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NFL

Edelmans richtungsweisender Vorgänger: Wie Wes Welker die NFL revolutionierte

Wes Welker gilt als Prototyp für den modernen Slot-Receiver.

Julian Edelman hat seinen Rücktritt erklärt. Der Slot-Receiver der New England Patriots prägte eine ganze Ära, doch trat er dabei in die Fußstapfen seines fast vergessenen Vorgängers, der diese Position einst salonfähig gemacht hatte: Wie Wes Welker die NFL nachhaltig veränderte.

Wann immer die Patriots in ihrer 20-jährigen Dynasty Anfang dieses Jahrtausends eine Grenze erreichten, gingen sie anschließend radikal vor, um eine solche zu durchbrechen. Speziell offensiv war dies häufiger zu beobachten. Eine der wohl größten Veränderungen dieser Zeit geschah zur Saison 2007.

Zuvor scheiterten die Patriots im AFC Championship Game an ihrem damaligen Hauptrivalen, den Indianapolis Colts - der Top-Receiver in New Englands Offense damals war Wide Receiver Reche Caldwell, mit 61 Receptions für 760 Yards (4 Touchdowns). Es war Caldwells einzige Saison in New England und mit Abstand beste in der NFL. Dahinter reihten sich Tight End Ben Watson sowie Running Back Kevin Faulk, die alternde Teamikone Troy Brown und schließlich ein gewisser Doug Gabriel ein, der aus der Not heraus im Laufe des Jahres dazu stieß.

Unterm Strich war die Offense also sehr bescheiden besetzt. Die Zeit war gekommen, dies grundlegend zu ändern. Und es sollte im großen Stil aufgerüstet werden.

Der größte Name, der im folgenden Sommer dazu stieß, war der heutige Hall-of-Famer Randy Moss, der mit 23 Touchdowns direkt einen NFL-Rekord aufstellte. Doch die richtungsweisende und für die NFL im Grunde revolutionäre Neuverpflichtung war ein ganz anderer Receiver: Wes Welker.

Zur damaligen Zeit handelte es sich hierbei um einen kleinen und wendigen (1,75 m, 83 kg) Return-Spezialisten, der 2004 als Undrafted Free Agent zunächst in San Diego und dann Miami spielte und schließlich bis 2006 bei den Dolphins blieb. Bereits bei den Dolphins zeigte er Ansätze und war 2006 als Backup durchaus in die Offense involviert.

Dass jedoch letztlich die Patriots Interesse am Restricted Free Agent zeigten, hatte wohl kaum jemand erwartet. Die Dolphins belegten Welker mit einem Second-Round Tender und einigten sich kurz darauf mit den Patriots auf einen Trade für den Spieler. Im Gegenzug gingen ein Zweit- und ein Siebtrundenpick nach Miami.

NFL: Wes Welker gab Patriots 2007 ein neues Element

Die neue Offense der Patriots basierte dann auf zwei Elementen, die zur damaligen Zeit nicht üblich waren: Zum einen verzichteten sie weitestgehend auf einen Fulbback, zum anderen spielten sie permanent mit mindestens drei Receivern - Moss und der ebenfalls neue Donte Stallworth außen und Welker im Slot.

Ein Kniff, der voll aufging. Welker gab Tom Brady eine weitere kurze Anspielstation über die Mitte - gewissermaßen einen zweiten Kevin Faulk, der Prototyp des Receiving Backs der Patriots, wenn man so will -, der einfach etwas weiter vorn positioniert war. Zudem funkten beide schnell auf einer Wellenlänge.

"Die Chemie zwischen uns hat sofort gepasst. Er hatte zwar auch physische Fähigkeiten, aber er war auch so intelligent auf dem Feld", berichtete Brady Jahre später in der Doku-Serie "A Football Life" von NFL Films. "Er hatte eine großartige Auffassungsgabe. Im Spiel machte er Dinge exakt so wie im Training geübt und wie wir es wollten."

Welker bekam den Ball permanent im Raum und richtete dann mit seinen Return-Fähigkeiten großen Schaden nach dem Catch an. Und das Beste: Gegner waren schlicht nicht darauf vorbereitet. Welker verkörperte ein Element im Spiel, dass es zuvor so nicht gab. Einen Playmaker, der hauptsächlich in der Mitte des Feldes agierte und klein und flink war.

Wes Welker: Statistiken bei den Patriots

SaisonSpieleReceptionsYardsTouchdowns
20071611211758
20081611111653
20091412313484
201015868487
20111612215699
20121611813546

Welker avancierte schnell zu einem der Top-Targets von Brady. Von 2007 bis 2012 brachte er es fünfmal in sechs Spielzeiten auf mindestens 111 Receptions - nur 2010 blieb er unter dieser Marke, kehrte da aber gerade von einem Kreuzbandriss zurück. Mehr noch: Welker führte dreimal in der Zeit die Liga in Receptions an und durchbrach fünfmal die 1000-Yard-Marke deutlich. Er legte Zahlen wie ein klassischer Outside-Receiver auf, obwohl er kaum lange Pässe fing.

Und wer hätte ihn auch stoppen sollen? Zur damaligen Zeit gab es schlicht keine Verteidiger, die ihn halten konnten. Linebacker, die in dem Bereich des Feldes zuhause waren, waren nicht schnell oder beweglich genug. "Damals war es einfach. Sie stellten ihre Base-Defense auf und dann hatten sie einen Linebacker gegen einen Slot-Receiver und das ist ein Albtraum-Matchup", erklärte Welker.

Top-Cornerbacks wiederum waren es nicht gewöhnt, innen zu spielen und nicht gewissermaßen die Seitenlinie als Stütze neben sich zu haben. Defenses waren schlicht überfordert. "Wir konnten im Grunde machen, was wir wollten", sagte Welker. Und das "führte dazu, dass Defenses sich verändern mussten. Wie sie gegen uns spielten und wie sie uns studieren mussten. Und nun hat sich das Spiel komplett verändert", ergänzte Welker.

NFL: Wes Welker leitete eine Revolution ein

Welker leitete mit seinen Leistungen nichts anderes als eine Revolution ein. Er war der erste extrem produktive Slot-Receiver der NFL. Er machte die Position als Top-Target salonfähig und ebnete gewissermaßen den Weg für eher kleinere Receiver, die bislang hauptsächlich auf Return-Jobs beschränkt waren.

Ohne Welker hätte es vielleicht keinen Edelman in New England gegeben. Oder keinen der zahlreichen weiteren erfolgreichen Slot-Receiver der Liga. Man denke an Leute wie den früheren Seahawks-Star Doug Baldwin, Cooper Kupp (Rams), Jarvis Landry (Browns) oder Cole Beasley (Bills).

Genauso ist Welker aber wohl auch der Grund dafür, dass sich im Football auch elitäre Slot-Cornerbacks entwickelt haben. Eine Position, die es so im Grunde zuvor nicht gab. Sicherlich wurde gerne auch auf einen Nickel- oder Dime-Back gesetzt, doch im Grunde waren das zusätzliche Defensive Backs, die eben im Slot spielten gegen Formationen, die es numerisch erforderten. Die heutigen Slot-Cornerbacks sind jedoch keine Backups mehr, die sonst außen spielten. Sie sind spezialisiert auf den Slot, und sie sind meist de facto Starter.

Spieler wie Chris Harris oder auch Marlon Humphrey verdienen ihre Brötchen damit, die heutigen Welkers zu bewachen. Und freilich hat sich auch diese Position mitunter schon wieder weiterentwickelt. Waren es früher wirklich eher die kleineren Receiver, die hier agierten, wurden diese in den vergangenen Jahren immer größer.

Stars wie Keenan Allen, Michael Thomas oder der ewige Larry Fitzgerald spezialisierten sich ebenfalls darauf, öfter innen zu spielen und damit noch mehr Schaden anzurichten, einfach auch durch ihre Größe. Und dann gibt es da noch die Speedster, die ebenfalls auf den Slot spezialisiert sind. Tyreek Hill wäre hier das Paradebeispiel. Es gibt auch Mischungen aus beidem wie Chris Godwin (Buccaneers), der weitaus mehr ist als ein Yards-after-Catch-Receiver. Godwin fungiert in Tampa auch als vertikaler Receiver, was die Sache für Defenses noch mehr verkompliziert.

Und auch hier gibt es immer mehr Nachahmer. Die Cardinals drafteten kürzlich Andy Isabella für diese Rolle, die Colts Parris Campbell. Der Slot ist mittlerweile eine formidable Rolle für diverse verschiedene Spielertypen, die je nach offensiver Ausrichtung zum zentralen Punkt einer Offense werden können.

NFL: Von Wes Welker profitiert die Liga noch heute

Dass es für Welker letztlich nicht zum ganz großen Wurf - einem Super-Bowl-Ring - langte, war dann wohl mehr dem Pech als alles anderem geschuldet. In seinen zwei Super Bowls mit New England scheiterte er jeweils an den New York Giants, die es schafften, die Offensivmaschine New Englands schon an der Line of Scrimmage zu stoppen. Und offensiv zwei der besten Plays der Super-Bowl-Geschichte anzubringen: Der Helm-Catch von David Tyree und der Seitenlinien-Catch von Mario Manningham.

Welker wechselte 2013 zu den Denver Broncos, wo er mithalf, die Patriots-Rekorde aus 2007 nochmal zu überbieten. Er selbst steuerte 10 Touchdowns bei, was ein Career-High für ihn war. Zudem erreichte er zusammen mit Peyton Manning nochmal den Super Bowl, den allerdings die Seattle Seahawks mit ihrer Legion of Boom gewannen.

Welkers Receptions und Yards wiederum waren weniger als in all seinen Patriots-Saisons. Anschließend ließ ihn sein Körper immer mehr im Stich. Gehirnerschütterungen und weitere Verletzungen zwangen ihn schließlich nach 2015 in den Ruhestand - in Diensten der St. Louis Rams im Übrigen.

Ganz hat Wes Welker das Spiel jedoch nicht hinter sich gelassen. Vielmehr coacht er seit 2019 die Wide Receiver bei den 49ers. Wenn man so will, ist dies das ideale offensive Umfeld für ihn, schließlich verfügt San Francisco über zahlreiche Receiver, die wie einst Welker vor allem nach dem Catch Schaden anrichten. Es ist gewissermaßen die Grundlage für den Erfolg in der Bay Area.

Welkers Zeit auf dem Platz ist vorbei, doch die NFL wird noch lange die Früchte ernten, die Welker einst gesät hat.

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