Zeit auch über ein vorzeitiges Karriereende nach?

Braafheid: Die Angst, keinen Verein zu finden, war natürlich da. Aber ich war damals 29, 30. Das ist eigentlich das beste Alter für einen Fußballer, zumindest was die körperliche Fitness angeht. Ich habe deshalb nicht aufgegeben und mit der Hoffnung trainiert, irgendwann eine Chance bei einem anderen Verein zu bekommen.

Mit Tim Wiese war ein weiterer prominenter Spieler in der "Trainingsgruppe 2". Wie ging er mit der Situation um?

Braafheid: Tim war wütend, wie wir alle. Ich kann aber nur von mir sprechen: Ich habe diese Wut in Motivation umgewandelt. Ohne meine Familie wäre ich vermutlich depressiv geworden. Sie hat mich abgelenkt, ich war zum Glück nie allein.

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